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Verfasst: Sa 19. Apr 2008, 22:58
von A. M. von Kurzschluss
Original von Julia Elián
Und ne Frage: Ist "Komasaufen" an sich denn wirklich ein Problem. Also ganz ehrlich: Hab ich schon oft gemacht, sowohl mit 15, als auch jetzt mit fast 25. Und? Ich habe trotzdem bald mein Studium fertig.
Super, weiter so! Erspart dem Staat eine Rentenzahlung! Aber sei so fair und leg dich nicht vorher ins Pflegeheim.... wegen der auftretenden Folgeschäden. Danke!

Verfasst: Sa 19. Apr 2008, 23:44
von Amber Marie Ford
Original von Michael Schneider
Deine Freiheit endet da wo die eines anderen beginnt. Politik bedeutet dabei nichts weiter, als das durch gesellschaftlich legitimierte Macht Situationen in einer Gemeinschaft zur Änderung angedacht werden udn evtl. umgesetzt werden.
Was hat es mit der Freiheit anderer zu tun, ob ich z. B. rauche, trinke oder kiffe, oder - anderes populäres Beispiel - Splatter- oder Ballerfilme oder SM-Pornos gucke? Richtig, rein gar nichts. Ich will nur meine Ruhe um zu tun, was ich tun will. Ich zwinge niemandem etwas auf, ich hindere niemanden irgendworan, ich füge niemandem Schaden zu - ich will einfach nur meine Ruhe um irgendwas zu tun, dass wenn überhaupt, dann allein mir schadet.

Aber das lässt man mich in diesem Land nicht. Eine penetrant oberlehrerhafte und metatotalitäre Obrigkeit versucht, mein ganzes Leben zu durchdringen, will mir diktieren wann ich morgens aufzustehen habe (zuviel Schlaf ist ungesund), was ich zum Frühstück esse (gesunde Ernährung), wie heiß ich duschen ("Klimaschutz") und welche Zahnpasta ich benutzen darf ("Verbraucherschutz"), mit welchem Verkehrsmittel ich mich zu meinem Arbeitsplatz bewegen darf ("Klimaschutz", ausreichend sportliche Betätigung), wen ich dort als Kollegen zu haben habe (Geschlechter- und Behindertenquoten), ob und wo ich während der Arbeit rauchen darf ("Nichtraucherschutz"), was ich in der Mittagspause essen darf (gesunde Ernährung) und sonst zu tun habe (sportliche Betätigung), mit welchem Verkehrsmittel ich von der Arbeit nach Hause fahren darf (s. o.), wie ich die anfallenden Aufgaben in meiner Partnerschaft/Familie aufzuteilen und wie ich meine Kinder zu erziehen habe ("Familienpolitik"), was ich mir im Fernsehen ansehen darf ("Jugenschutz", "Schutz der Menschenwürde") und was ich zu denken habe ("politische Korrektheit").

Unterdessen werden am helllichten Tag alte Menschen brutal ausgeraubt, friedliche Bürger von Kreaturen angepöbelt und zusammengeschlagen die als Neandertaler zu bezeichnen diese Spezies beleidigen würde, Frauen wegen ihrer Kleidung von irgendwelchen Kanacken beschimpft und bedroht, während brave Steuerzahler im Supermarkt einkaufen auf dem Parkplatz ihre Pkw angezündet, und morgen könnte das Land von kommunistischen oder islamischen Horden überrannt werden, ohne dass die schlecht bezahlte, demotivierte und katastrophal schlecht ausgerüstete Sklavenarmee der deutschen Obrigkeit dem etwas wirksames entgegenzusetzen hätte. Das wiederum hat sehr viel mit Freiheit zu tun, frei ist nämlich nur, wer seines Leibes, Lebens und Eigentumes sicher ist, und das ist man in Deutschland längst nicht mehr. Der deutsche Staat fühlt sich für die Kriminalitätsbekämpfung und militärische Abschreckung fremder Aggressoren nämlich herzlichst unzuständig, er bevormundet und erzieht lieber seine Bürger, die sich an die einzig existierende Regel - "Lass deine Mitmenschen gefälligst in Ruhe!" - halten und nur in Frieden leben wollen.

Wer oder was gibt eigentlich irgendeiner sog. "Gemeinschaft" das Recht, sich eines Menschen zu bemächtigen und zu erklären, dieser habe sich fortan den von ihr diktierten "Werten" zu fügen, oder solle gefälligst woanders hingehen? Jeder kann seine eigene Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft aufmachen, die ihren Mitgliedern was auch immer vorschreibt, und wer sich dem unterwerfen will - bitte, Handlungsfreiheit. Aber wer oder was suspendiert das natürliche Recht eines Menschen, in Ruhe gelassen zu werden und tun und lassen zu können, was keinem anderen schadet? Einfach nur weil er das Pech hat, an einem bestimmten Ort der Welt geboren zu werden, und ihm Mittel und Möglichkeiten fehlen, vor seiner totalen Vereinnahmung zu fliehen?

Verfasst: So 20. Apr 2008, 02:51
von A. M. von Kurzschluss
"Dein" Recht hört genau da auf, wo es anfängt andere zu "belasten"..... in dem du in Folge deines Alkoholwahns andere anfährst, verprügelst oder sonst was tust, da wo du in Folge deines Drogenkonsums andere mit den Kosten für deine Entgiftungen "belastest".

So lange du das alles irgendwo im Wald machst, wo das keiner mitkriegt und du in Ruhe "verreckst", ist das völlig in Ordnung.

Der Staat macht das nicht, um dich zu "belästigen", sondern andere vor den Folgen deines Tuns zu schützen. Und das ist auch gut so. Ob das alles in dem Ausmaß, das es angenommen hat, gerechtfertigt und auch richtig ist, sei mal dahingestellt. Mir gehts hier um den prinzipiellen Gedanken. ;)

Verfasst: So 20. Apr 2008, 03:40
von Julia Elián
Original von A. M. von Kurzschluss

Super, weiter so! Erspart dem Staat eine Rentenzahlung! Aber sei so fair und leg dich nicht vorher ins Pflegeheim.... wegen der auftretenden Folgeschäden. Danke!
Danke fuer die Polemik! ;)

Aber was du sagst ist insforen interessant, weil es m.E. auch wieder eine uebertriebene "Angst" oder Vorsorgementalitaet zeigt. Unsere Gesellschaft wird immer aelter und immer gesuender. Frueher haben die Leute doch viel ungesuender gelebt und trotzdem ist die Lebenserwartung in den letzten 200 Jahren exorbitant gestiegen... Es gibt schlichtweg keinen kausal eindeutigen Zusammenhang. Ich will ja nicht bestreiten, dass ein gesunder Lebensstil foerderlich ist, aber es es gibt eben auch Helmut Schmidt der 87 Kette raucht und den Jogger der mit 48 am Herzinfarkt stirbt. Abgesehen davon, dass Du fuer Alkoholfolgeschaeden mehr tun musst, als dich auf Studentenparties wegzuschiessen.

Verfasst: So 20. Apr 2008, 10:46
von Baudouin de Billancourt
Original von Michael Schneider
Warum ist es unmoralisch? Wenn ich Kinder erziehe verwende ich auch "Gewalt" (nur nicht körperlich). Willste mir erklären dass entsprechende Erziehung (also mit Verboten etc.) unmoralisch ist?
Ach, bleib doch endlich mal im Kontext. Es ging die ganze Zeit um staatliche Gewalt gegenüber Individuen.
Kinder sind ein Sonderfall, weil ihr Verstand noch nicht voll ausgebildet ist. Gewalt - nur im Sinne von gewissen Zwängen - ist hier nicht unmoralisch, sondern unumgänglich.

Verfasst: So 20. Apr 2008, 11:36
von Amber Marie Ford
Original von A. M. von Kurzschluss
"Dein" Recht hört genau da auf, wo es anfängt andere zu "belasten"..... in dem du in Folge deines Alkoholwahns andere anfährst, verprügelst oder sonst was tust, da wo du in Folge deines Drogenkonsums andere mit den Kosten für deine Entgiftungen "belastest".
Was ist das denn für eine Logik? Jeden Tag trinken Millionen Menschen in Deutschland Alkohol. Bei jedem dritten oder vierten von einigen zehntausend Verkehrsunfällen spielt Alkohol als Unfallursache eine Rolle. Ich würde eher sagen: würden sich alle Führerscheinbesitzer täglich betrinken und ihr Auto stehen lassen, würden die Unfallzahlen wesentlich signifikanter sinken, als wenn man die Prohibitionskeule schwingt!

Und zum Thema Kostenbelastung anderer durch Alkoholkonsum etc.: das Problem ist auch hier nicht der Alkohol, sondern wiederum der Staat. Was geht den die Krankenversicherung an? Gar nichts! Ob und zu welchen Bedingungen Menschen sich zusammenschließen, um sich auf Gegenseitigkeit gegen krankheitsbedingte Kosten abzusichern, und mit wem sie sich dazu zusammenschließen oder eben nicht, ist allein deren Entscheidung.

Meinetwegen sollen doch einige ihre "Asketenkrankenkasse" aufmachen, die nur Leute nimmt, die sich ausschließlich von Rohkost und stillem Mineralwasser ernähren, und täglich zwei Stunden Yoga machen. Bitte, Handlungsfreiheit. Und wenn einige sich für ganz clever halten und sagen, sie gründen eine Krankenkasse, die nur Leute unter 35 aufnimmt, sollen sie das auch tun - Handlungsfreiheit eben. Ob das klug ist, weil die Mitglieder dieser Kasse ja auch mal älter und dann vielleicht von anderen Kassen ebenfalls nicht mehr aufgenommen werden ist deren Problem, nicht das irgendeiner "Gesellschaft". Jeder ist für sich selbst verantwortlich, Verantwortung für andere übernimmt man freiwillig im Rahmen willentlich eingegangener sozialer Bindungen wie Familien, Partnerschaften, Freundschaften - aber nicht, weil man vom Schicksal einfach ungefragt an irgendeinem Flecken der Welt ausgekippt, und dort gleich von einer sog. "Gesellschaft" einkassiert wurde, nach deren Pfeife man Zeit seines Lebens zu tanzen hat.
So lange du das alles irgendwo im Wald machst, wo das keiner mitkriegt und du in Ruhe "verreckst", ist das völlig in Ordnung.
Ganz schön dreist sich einfach hinzustellen und so zu tun, als seien die Störer im Recht, und wer seine Ruhe vor ihnen will, müsse eben ausweichen, findest du nicht? Wer sich selbst für zu dumm, zu unreif oder zu faul hält, Verantwortung für sich selbst und dafür, die Rechte seiner Mitmenschen nicht zu beeinträchtigen zu tragen und deshalb reguliert und kontrolliert werden will, der muss eben mit Seinesgleichen woanders hingehen!

Im Wald kannst du mit Gleichgesinnten gerne den totalen Umerziehungs- und Überwachungsstaat gründen, der euch vor euch selbst schützt. Das ist euer gutes Recht, solange ihr niemanden zwingt, dort mitzumachen. Aber warum soll euch ausweichen, wer einzig sein alleiniges Naturrecht - das Recht, in Ruhe gelassen zu werden - beansprucht?

Beispielhafte Gegenfrage an die Gesundheitsfachfrau: wer muss vor die Tür gehen, der Nichtraucher oder der Raucher? Wie bitte, auf einmal der Raucher? Weil der andere Leute stört, auf eine Weise (i. e. durch Tabakrauch) auf sie einwirkt, die sie nicht wollen und sich nicht gefallen lassen müssen? Na, sowas aber auch - du verstehst das Prinzip ja doch...
Der Staat macht das nicht, um dich zu "belästigen", sondern andere vor den Folgen deines Tuns zu schützen. Und das ist auch gut so. Ob das alles in dem Ausmaß, das es angenommen hat, gerechtfertigt und auch richtig ist, sei mal dahingestellt. Mir gehts hier um den prinzipiellen Gedanken. ;)
Dein prinzipieller Gedanke ist das Anspruchsdenken: "Ich habe ein Recht darauf anderen vorzuschreiben bzw. vorschreiben zu lassen, wie sie ihr Leben zu leben haben, damit die Auswirkungen ihrer Lebensweise meinen Bedürfnissen entgegenkommen." Und das ist Unfug.

Verfasst: So 20. Apr 2008, 12:58
von A. M. von Kurzschluss
Ich habe eben eine völlig andere Sichtweise, die ziemlich einfach ist: Ich lebe hier und zahle Steuern, dafür will ich auch vom Staat was haben und das nennt sich Fürsorgepflicht.

Außerdem habe ich meine ureigensten persönlichen Erfahrungen einfließen lassen, die keineswegs theoretischer Natur sind. Wenn man sieht, was Alkoholexzesse aus Menschen machen können, welche Folgen auftreten, die dann auch mich belasten, dann finde es einfach gut, wenn da Regelungen getroffen werden, die das ein oder andere verhindern können.

Und "Vernunft" wirst du bei den Jugendlichen die sich jedes Wochenende "abschießen" wohl kaum antreffen. Mag sein, dass man das über Jahre mitmachen kann, ohne das es zu weiteren Ausfallerscheingungen kommen kann, aber die Spätfolgen, dafür interessiert sich halt heute kaum jemand, Hauptsache Spaß und Party machen, was natürlich nicht alle betrifft, aber immerhin so viele, dass man sich entschlossen hat, wenigstens das ein oder andere zu regeln.

Ich sage ja nicht, dass alles was der Staat sich so ausdenkt das Richtige ist, nur das gewisse Entscheidungen halt genau meinen Nerv treffen.

Verfasst: So 20. Apr 2008, 13:13
von Aaron Sulla
Ein Mensch der raucht, säuft und jede Menge ungesundes Zeug frisst, kommt den Staat billiger als ein vegetarischer Gesundheitsfanatiker, der jeden Tag joggen geht.

Verfasst: So 20. Apr 2008, 13:40
von Michael Schneider
Der Staat ist kein Unternehmen in dem es um Gewinnmaximierung und allein um die Zufriedenstellung der Aktionäre geht. Wenn man das hier so hört könnte man meinen ihr wünscht euch einen Staat dem moralische Verpflichtungen am Arsch vorbeigehen.

Dabei mögen allerdings die Ansichten was moralisch vom Staat zu tun ist divergieren. Angesichts der tatsache, dass aber der Staat über Jahrtausende hinweg eher zu wenig als zuviel für seine Bürger getan hat ist es nur natürlich dass man Nachholbedarf verspürt. Und wenn wir sehen das die Menschen leider doch eher dumm geboren werden als sich, wie es die Philosophie anweist auf Vernunft zu verlassen, dann hat der Staat die Pflicht der Erziehung übernommen (wobei auch dabei eben in unserem deutschen Staat genau definiert wie das passieren darf und wie nicht; Stichwort: Ideologien/Propaganda).

Der Staat darf eben nicht tatenlos zusehen wie sich jemand selbst fahrlässig umbringt und dabei noch andere mitreißt (Sterbehilfe u.ä. mal ausgeklammert). Das ist jedenfalls meine Ansicht.

Verfasst: So 20. Apr 2008, 13:44
von Baudouin de Billancourt
Original von Michael Schneider
...dass aber der Staat über Jahrtausende hinweg eher zu wenig als zuviel für seine Bürger getan hat...
Nach welchem Maßstab?
Der Staat darf eben nicht tatenlos zusehen wie sich jemand selbst fahrlässig umbringt und dabei noch andere mitreißt (Sterbehilfe u.ä. mal ausgeklammert). Das ist jedenfalls meine Ansicht.
Okay, dafür gibt es die Polizei. Wie gesagt ist das eine legitime Aufgabe des Staates. Aber das soll nun eine Entschludigung für sämtliche Funktionen sein, die der Staat unberechtigterweise seinen Bürgern entrissen hat?
Und wie Du den Staat mit moralischer Verantwortung (als nächstes kommen bestimmt wieder altruistische Parolen) in Verbindung bringen willst, wird mir auch nicht klar.