Es geht mir hier nicht um eine Armeeabschaffungsdiskussion, sondern darum, dass es nicht statthaft ist, andere Leute als Mörder zu bezeichnen.
Doch, es ist statthaft. Der Ausspruch
Soldaten sind Mörder ist statthaft. Das hat nicht das Amtsgericht Pusemuckel festgestellt sondern das höchste deutsche Gericht. Und im Rahmen des BVG-Urteils ist es mir auch erlaubt, diesen Ausspruch zu verwenden. Punkt.
Ihr Kriegsdienstverweigerer braucht nicht meinen, ihr seid bessere Leute als wir Gedienten.
Sagt ja auch keiner. Was ist denn ein besserer Mensch? Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass wesentlich mehr Abiturienten den Dienst an der Waffe verweigern als Hauptschüler und das die Bundeswehr gerade bei der Rekrutierung junger Gymnasiasten Schwierigkeiten hat - das ist Faktum Nr. 1.
Ihr habt den einfacheren Weg gewählt, habt euch vor der pysischen und psychischen Anstrengung des Militärdienstes gedrückt,
Die da wären? 3 Monate Sport, danach Zeit totschlagen und Gesäufnisse zu zelebrieren? Was hab ich davon 1 Woche im Zelt draußen irgendwo zu schlafen? Das kann ich auch so - gerade, weil die Bedingungen der Bundeswehr ja nun nicht wirklich realistisch sind: Privathandys sind fast überall mit dabei, marschiert wird nur, wenn die Sonne nicht zu heißt scheint. Lustig, dass diese Jungs dieses Land verteidigen wollen. Aber dazu später mehr.
den Kopf vor der Realität der Welt in den Sand gesteckt und die Drecksarbeit der Gesellschaft damit anderen überlassen.
Ach genau! Sprich all die an, die in Kinder- und Jugendheimen sich tagtäglich um gebrochene Seelen kümmern, sprich all die an, die in Altenheim aushelfen damit der Pflegenotstand nicht noch größer wird, sprich all die an, die in Krankenhäusern tagtäglich mit mehr Grausamkeiten konfontriert wird als ein Wehrpflichtiger im Rahmen seiner 9 Monate Dienstzeit. Sprich auch all die an, die morgens im Berliner Berufsverkehr einen Krankenwagen steuern müssen und die ganz genau wissen, das es auf jede Sekunde ankommt. All die haben in deinen Augen einen einfachen Weg gewählt?
Wie sah denn dein Dienst an der Bevölkerung in deinen 9 Monaten aus? Was hast du denn schönes getrieben?
Wie auch immer. Eure Meinung ist euch unbenommen. Aber was ihr nicht machen solltet, ist uns als Mörder zu titulieren. Das haben die Soldaten, die täglich ihr Leben in Friedensmissionen riskieren, nun wirklich nicht verdient. Ihr sitzt in eurem gemütlichen wohlbehüteten und sicheren Elternhaus, während in anderen Teilen der Welt Kinder zu Kindersoldaten eingezogen, Mädchen vergewaltigt, Menschen gefoltert werden. Ein Soldat, der in diesem wahrhaft mörderischen Umfeld für ein bisschen Sicherheit sorgt und verhindern kann, dass Menschen zu Schaden kommen, z.B. Teilen Afrikas, dem Kosovo, in Afghanistan usw., der leistet der Menschheit einen viel grösseren Beitrag als ihr - ihr, die ihr gar nichts macht.
Und von wen werden Kinder zu Soldaten erzogen? Mädchen vergewaltigt, Dörfer abgebrannt, Menschen gefoltert - von Soldaten! Von Armeen, irgendwo in Afrika, 1944-45 auch in Deutschland, in Asien und und und. Es sind ja keine Pazifisten die Mädchen vergewaltigen sondern die, deren Berufsgruppe du gerade beschützt. Ohne Soldaten hätten wir dieses Elend nicht in dem Ausmaße.
Aber ich weiß. Deutsche Soldaten sind da anders, sie sind besser. Wie klang das nochmal? Deutschland, Deutschland über alles? Jaja, diese Zeiten hatten wir auch - da haben deutsche Soldaten die Schandtaten begannen die du gerade aufgezählt hast. Und heute? Gut, die Bundeswehr ist anders, sie gehört einem parlamentarischen Staate an und wird kontrolliert. Es gibt den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages und irgendwo in jedem Soldaten auch eine gewisse Werteordung, die er nicht gegen ein Maschinengewehr tauscht. Aber Coesfeld hat uns gezeigt, dass auch deutsche Befehlhaber 2005 foltern und diskriminieren können.
Und auch wenn der Einsatz noch so gut gemeint war, was der einzelne Soldat macht, ist immer noch eine ganz andere Sache. In Afrika wurde eine komplette UN-Einheit abgezogen weil deren Soldaten Kinder und Frauen vergewaltigt haben.
Da, wo Macht im Spiel ist, lebt es sich gefährlich. Macht will immer ausgenutzt werden und Menschen nutzen Macht zu gerne für ihre pervere Phantasie...
Aber ihr differenziert ja nicht einmal zwischen den Soldaten. Für euch ist Soldat gleich Soldat, egal ob es sich um einen Bundeswehrsoldaten im Friedenseinsatz handelt oder einen Milizionär eines afrikanischen Warlords. So dumm kann einer gar nicht sein, dass er diesen Unterschied nicht sieht. Das ist nichts anderes als für sich selbst einen billigen Grund herbeizuzaubern, wie man das eigene Versagen sich selbst verkaufen kann - eine Selbsttäuschung.
Wieviele Experimente müssen noch belegen, dass überall da, wo Macht nicht ausreichend kontrolliert wird, Gewalt mit im Spiel ist? Da mag der Mensch noch so klug sein, sobald er Macht über andere Menschen bekommt nutzt er diese aus. In der Bundeswehr gibt es o.g. Sicherungssysteme und den öffentlichen Druck. Aber was hinter Stacheldraht und Mauern passiert, zeigte uns nicht erst Coesfeld.
Im Übrigen: die USA sind genauso zivilisiert wie wir und heute haben sie ein illegales Strafgefangenenlager auf Guatanamo.... *rolleyes*
Das wisst ihr """Kriegsdienstverweigerer""" ja selbst am besten. Bibelforscher sind wie gesagt von dieser Einschätzung ausgenommen, denn die haben sich niemals vor irgendeiner Verantwortung und Konsequenz gedrückt, ganz im Gegenteil!
Wer sagt eigentlich, dass ein Bibelforscher in 50 Jahren nicht wieder in Deutschland flüchten muss?
Im übrigen: Wie hätte man Europa von der Barbarei des Nationalsozialismus befreien können, wenn nicht mit Waffengewalt, mit dem Einsatz des Militärs? Wie hätte man einen Warlord wie Charles Taylor, der in Afrika vor ein paar Jahren den Kindern die Hände abhacken liess, in seinem Treiben stoppen können, wenn nicht mit dem Einsatz von Soldaten? Dieser Satz gilt auch für Herrn von Palm mit der Aufforderung, mal über den Rand seines voll gefüllten Tellers zu blicken.
Deine Argumentation ist so... blind. Denn du argumentierst folgend: gute Armee befreit von schlechter Armee und danach ist alles super. Ich hingegen sage: lasst uns weder böse noch gute Armeen haben. Denn die von dir angesprochenen Nazis hatten auch soetwas: nennt sich Reichswehr und könnte man als Vorläufer der heutigen Bundeswehr bezeichnen...