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Verfasst: Do 12. Mär 2009, 00:01
von Konrad Grimm
Hm. Nun, dann formuliere ich korrekter: Die Medizin setzt in besonderem Maße Werturteile voraus, die über die allen Wissenschaften gemeinsamen, vor allem erkenntnistheoretischen Normen hinaus gehen, und ist insoweit in besonderer Weise kritikwürdig.
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 00:07
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
Die Medizin setzt in besonderem Maße Werturteile voraus, die über die allen Wissenschaften gemeinsamen, vor allem erkenntnistheoretischen Normen hinaus gehen, und ist insoweit in besonderer Weise kritikwürdig.
Wo liegt denn das Problem mit einem unterschiedlichen Grad bzw einer unterschiedlichen
Quantität von Werturteilen bzw. Normativität? Warum ist wenig Normativität okay, wenn viel schlimm ist? Oder schreckst Du jetzt vor den logischen Konsequenzen Deiner eigenen anti-normativen Position zurück?
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 00:13
von Konrad Grimm
Weil es mir darum nicht geht. Es ging mir im Grunde um eine Kritik der speziellen Werturteile der Psychiatrie. Darum, dass ich die Psychiatrie nur sehr eingeschränkt für eine Wissenschaft halte, weil sie eben letztlich psychische Zustände zur Norm erklärt allein deswegen, weil sie der vorherrschende Zustand in der Bevölkerung ist und damit außer Betracht lässt, dass die Norm in gewisser Weise selbst ein Zustand der "Krankheit" sein könnte.
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 00:22
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Weil es mir darum nicht geht. Es ging mir im Grunde um eine Kritik der speziellen Werturteile der Psychiatrie. Darum, dass ich die Psychiatrie nur sehr eingeschränkt für eine Wissenschaft halte, weil sie eben letztlich psychische Zustände zur Norm erklärt allein deswegen, weil sie der vorherrschende Zustand in der Bevölkerung ist und damit außer Betracht lässt, dass die Norm in gewisser Weise selbst ein Zustand der "Krankheit" sein könnte.
Sie erklärt sie ja nicht zur Norm. Die Einteilung krank/gesund ist lediglich Prämisse für bestimmte Schlüsse. Daran ist nichts unwissenschaftlich. Natürlich ist die Frage nach dem konstruierten Normalsein (die übrigens in der Psychologie genauso wie in der Soziologie Thema ist) wichtig aber sie liegt nach meinem Verständnis außerhalb der Psychatrie im engeren Sinne.
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 00:51
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
weil sie eben letztlich psychische Zustände zur Norm erklärt allein deswegen, weil sie der vorherrschende Zustand in der Bevölkerung ist
Nun, ich gebe Dir insofern recht, als dass der statistische Durchschnitt natürlich keine valide Grundlage ist, um die Normen von Gesundheit und Krankheit zu begründen. Aber das ändert nichts daran, dass beides legitime und begründbare Begriffe sind, die ihre Basis durchaus in Fakten haben.
* * *
Aber ne allgemeine Verständnisfrage zu Deiner Position:
Also, wenn ich Deinen letzten Post recht verstehe, lehnst Du also nun nicht mehr Normativität per se ab, sondern nur noch Normen, von denen du denkst, dass sie sich nicht sachlich begründen lassen? Wenn ja, dann wäre das ja ein Fortschritt.

Verfasst: Do 12. Mär 2009, 08:20
von SRM
Auch auf das Risiko hin, dass ich nun gelyncht werde, möchte ich vorweg schieben, dass die Taten grausam und nicht notwendig gewesen wären. Aber mich stört die allgemeine Diskussion über psychische Störungen, die am besten noch auf genetische Prädispositionen zurückzuführen sind, massiv. Ich bin der klaren Überzeugung, dass ein Mensch nicht zum Amokläufer "geboren" ist, sondern erst dazu gemacht wird.
Nach dem alten Ursache-Wirkungs-Postulat und der Floskel "Steter Tropfen höhlt den Stein" bin ich absolut überzeugt, dass es nicht das Individuum selbst ist, die Amokläufe oder suizidale Tendenzen produziert, sondern die Umwelt. Wenn der (zumeist) hirnamputierte Mob - in Schulklassen üblich - ein Opfer gefunden hat, an dem es sich selbst aufrichten kann und die eigenen Schwächen zu übertünchen, ist der Grundstein für einen Amoklauf gelegt.
Nicht umsonst ist immer die Rede von ruhigen, zurückgezogenen und im Umfeld nicht akzeptierten Amokläufern - wen wundert das denn bitte? Was heute unter dem Modewort Mobbing firmiert, ist nichts als psychischer Terror, der den Geist des terrorisierten Menschen bricht.
Unter diesen Voraussetzungen zeige ich vorsichtiges Verständnis für die Tat, auch wenn ich sie für unnötig halte. Aber die Gesellschaft fährt die Ernte ein, die sie mühevoll und in endlosen Kleinkriegen gesät hat.
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 08:53
von Laird Glencairn
derzeit kristallisiert es sich immer mehr heraus, dass er gezielt in die Klasse gegangen ist, in der Schülerinnen und Schüler aus seinem Ort waren. Außerdem wurden fast auschließlich Mädchen erschossen, sowie Lehrerinnen. Die anderen Opfer sind unter der Rubrik "zufällig" einzusortieren.
Ob da das Motiv zu finden ist? Verschmäte Liebe, Hänselungen unter den Kids?
Auch wenn man das Motiv als banal empfinden mag, wer weiß wie tief die seelischen Verletzungen in ihm gewesen sind? Meine Pubertät ist nun schon ein paar Tage her, mir war damals auch Fußball wichtiger wie die "Rotzgören", aber heute ist das ja schon spätestens mit 12 ein wichtiges und nicht zu unterschätzendes Thema. Meine Kleine ist grad 15 geworden und macht sich schon seit 2 Jahren Sorgen darum, ob sie einen Freund "abbekommt".
Noch eine kleine traurige Geschichte am Rande, ein Polizeibeamter, der zur Unterstützung aus einem angrenzenden Landkreis angefordert wurde, war mit einer der getöteten Lehrerinnen liiert und erfuhr von ihrem Tod direkt vor Ort.
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 09:05
von SRM
Wenn man das ganze nüchtern betrachtet, bleibt bei mir die Bestürzung ein Stück weit aus. Gerade die Lehrerschaft versagt in dem von mir oben genannten Punkt reihenweise und zieht sich auf Unwissenheit zurück. Dabei wäre es grade die Aufgabe der Lehrer, die Integration zu fördern und die Gesellschaft ein Stück weit zu formen.
Das System hat bekommen, was es verdient.
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 09:16
von Laird Glencairn
nicht das System hat bekommen was es verdient, 15 Menschen haben bekommen was sie nicht verdienen!
Von Lehrern wird erwartet, dass sie die Fehler im Elternhaus erkennen und ausbügeln. Beim bis zu 36 Schülern in einer Klasse und bei 2 bis 6 Schulstunden pro Woche in der Klasse mit einem Auftrag den Kindern Wissen beizubringen gerät man ziemlich schnell an seine Grenzen. In sozialen Brennpunkten mit Migrationshintergrund und hoher Arbeitslosigkeit vermutlich schneller wie auf einer behüteten kleinen Dorfschule.
Der Fehler beginnt in vielen Elternhäusern, in denen die Kinder keine Werte mehr vermittelt werden. In denen es zur Normalität gehört, dass sich die Erwachsenen besaufen, prügeln und gegenseitig beleidigen. Das kann kein noch so engagierter Lehrer abfangen.
Ein früherer Schulleiter des Internats Salem hat mal gesagt, Kinder haben ein Recht auf Disziplin.....
Sicherlich ist im Schulbereich einiges im Argen, aber diese Tat nun dem System und der Lehrerschaft unterzuschieben ist Populismus hoch zehn. Steht auf der gleichen Stufe wie die bösen Schützenvereine und die bösen Programmierer von Ballerspeilen.
Verfasst: Do 12. Mär 2009, 10:06
von Montgomery Scott
Original von Laird Glencairn
Steht auf der gleichen Stufe wie die bösen Schützenvereine
Mit dem Unterschied, dass die Legalität dieses "Sports" ganz real die Tatwaffe beigesteuert hat.