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Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 20:46
von Kreittmayr
Original von Baudouin de Billancourt
Hä? Ich bin nicht akademisch verbildet genug, um das verstehen zu können.
Da er Gott als absolut frei erwähnt, würde ich mal schätzen, dass er den freien Willen des Menschen als begrenzt betrachtet, weil er das metaphysisch Gegebene nicht nach Belieben ändern kann, so wie "Gott" das angeblich kann. Was natürlich eine abstruse Konzeption von Willensfreiheit ist.
Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 21:01
von Rainer Zufall
Das auch. Aber noch weitergehender: Der Mensch ist auch geprägt - von seiner Sozialisation, seiner Erziehung, dem Grade seiner Bildung, seinen Erlebnissen, seiner Kultur, seinem Werdegang eben. Und diese individuellen, intuitiven Alltagserfahrungen und Prägungen, deren Herr er nicht ist, manifestieren sich natürlich in des Menschen Willensentscheidungen, die schlicht aus seiner Art des Denkens und Handelns hervorgehen - des Menschen Wille ist nur frei a) im Rahmen seiner Möglichkeiten als physisch und im Denken begrenztes Wesen und b) im Rahmen seiner Fähigkeit zu Reflexion und Willensbildung. Nach Schoppenhauer: "Der Mensch kann tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will".
Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 21:31
von Kreittmayr
Fakten, mit denen der Mensch konfrontiert ist, determinieren nicht die Schlussfolgerungen, die er aus ihnen Zeit. Ein Fakt kann immer in verschiedener Hinsicht gedeutet werden. Dabei spielt nicht nur der bestehende Wissenskontext des Menschen eine Rolle, sondern eben auch seine freie Entscheidung - zu denken oder nicht zu denken.
Verfasst: So 27. Jul 2008, 08:54
von Wesirat für Äußeres
Original von Kreittmayr
Liebe zur eigenen Arbeit als ein persönliches Ethos ist in unserer Gesellschaft leider nicht salonfähig. Ich habe meine Zweifel, dass man wirklich glücklich werden kann, ohne diese Leidenschaft für das eigene Tun; schließlich nimmt die Arbeit mit den größten Teil der eigenen Lebenszeit ein. Ich denke, dass es vom widerwilligen Arbeiten mit Sehnsucht aufs Wochenende nicht sehr weit ist zum Wunsch, gar nicht zu arbeiten, und nur noch wochenendmäßig zu vegetieren.
Bei aller Toleranz: Wenn du deinen Philosophenjob nicht kriegst und harte körperliche Arbeit verrichten müsstest, würdest du nicht solche Reden schwingen.
Verfasst: So 27. Jul 2008, 10:40
von Baudouin de Billancourt
Original von Yaashur al-banabi
Bei aller Toleranz: Wenn du deinen Philosophenjob nicht kriegst und harte körperliche Arbeit verrichten müsstest, würdest du nicht solche Reden schwingen.
Wieso? Ich hab meine 10-Stunden-Schichten in der Industrie gemacht und denke ähnlich wie er. Das Sein bestimmt nicht das Denken. Wenn es deine introspektiven Erfahrungen sind, dass "man" das "denkt" und nachplappert, was die meisten Menschen in seinem Milieu so "denken", dann gilt das für keinen anderen als dich selbst und beweist nur, dass du nicht richtig denken kannst - bei aller Toleranz...
Verfasst: So 27. Jul 2008, 11:04
von Michael Schneider
Original von Baudouin de Billancourt
Wieso? Ich hab meine 10-Stunden-Schichten in der Industrie gemacht und denke ähnlich wie er. Das Sein bestimmt nicht das Denken. Wenn es deine introspektiven Erfahrungen sind, dass "man" das "denkt" und nachplappert, was die meisten Menschen in seinem Milieu so "denken", dann gilt das für keinen anderen als dich selbst und beweist nur, dass du nicht richtig denken kannst - bei aller Toleranz...
Mal sehen wie Du das siehst wenn ich dir sage: "Du wirst bis zur Rente jeden Tag, den der Herrgott geschaffen hat, die nächsten 40 Jahre, hier am Fließband stehen und ein Kunstsoffteil an ein anderes stecken. 8 Stunden lang täglich."
ICH will das nicht. Ich glaube ich würde auf Dauer verrückt werden, wenn ich das müsste. Dagegen ist das Leben eines mittelalterlichen Bauerns das reine Paradies, auch wenn er regelmäßig hungert. Eintönigkeit und dauerhafte Langeweile in der Arbeit, ohne Chance auf Änderung, können ein Leben zur Hölle machen.
Verfasst: So 27. Jul 2008, 11:19
von Baudouin de Billancourt
Original von Michael Schneider
Eintönigkeit und dauerhafte Langeweile in der Arbeit, ohne Chance auf Änderung, können ein Leben zur Hölle machen.
Aber darum geht es ja gerade. Menschen, die so einen Job haben, verdienen nicht meinen Respekt oder mein Schweigen, weil sie in so einer schlechten Situation sind. Man sollte nicht aufhören, die Liebe zur eigenen Arbeit als Tugend zu betonen, nur weil einige Menschen eine Arbeit angenommen haben, die sie kaum lieben können. Sie haben sich diese Arbeit ausgesucht und das liegt allein in ihrer Verantwortung. Wenn man in so einer Situation dann nichts von "solchen Reden", wie sie hier "geschwungen" werden, wissen will, macht es das nur noch schlimmer. Auch Fließbandarbeiter haben genügend Auffassungsgabe, um zu begreifen, dass sie ihre Situation nicht verbessern, wenn sie nach acht Stunden dumpfer Arbeit noch dumpferes Fernsehen bei Bier konsumieren.
Verfasst: So 27. Jul 2008, 11:24
von Baudouin de Billancourt
Original von Michael Schneider
Mal sehen wie Du das siehst wenn ich dir sage: "Du wirst bis zur Rente jeden Tag, den der Herrgott geschaffen hat, die nächsten 40 Jahre, hier am Fließband stehen und ein Kunstsoffteil an ein anderes stecken. 8 Stunden lang täglich."
Und das ist auch wieder so ein Punkt. Ob ich das tun werde, entscheide ich. Und wenn ich das entscheide und es sich als falsche Entscheidung herausstellt, verdiene ich dadurch kein Mitleid, keinen Respekt, keine Rücksicht und bestimmt keine "weißen" Lügen von irgendeinem anderen Menschen.
Verfasst: So 27. Jul 2008, 12:14
von Stigman
Original von Kreittmayr
Ich kann von ihm zumindest verlangen, bestrebt zu sein, seine Arbeit so gut als möglich zu machen, 101% herauszuholen, egal wie mies der Job sein muss. Man sollte auch Arbeit nicht generell mit Job verwechseln. Arbeit ist umfassender, und sie schließt für mich persönlich das Streben ein, sich weiterzuentwickeln und auch beruflich zu verbessern. Liebe zur Arbeit heißt nicht, dass ich mir mein ganzes Leben lang nichts Schöneres vorstellen könnte, als am Fließband zu stehen. Sie heißt, dass ich meine Fähigkeit, die materielle Welt nach dem Bild meiner Werte und Vorstellungen zu formen, liebe, und sie zu entwickeln trachte.
Wieviele Jahre arbeitest, oder jobbst, oder was auch immer, Du schon mit 101% Leistung?
Verfasst: So 27. Jul 2008, 12:21
von Michael Schneider
Original von Baudouin de Billancourt
Aber darum geht es ja gerade. Menschen, die so einen Job haben, verdienen nicht meinen Respekt oder mein Schweigen, weil sie in so einer schlechten Situation sind. Man sollte nicht aufhören, die Liebe zur eigenen Arbeit als Tugend zu betonen, nur weil einige Menschen eine Arbeit angenommen haben, die sie kaum lieben können. Sie haben sich diese Arbeit ausgesucht und das liegt allein in ihrer Verantwortung. Wenn man in so einer Situation dann nichts von "solchen Reden", wie sie hier "geschwungen" werden, wissen will, macht es das nur noch schlimmer. Auch Fließbandarbeiter haben genügend Auffassungsgabe, um zu begreifen, dass sie ihre Situation nicht verbessern, wenn sie nach acht Stunden dumpfer Arbeit noch dumpferes Fernsehen bei Bier konsumieren.
Das ist reiner Hohn.
Hast Du mal versucht in Deutschland mit einer entsprechenden Bildung (es gibt nunmal unterschiedliche geistige Vorraussetzungen) eine nicht-eintönige Arbeit zu bekommen? Wenn Du dir Sorgen machen musst wie Du deine Familie mit ausreichend Heizstoff für den Winter, KleidunG; gesunder nahrung etc. versorgen willst und dann dir noch jemand sagt dass er ja selbst verantwortlich dafür sei, daß er nur nen Scheißjob kriegt... abgesehen davon daß kein Geld übrig bleibt für großartige Freizeitaktivitäten. Es läßt sich kaum ein Platz für den Sohn im Fußballverein bezahlen.
Das tumbe Bild des Biertrinkers vorm Fernseher ist stupides Vorurteil. Ich zähle dich damit zu dieser typischen privilegierten Elite, dievollkommen verquere Vorstellungen von der Wirklichkeit hat.