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Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 16:49
von Kauli
Mal ein paar Fakten gegen die deutsche Hauptschuld.
23. Juli Ultimatum von Österreich-Ungarn an Serbien (48 Stunden Frist)
Serbien stimmt dem Ultimatum in fast allen Punkten zu, lehnt aber die Einschränkung der Souveränität ab. Teilmobilmachung der serbischen Armee
25. Juli Österreich-Ungarn erklärt die Antwort Serbiens für unbefriedigend. Abbruch der diplomatischen Beziehungen, Teilmobilmachung von Österreich-Ungarn.
Berlin erklärt sich mit Österreich-Ungarn solidarisch und kündigt an, in den Konflikt einzugreifen, falls Russland interveniert. (Blankovollmacht)
25. Juli Russland beschließt Serbien militärisch zu unterstützen.
Russland, England und Deutschland schlagen Botschafterkonferenz vor, um den Konflikt zu lösen
27. Juli Teilmobilmachung der russischen Armee
30. Juli Generalmobilmachung der russischen Armee
Deutsche Reich forderte in einem Ultimatum die sofortige Rücknahme der russischen Mobilmachung
1. August nachdem die Mobilmachung nicht zurück genommen wurde erklärt das Deutsche Reich Russland den Krieg und startet die eigene Mobilmachung
Das mit Russland verbündete Frankreich macht in Erwartung eines deutschen Angriffes ebenfalls mobil.
Russische Truppen marschieren über die ostpreußische Grenze.
Daraufhin setzte das deutsche Oberkommando den modifizierten Schlieffenplans in Kraft
Belgien verweigert die Durchmarschgenehmigung, das deutsche Reich verletzte die belgische Neutralität für den Angriff gegen Frankreich,
Für England war dies der Anlass, in den Krieg einzutreten.
Wer war nun Schuld? Serbien? Österreich-Ungarn? Russland, die als ersten Angegriffen haben? Das deutsche Reich?
Meiner Meinung nach fehlte es bei allen Beteiligten, insbesondere bei Russland und dem deutschen Reich, am Willen, den Konflikt friedlich zu lösen. Die These einer deutschen Allein- oder Hauptschuld ist aber nicht haltbar.
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 17:12
von Albert von Romanow-Bernstein
Ich habe im letzten Semester eine Arbeit über dieses Thema geschrieben und kann sagen, dass Du unterschlägst, dass das Handeln Österreich-Ungarns maßgeblich von Berlin beeinflusst wurde. Deutschland hat da massivsten Druck auf seinen Bündnispartner ausgeübt.
Meiner Meinung nach ist die Frage nach der Schuld eine falsche Frage. Sie impliziert die Vermutung, dass eine Macht oder zumindest eine Gruppe von Mächten, die alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg hätte. Dies ist aber meiner Meinung nach nicht der Fall, denn wir finden für den
Verlauf der Julikrise auch konfliktfördernde Aktionen der Ententemächte
Die richtige Frage stellt meiner Meinung nach Immanuel Geiss in seinem Werk Julikrise 1914. Er fragt nicht nach der Schuld, sondern nach dem größten Anteil an der Eskalation des Krieges. Ich
halte diese Frage für die sinnvoller, weil sie von Anfang davon ausgeht, dass mehrere Mächte und Bündnisse Anteil hieran haben. Vergleicht man aber nun den Anteil der Mächte, so fällt die größte Verantwortung meiner Meinung nach eindeutig auf das Deutsche Reich. Bereits vor dem Krieg kam es, nicht zuletzt durch das deutsche Weltmachtsbestreben, zu einer
Reihe von Krisen, die die Lage stark anspannten. Es gab bereits einige Jahre vor 1914 in deutschen Militärkreisen erste Präventivkriegspläne des
Reiches gegenüber seinen Nachbarn um der Einkreisung Deutschlands – die ohne Zweifel primär eine Auskreisung darstellt – zu entkommen.
In der durch den Mord von Sarajevo entstandenen Situation sah das deutsche Kaiserreich nun eine günstige Gelegenheit aus der sich eine Reihe von möglichen Folgen hätte ergeben können.
Zum einen erwartete das Deutsche Reich einen diplomatischen Erfolg und einen Prestige gewinnt gegenüber den Ententemächten. Vielleicht, so die Einschätzung Berlins, wäre es sogar zu einem “Sprengung der Entente” gekommen, als dessen Folge wohlmöglich neue Bündnismöglichkeiten
für Deutschland entstehen hätten können.
Ebenso wollte man keine Nachteile in einer möglichen militärischen Eskalation der Krise sehen. Im Juli 1914 sah die Reichsleitung eine für das Deutschland militärisch günstigere Situation als vielleicht zwei oder drei Jahre später. Aus diesen drei Hauptmotiven heraus begann Berlin seinen Bündnispartner in Wien massiv zu drängen – zunächst zu einem harten und schnellen Vorgehen gegen Serbien, später nach Übergabe
des Ultimatums gar zu einer Mobilmachung gegen Belgrad.
Wien, so meinte feste Überzeugung, hätte es wahrscheinlich nicht zu einem für Serbien nahezu unerfüllbaren Ultimatum und dann zu einer Eskalation kommen lassen, hätte es nicht Deutschland
als seinen Verbündeten hinter sich gewusst.
Der deutsche Blankoscheck trug wesentlich zum Ausgang der Krise bei. Eine Bremsung Österreich-Ungarns folgte zu keinem Zeitpunkt.
Deutschland spielte, sich der Gefahr durchaus bewusst, mit dem kalkulierten Risiko eines Krieges und muss somit auch den größten Teil der Verantwortung auf sich laden.
Aus diesem Kontext heraus Deutschland und seinen Aliierten nun die Hauptschuld am Ausbruch mdes Krieges zu geben, wie die Siegermächte es im Versailler Kriegsschuldartikel 231 getan haben, halte ich für falsch. Dies entzieht die Ententemächte aus jeder Form der Verantwortung, die sie vom heutigen Standpunkt aus gesehen durchaus haben.
Dennoch kann man, ohne aber die Teilverantwortung Österreich-Ungarns und der Ententemächte klein reden zu wollen, das Deutsche Reich als den eigentlichen Motor der Julikrise bezeichnen.
Ohne seine esklationsfördende, einen Krieg kalkulierenden Handlungen hätte ein militärischer Konflikt, der unweigerlich zum Weltkrieg führen musste, wie in früheren Krisen höchstwahrscheinlich verhindern werden können.
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 17:26
von Baudouin de Billancourt
Original von Montgomery Scott
Du hast behauptet, wer die EU für gut heißt, wäre näher am Faschismus als jemand, der sie - warum auch immer - ablehnt.
- In diesem Kontext, das heißt, in Bezug auf die EU. Die bloße Meinung zur EU macht noch niemanden zum Faschisten. Im Übrigen war das eine Antwort auf eine unverschämte Person, die einige Leute hier - mich eingeschlossen, wie ich annehme - auf Grund der Haltung zur EU als Faschofressen bezeichnet hat. Die Kritik geht also zurück auf Deine Seite.
Unabhängig von einzelnen Inhalten sondern nur mit der Begründung, dass die EU international Normen durchsetzt.
Dass sie Rechte verletzt.
Ob sie gerecht ist oder nicht, kann man nur im Anblick einzelner Konsequenzen beurteilen.
Nein, Es geht um das Prinzip.
Achja? Und die stetig zunehmende Kapitalakkumulation ist nur eine Folge von Regulierungen, die auf das Gegenteil ausgerichtet sind?
Stetig zunehmende Kapitalakkumulation gäbe es im Kapitalismus wohl nur geringfügig mehr als heute. Im Übrigen: was ist so schlecht daran, wenn jemand sich das Geld verdient hat?
Und die Determination von Aufstiegschancen nach sozialer Herkunft genauso?
Wieso sollten die schlechter sein als heute?
All diese Eigenschaften einer wirtschaftsliberalen Ordnung machen die tatsächliche individuelle Handlungsfreiheit der Menschen zunichte.
Nein.
Der Kapitalismus basiert genauso wie jede andere ökonomische Herrschaftsform darauf, dass eine Elite die zum materiellen Erhalt nötige Arbeit an die arbeitende Masse delegiert und sich im Gegenzug selbst die gesamte Handlungsfreiheit in der Gesellschaft aneignet. Es gibt keine stabile Freiheit im "Liberalismus".
Nein. Die Elite, die nicht arbeitet, muss man mir erst noch zeigen. So etwas gab es zuletzt vielleicht im Feudalismus...
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 17:33
von Baudouin de Billancourt
Original von Kauli
Meiner Meinung nach fehlte es bei allen Beteiligten, insbesondere bei Russland und dem deutschen Reich, am Willen, den Konflikt friedlich zu lösen. Die These einer deutschen Allein- oder Hauptschuld ist aber nicht haltbar.
Ach du meine Güte... ich weiß schon, warum ich nicht Geschichte studiere.
Ich hab es als Kind schon immer - und aus gutem Grund - gehasst, wenn der Lehrer für ein bestimmtes Ereignis 30 Ursachen in willkürlicher Reihenfolge ohne jede Ordnung aufzählte. Es gibt aber Kausalität und Hierarchie. Wer das nicht beachtet, denkt falsch.
Schau Dir nochmal den Punkt Blankovollmacht an, sowie "Deutschland erklärt Russland den Krieg", "Deutschland erklärt Frankreich den Krieg" und "Deutschland marschiert in Belgien ein". Wie die Axt im Walde - aus voller Absicht.
Wer war nun Schuld? Serbien? Österreich-Ungarn? Russland, die als ersten Angegriffen haben? Das deutsche Reich?
Nach dem, was Du da aufgezählt hast, muss man selbstverständlich sagen: das deutsche Reich.
Edit: um es noch deutlicher zu machen:
- Deutschland trägt die alleinige Verantwortung dafür, dass Russland Krieg gegen D führt
- Deutschland trägt die alleinige Verantwortung dafür, dass Frankreich Krieg gegen D führt
- Deutschland trägt die alleinige Verantwortung dafür, dass Belgien Krieg gegen D führt
- Deutschland trägt den Hauptteil der Verantwortung dafür, dass England sich überhaupt im Krieg befand.
- Dann trägt Deutschland noch den Hauptteil der Verantwortung dafür, dass die USA sich im Krieg befanden.
Das reicht jetzt aber, um jedem denkenden Menschen klar zu machen, dass Deutschland die Hauptverantwortung für den ersten Weltkrieg trägt.
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 17:43
von Konrad Grimm
Original von Albert von Romanow-Bernstein
Wieso nicht die CSU-Abspaltung REP?
Weil ich die Nazis in Brüssel in jeder Hinsicht gut aufgehoben finde - sie sind in der Quatschbude Europaparlament an einem Ort, wo sie nichts kaputt machen können, weil dieses Parlament eh nichts zu melden hat, dort aber auf höchst amüsante Art skandalträchtig auftreten würden.
Übrigens:
"Irland war kein Betriebsunfall. Irland ist überall. Die EU hat ein massives Akzeptanzproblem."
- Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber im aktuellen Bayernkurier
Schade, dass die CSU dem wie üblich keine Taten wird folgen lassen.
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 17:55
von David G. Whitman
Original von Baudouin de Billancourt
Es gibt aber Kausalität und Hierarchie. Wer das nicht beachtet, denkt falsch.
[...]
Das reicht jetzt aber, um jedem denkenden Menschen klar zu machen, dass Deutschland die Hauptverantwortung für den ersten Weltkrieg trägt.
Nein, Du vergisst, dass die Kausalkette dem entsprechend mit Gavrilo Princip beginnt. Damit ist diese Person alleinschuldig am 1. Weltkrieg, weil dieses Ereignis in der Hierarchie der entscheidenden Handlungen immer ganz oben stehen müsste.
Ich überspitze das natürlich nun, um Deiner recht monokausalen (und Monokausalität ist selten richtig in der Historie) Theorie zu entgegnen.
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 17:57
von Albert von Romanow-Bernstein
Blödsinn! Wenn es eine Kette gibt beginnt sie nicht mit dem Attentäter.... die ganze These ist Mist!
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 18:01
von Baudouin de Billancourt
Original von David G. Whitman
Nein, Du vergisst, dass die Kausalkette dem entsprechend mit Gavrilo Princip beginnt. Damit ist diese Person alleinschuldig am 1. Weltkrieg, weil dieses Ereignis in der Hierarchie der entscheidenden Handlungen immer ganz oben stehen müsste.
Ich überspitze das natürlich nun, um Deiner recht monokausalen (und Monokausalität ist selten richtig in der Historie) Theorie zu entgegnen.
Du meine Güte... unterscheide erstmal zwischen Ursache und Anlass.
Hierarchie funktioniert auch nicht chronologisch.
Die Probleme in diesem Thread sind jedenfalls epistemisch.
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 18:02
von David G. Whitman
Original von Albert von Romanow-Bernstein
Blödsinn! Wenn es eine Kette gibt beginnt sie nicht mit dem Attentäter.... die ganze These ist Mist!
Erstens beginnt die Julikrise... ähm, womit sonst? Zweitens war das natürlich Sarkasmus, wie Dir hoffentlich nicht entgangen ist.
Verfasst: Sa 5. Jul 2008, 18:05
von Baudouin de Billancourt
Original von David G. Whitman
Erstens beginnt die Julikrise... ähm, womit sonst?
Hierarchie hat nicht zwingend etwas mit Chronologie zu tun, wie gesagt.