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Verfasst: So 19. Sep 2010, 13:12
von Bernardo Macaluso
Original von Kamler Johanssen
Dann sind sie eindeutig ein Lobbyist der besitzenden Klasse, als Proponent des klassischen Staatsausbaus.
Nein, ich muss das staatliche Gewaltmonopol und das Eigentumsrecht ja gegen niemanden verteidigen, der es abschaffen will. Insofern bin ich auch nicht Lobbyist der Besitzenden. Zumal ja prinzipiell jeder davon profitiert, nur eben mit dem negativen Effekt, dass einige überproportional stark davon profitieren. Und hier muss der Staat gezielt abschöpfen. Ich habe nur dafür argumentiert, dass es sich dabei mitnichten um so etwas wie eine "Ungerechtigkeit" handelt.
Verfasst: So 19. Sep 2010, 13:15
von Kamler Johanssen
Original von Lord Macshire
Nun, das war nun die sozialistische Argumentation. Die liberale Argumentation lautet:
Der freie Markt führt immer dazu, daß es immer weniger Gewinner und immer mehr Verlierer gibt, was im Endergebnis zu monopolistischen Strukturen führen würde.
Das ist vom alten, imperianischen Lebemann Marl Karx.
Hier hat der Staat die Aufgabe, diese Strömung entgegenzuwirken. Er tut dies zB mit einem Kartellamt zur Kontrolle des Marktes oder eben Steuern.
Das lässt sich u.a. den schwammig formulierten Gesellschaftsplanideen von Hardfred Mühler-Harnack zuordnen, dem sozialdemokratischen Gegenstück von Erhard Ludwig, dem früheren Wirtschaftsbürgermeister von Deutschland in Dionysos.
Original von Bernardo Macaluso
Exakt. Die Wohlhabenden profitieren bedeutend mehr von Polizei als die, die nichts haben. Von Straßen profitieren auch nur die, die sich ein Auto leisten können.
Die Masse profitiert von der Unternehmerwirtschaft dadurch, dass sich heute fast jeder ein Auto leisten kann und eine Massenversorgung, die noch vor hundert Jahren die wohlhabendsten Aristokraten nicht zur Verfügung hatten.
Wer wem etwas schuldet ist eine unsinnige, pur moralisierende Frage. Es geht darum, wer wem was zu bestimmen hat und wie die Struktur und Hierarchie einer Gesellschaft ist.
Verfasst: So 19. Sep 2010, 13:36
von Lord Macshire
Original von Kamler Johanssen
Das ist vom alten, imperianischen Lebemann Marl Karx.
Kenn ich nicht. Es ist jedoch Lehre des klassischen (=freien) Liberalismus. Bestes Beispiel hierfür sind die USA.
Das lässt sich u.a. den schwammig formulierten Gesellschaftsplanideen von Hardfred Mühler-Harnack zuordnen, dem sozialdemokratischen Gegenstück von Erhard Ludwig, dem früheren Wirtschaftsbürgermeister von Deutschland in Dionysos.
ist schlußendlich nur die Konsequenz aus dem Scheitern des klassischen Liberalismus.
Original von Bernardo Macaluso
Die Masse profitiert von der Unternehmerwirtschaft dadurch, dass sich heute fast jeder ein Auto leisten kann und eine Massenversorgung, die noch vor hundert Jahren die wohlhabendsten Aristokraten nicht zur Verfügung hatten.
Wer wem etwas schuldet ist eine unsinnige, pur moralisierende Frage. Es geht darum, wer wem was zu bestimmen hat und wie die Struktur und Hierarchie einer Gesellschaft ist.
Hier geht es um die Industrialisierung. Das sollte man schon trennen.
Verfasst: So 19. Sep 2010, 14:05
von Kamler Johanssen
Original von Lord Macshire
Kenn ich nicht. Es ist jedoch Lehre des klassischen (=freien) Liberalismus. Bestes Beispiel hierfür sind die USA.
Astor hat eine relativ freie Unternehmerwirtschaft und fährt damit ganz gut. Sind aber andere kulturelle Verhältnisse da drüben. Leistungsgerechtigkeit zählt dort mehr - die Verteilungsgerechtigkeit wird als primäre Aufgabe der Gemeinde, kirchlich und lebensgemeinschaftlich betrachtet, nicht als Aufgabe eines staatlichen Überbaus. Bei uns wird dafür traditionell eher die obrigkeitsbedürftigere Verteilungsähnlichkeit angestrebt, wofür dem Staat Kompetenz und Macht zugeschrieben wird.
ist schlußendlich nur die Konsequenz aus dem Scheitern des klassischen Liberalismus.
Der klassische Liberalismus ist ja nie gescheitert, Konzepte scheitern nicht, sie werden abgelöst. Der klass. Lib. des 19. Jhdts. wurde durch den modernen Wohlfahrtsstaat in verschiedenen Varianten (autoritär, egalitär, u.s.w.) abgelöst. Das ist ein politischer und kultureller Vorgang. Andere kulturelle Bedingungen, andere gesellschaftliche Präferenzen, andere Herrschaftsform, davon ausgehend wiederum andere kulturelle Prägung. Also anders strukturierte Wechselwirkungen. Aber: Entgegen sozialistischer Hoffnungen: Der gleiche Mensch.
In Teilen beschreiben sie den Ordoliberalismus, der nie irgendwo verwirklicht wurde. Mit hohen Steuern als "moralischer Ausgleich" gesellschaftlicher Erfolgs-Ungleichheit hat dieser aber nie etwas am Hut gehabt. Das ist wiederum sozialistisches Moraldenken auf eine arbeitsteilige, hochsepzialisierte Gesellschaft übertragen. Nicht unproblematisch.