Original von Oliver von Palm
Wie möchtest du das Problem angehen? Die Tyrannen weitermachen lassen?
Das nächste Mal dem Tyrannen gar nicht erst zur Macht verhelfen?
Das ist doch genau das Problem: Man steht vor einer schwierigen Lage, weiß nicht weiter und denkt sich vor lauter Hilflosigkeit: "Wir müssen irgendwas machen! Dass es weder rechtens noch eine Lösung ist, stimmt zwar, richtig...aber wir müssen doch irgendwas machen!". And so on...und wenn in dem Chaos der nächste Tyrann an der Macht ist, denkt man sich wieder das gleiche.
Beispiel Saddam Hussein: Saddam ist an die Macht verholfen worden, um dem USA-feindlichen Iran auf die Pelle zu rücken. Obwohl er ein Tyrann war, nach seiner Persönlichkeit vielleicht der krasseste von allen, deren Namen bisher gefallen sind. Das Land, dem unsere Nation so treu verbunden ist, dass wir laut unserer tollen Bundeskanzlerin "im Zweifelsfall zu allem bereit" sein sollten, um ihm beizustehen, hat ihm alle Mittel gegeben, die er nur wollte, US-Regierungsmitglieder haben ihm grinsend die Hand geschüttelt und Deals abgeschlossen. Die Kohl-Regierung hat ihm Massenvernichtungswaffen geliefert.
Und dann? Der Iran war zu stark für Saddam und der hat die Stoßrichtung gewechselt und mit seinen amerikanischen und deutschen Waffen die Nachbardiktatur Kuwait angegriffen. Das war dann plötzlich nicht mehr okay, weil Kuwait US-freundlich war. Klar, in Kuwait gilt auch in weiten Teilen die Scharia, bis heute, aber da stört sich keiner dran. Klar, Kuwait war bis 91 eine Diktatur und ist es im Grunde bis heute, aber das macht ja nix. Es geht halt weder um Menschenrechte noch um Demokratie, es geht um Macht.
Der Irak ist dann von Papa Bush angegriffen worden, als Saddam die kuwaitischen Ölquellen dem amerikanischen Zugriff entreißen wollte. Die US-Army ist soweit vorgerückt, dass Saddam nicht mehr an die Ölquellen rankam. Und dann? Ist der böse Diktator entmachtet worden? Nein, denn solange er nur in Bagdad sitzt und seine Bevölkerung unterdrückt, stört das in Washington, Paris, London und Berlin keine Sau.
Bis 2000 hat sich für Saddam auch niemand mehr interessiert. Dann kursierten unter den amerikanischen Neocons Strategiepapiere, die davon redeten, die amerikanische Vormacht müsste militärisch ausgeweitet werden, vorallem in Bezug auf den Ressourcennachschub. Die Ressourcen, das ist vorallem das Öl und das liegt bei den Moslems im Nahen Osten. Welches Land im Mittleren Osten war 2001 militärisch völlig am Boden, dazu noch für die amerikanische Öffentlichkeit der Teufel schlechthin und hat nebenbei noch vorzüglichen Zugang zu anderen ölreichen Diktaturen? Der Irak. Da kam 9/11 sehr günstig dazwischen, die amerikanische Öffentlichkeit hat nicht interessiert, dass Saddam nichts mit den Islamisten am Hut hatte (im Gegenteil, die irakische Opposition befand sich im Dschihad mit ihm), also war eben plötzlich der Zeitpunkt da, wo es als sinnvoll erschien, Saddam mit Lügengeschichten über militärische Bedrohung als Gefahr für die westliche Welt darzustellen und dann mit Untstützung der westlichen Öffentlichkeit zu stürzen.
EDIT: Und die USA haben dann nicht etwa die Demokratisierung des Iraks gefordert, Saddams Rücktritt oder sonst etwas, was der westlichen Welt die zehn Jarhe vorher egal war. Die USA haben absichtlich einen Invasionskrieg mit dreisten Lügen über Massenvernichtungswaffen provoziert.
Und nun? Was ist an so einer Strategie denn bitte für Menschenrechte, Weltfrieden und Selbstbestimmung förderlich?