Seite 5 von 9
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 18:29
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
Die Preußen haben nur der Weltgeschichte den endgültigen Beweis gebracht, dass Gesetze keine Diktaturen verhindern können - das lächerliche Urteil zum Preußenschlag zeigt, dass sich das Recht - ein Produkt der Macht - jederzeit seinem Herrn, der Macht, beugt.
Papier ist geduldig, in der Tat. Wenn es aber eines zeigt, dann vor allem dasjenige, dass (a) die staatliche Ordnung letztlich ein Auswuchs der in einer Gesellschaft akzeptierten Kultur ist -- Hitler war nur möglich, weil die Deutschen für ihn bereit waren; (b) ein Rechtstaat, der überpositive Rechte schützt, kann nicht funktionieren, wenn es keinen gibt, der ihn will und gegen gewaltsame Angriffe auch verteidigt.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 18:36
von Rainer Zufall
Original von Konrad Grimm
Na, na. Letzteren Titel kann sich Bayern genauso anstecken.
Im Prinzip das ganze katholische Deutschland. Es gab da mal ne sehr interessante graphik, die belegte, daß gerade die katholischen Regionen bis zuletzt nicht von Hitler dominiert wurden.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 18:52
von Albert von Romanow-Bernstein
Richtig. Schaut man sich vorallem mal den fränkischen Raum an, wo zum Teil katholische Dörfer neben protestantischen Dörfern lagen, kann man erkennen, dass die Zentrumspartei in den kath. Dörfern noch zuletzt 90% der Stimmen hollte, in den protestantischen Dörfern ginge 90% an die NSDAP.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 18:55
von Kreittmayr
Ich erinnere mich auch an eine Karte mit Wahlkreis- und Konfessionsvergleich. Es wäre interessant, die Gründe dafür zu erforschen.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 19:23
von Rainer Zufall
Hier
Gerade frappierend: Schlesien. Da scheint es regelrecht entlang von Konfessionsgrenzen gegangen zu sein.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 20:08
von Franz Sendlhofer
Original von Albert von Romanow-Bernstein
Richtig. Schaut man sich vorallem mal den fränkischen Raum an, wo zum Teil katholische Dörfer neben protestantischen Dörfern lagen, kann man erkennen, dass die Zentrumspartei in den kath. Dörfern noch zuletzt 90% der Stimmen hollte, in den protestantischen Dörfern ginge 90% an die NSDAP.
Darstein im Pfälzerwald wählte 1930 mit 100% die NSDAP. Hauenstein, fast nebendran, wählte 1933 mit über 90% Zentrum und BVP.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 20:37
von Rainer Zufall
Der Katholik ist in erster Linie Katholik und erst in zweiter Linie Deutscher oder sonstwas - also, ich finde das äußerst sympathisch.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 20:59
von Wolfgang Müller
In Andernach, einer sehr katholischen Stadt, gab es 1933 bei den Reichtagswahlen folgendes Ergebnis:
36,6% Zentrum
24,0% NSDAP
16,4% KPD
13,8% SPD
6,1% DNVP
2.4% DVP
In dieser Stadt gab es wenigstens damals eine Einheitfront von SPD und KPD. Während Stahlhelm und SA, ein paar Tage nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, auf dem Marktplatz aufmarschieren und hunderte Menschen auf die Rede des NSDAP-Kreisleiters Heiliger warten, sammelten sich KPD und SPD Anhänger hinter den Fahnen des Reichsbanners und der Kommunisten und singen gegen das Deutschlandlied der Nationalen Kräfte die Internationale.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 21:06
von Hajo Poppinga
Die Sache ist doch vor allem so, daß die Zentrumspartei eine konfessionell gebundene, explizit katholische Partei war. Das gab es so für Protestanten nicht - da war man wohl eher bereit, sich umzuorientieren.
Verfasst: Do 28. Aug 2008, 21:23
von Wolfgang Müller
Das hatte ja auch was mit diesem sogenannten politischen Katholizismus und dem Ultramontanismus zu tuen. Die Katholiken, besonders auf dem Land, haben halt eben damals das gewählt, was der Pastor ihnen gepredigt hat. Die Protestanten, dass was ihnen die Junker eingetrichtert haben.