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Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:03
von Gunnar Svensson
Ich auch und zwar letzteres. :D

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:08
von Tennessee Rockefeller
Original von Rainer Zufall
Du wirst dich wundern, aber du hast gerade zwar etwas polemisch aber recht adäquat beschrieben, wieso die SPD den Draht zur Basis komplett verloren hat - die SPD ist die Partei des höheren Mittelstandes mit sozialem Gewissen und hat somit nichts mehr mit ihrer Stammwählerschaft zu tun, die natürlich zu denen abgewandert ist, die großteils nichts anderes vertritt, als die SPD der 80er, die neue Linke.
Du wirst lachen, aber das war kein Zufallstreffer - ich kenne doch meine bei den JuSos engagierten Pappenheimer und ihre persönlichen Hintergründe ;)

Darum habe ich auch schon vor zehn Jahren im SoWi-Leistungskurs gesagt: die SPD ist für Wähler, die tiefergreifende gesellschaftliche Umbrüche nach links wollen längst keine Wahloption mehr.

Ihr Personal ist längst ebenso vermufft, spießig und klischeeverhaftet wie jenes der CDU, und braucht die gegenwärtigen gesellschaftlichen Gegebenheiten, um nicht in eine schwere Sinn- und Identitätskrise zu stürzen. Was wäre ein JuSo, der nicht mehr den von seinen Eltern erwirtschafteten Wohlstand auskosten könnte, gegen den er wettert? ;)

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:09
von Rainer Zufall
Jopp, deckt sich mit der Einschätzung von den meisten Jusos die mir begegnet sind. Kenne keinen aus einer sozial schwächeren Schcicht, der noch in dieser Partei wäre.

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:13
von Tennessee Rockefeller
Die heutigen JuSos in ihren Zwanzigern sind ebenso bieder, spießig und materialistisch wie ihre Großeltern - mit dem feinen Unterschied, dass sie für ihren Wohlstand nicht hart arbeiten mussten, es ist ihnen alles in den Schoß gefallen -, und halten ihre bis heute vielfach lockeren, unkonventionellen und idealistischen 68-er-Eltern für verachtenswerte Reaktionäre =)

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:15
von Montgomery Scott
Original von Gunnar Svensson
Es ist für eine linke Partei sicher eine völlig falsche Haltung, nur auf die Revolution zu warten und sonst nichts zu tun, andererseits bedeutet dieser schillernde Begriff "Realpolitik" in der Praxis wenig mehr, als es sich im Kapitalismus gemütlich zu machen und danach zu streben, ihn besser zu verwalten als die bürgerlichen Parteien. Eine linke Kraft die auf Reformismus statt auf Klassenkampf setzt macht sich überflüssig.
Das Problem ist noch tiefgreifender: Wenn Marx wüsste, dass Leute, die sich heute auf ihn Berufen, von "sozialer Gerechtigkeit" reden und erzählen, man müsste der "Ökonomisierung aller Lebensbereiche" entgegenwirken, würde er sich im Grabe umdrehen. Die marxistische Weltanschauung und das westlich-demokratische Politikverständnis sind völlig inkompatibel. Wer wirklich marxistisch denkt, für den sind Begriffe wie Gerechtigkeit und Widerstand gegen Ökonomisierung reine ideologische Worthülsen, die vom eigentlichen Gang der Weltgeschichte ablenken.

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:19
von Rainer Zufall
Nur; wieviele Wähler auch der Linken denken noch marxistisch?

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:22
von Gunnar Svensson
Original von Montgomery Scott
Das Problem ist noch tiefgreifender: Wenn Marx wüsste, dass Leute, die sich heute auf ihn Berufen, von "sozialer Gerechtigkeit" reden und erzählen, man müsste der "Ökonomisierung aller Lebensbereiche" entgegenwirken, würde er sich im Grabe umdrehen. Die marxistische Weltanschauung und das westlich-demokratische Politikverständnis sind völlig inkompatibel. Wer wirklich marxistisch denkt, für den sind Begriffe wie Gerechtigkeit und Widerstand gegen Ökonomisierung reine ideologische Worthülsen, die vom eigentlichen Gang der Weltgeschichte ablenken.
Vollkommen richtig, Marx war alles andere als der Ethiker und Utopist zu dem er sowohl von Gegnern als auch "Freunden" stilisiert wurde. Moralische Empörung über gesellschaftliche Zustände war Marx fremd.

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:23
von Tennessee Rockefeller
Original von Rainer Zufall
Nur; wieviele Wähler auch der Linken denken noch marxistisch?
Die Frage muss lauten: wie viele Wähler der Linken halten sich für Marxisten weil sie glauben, Marxismus hieße eben, dass die angeblich das Land beherrschenden bösen Manager entmachtet und enteigent werden, künftig der kleine Mann auf der Straße alles bestimmt, ab Mittwochmittag Wochendene hat und sein garantiertes Mindesteinkommen von 3.000 € in den Media Markt und zu H&M tragen kann, bevor in den Kurzurlaub nach Mallorca abdüst? ;)

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:31
von Gunnar Svensson
Original von Tennessee Rockefeller
die angeblich das Land beherrschenden bösen Manager
Als "böse" würde ein Marxist Manager nicht bezeichnen, sowas kommt eher aus der sozialkonservativen Ecke. ;)

Verfasst: So 7. Sep 2008, 17:33
von Rainer Zufall
"Böse", "Schuld" und "Sünde" sind dann wohl eher Begriffe des christlichen Sozialismus :evil: