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Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 17:15
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
[Und ich habe den Eindruck, dass diese ganze Überlegung (eine Theorie möchte ich es nicht nennen) von Krieg und Krieger doch eine sehr schwammige Angelegenheit ist, der nicht wirklich eine entwickelte Theorie der menschlichen Natur und der Beschaffenheit der Welt zugrunde liegt, zumal Begriffe wie "Krieg" oder "Krieger" mir metaphorisch mehr eine Bedeutung zu suggerieren scheinen, als dass damit präzise Dinge genannt wären.
"Von dem Augenblicke an, wo er das Licht der Welt erblickt, sucht ein Mensch aus ihrem Wirrwarr, in welchem auch er mit allem anderen bunt durcheinander herumgewürfelt wird, sich herauszufinden und sich zu gewinnen.
Doch wehrt sich wiederum alles, was mit dem Kinde in Berührung kommt, gegen dessen Eingriffe und behauptet sein eigenes Bestehen.
Mithin ist, weil Jegliches auf sich hält, und zugleich mit Anderem in stete Kollision gerät, der Kampf der Selbstbehauptung unvermeidlich.
Siegen oder Unterliegen - zwischen beiden Wechselfällen schwankt das Kampfgeschick. Der Sieger wird der Herr, der Unterliegende der Untertan: jener übt die Hoheit und »Hoheitsrechte«, dieser erfüllt in Ehrfurcht und Respekt die »Untertanenpflichten«."
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 20:05
von Damian Fuller
Original von Konrad Grimm
Mithin ist, weil Jegliches auf sich hält, und zugleich mit Anderem in stete Kollision gerät, der Kampf der Selbstbehauptung unvermeidlich.
Siegen oder Unterliegen - zwischen beiden Wechselfällen schwankt das Kampfgeschick. Der Sieger wird der Herr, der Unterliegende der Untertan: jener übt die Hoheit und »Hoheitsrechte«, dieser erfüllt in Ehrfurcht und Respekt die »Untertanenpflichten«."
*Klick* Jetzt habe ich es - zumindest den Teil - verstanden.

Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 20:21
von Kreittmayr
Soetwas wie objektive, Kooperation befördernde Interessenharmonie basierend auf dem spezifischen Lebensmodus zweier Organismus scheint dieser Ansatz nicht zu kennen, was ihn ausgesprochen schwach macht. Beispiel dafür in der Natur wären Symbiosen zweier Organismenarten, bei dem das Dasein jedes der beiden Organismen dem jeweils anderen nützlich ist. Oder der Mensch, der durch Kooperation bei seiner produktiven Tätigkeit auch weiter kommt, als durch Raub und Mord.
Deine Theorie da, Thorsten, hinkt.
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 21:03
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Soetwas wie objektive, Kooperation befördernde Interessenharmonie basierend auf dem spezifischen Lebensmodus zweier Organismus scheint dieser Ansatz nicht zu kennen, was ihn ausgesprochen schwach macht. Beispiel dafür in der Natur wären Symbiosen zweier Organismenarten, bei dem das Dasein jedes der beiden Organismen dem jeweils anderen nützlich ist. Oder der Mensch, der durch Kooperation bei seiner produktiven Tätigkeit auch weiter kommt, als durch Raub und Mord.
Richtig. Sowas nennt Stirner einen "Verein von Eignern".
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 22:10
von Kreittmayr
Der Punkt aber ist, dass das impliziert, dass das Leben eben nicht per se Krieg/Kampf ist, und deshalb auch nicht der Krieger/Kämpfer das per se angemessene ethische Ideal ist.
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 22:19
von Damian Fuller
Original von Konrad Grimm
Richtig. Sowas nennt Stirner einen "Verein von Eignern".
Sind "Eigner" immer Herren, die Untertanen befehlen - aber auch eventuell versorgen, wie Lehensherren etc.
Oder könnten/müssten Eigner auch außerhalb der Dualität von Herr und Untertan sein?
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 22:20
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Der Punkt aber ist, dass das impliziert, dass das Leben eben nicht per se Krieg/Kampf ist, und deshalb auch nicht der Krieger/Kämpfer das per se angemessene ethische Ideal ist.
Warum? Nur ein schlechter Krieger kennt nicht die Stärke verlässlicher Bündnisse.
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 22:26
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
Warum? Nur ein schlechter Krieger kennt nicht die Stärke verlässlicher Bündnisse.
Wenn es eine objektive Interessenharmonie bedingt durch den distinktiven Lebensmodus des Menschen gibt, dann ist diese universell auf alle Menschen bezogen, weil alle Menschen qua Menschen den gleichen Lebensmodus haben. Und das bedeutet, dass Kriegercliquen, die sich gegenseitig befehden, ethisch unsinnig sind und nicht der normalen Lebensweise des Menschen entsprechen. Denn wenn Interessenharmonie und arbeitsteilige Kooperation distinktiv für den menschlichen Lebensmodus sind, dann ist ethisch eine Sozialordnung geboten, welche das Miteinander befriedet und die freiwillige Zusammenarbeit zu allseitigem Nutzen befördert -- aber sicher kein Krieg.
Wenn man dann noch immer von Krieg sprechen wollte, könnte man das allenfalls in einem übertragenen Sinne tun, nämlich als Krieg zwischen der Gemeinschaft der Menschen und dem Rest der Natur. Und selbst da kann man noch kritisch hinterfragen, inwiefern die Natur per se menschlichem Leben gegenüber feindlich und im Krieg mit ihm ist.
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 22:32
von Konrad Grimm
Das widerspricht aber dem universellen Kampf ums Dasein, der Inbegriff des Darwinismus ist. Alles ringt mit allem um seine Existenz. Es gibt keine Harmonie. Sieh Dir die Eifersucht in zwischenmenschlichen Beziehungen an und sage mir, da bestünde "Harmonie". Nimm den Neid, nimm den Konflikt zwischen Autobesitzer und Autodieb. Keine Harmonie, nirgends. Nur selten ist sie zufällig vorhanden, und hier werden vorübergehende Kampfverbände gebildet. Schon morgen werden aus Brüdern wieder Feinde.
Verfasst: Fr 19. Sep 2008, 22:45
von Rainer Zufall
Oder aus den Feinden wieder Brüder, seh es doch mal positiv.