Original von Rainer Zufall
(zumal, wenn sich eine Partei rechts von der CDU entwickeln sollte, wie Schönbohn jüngst andeutete und Merz es - wie man hört - schon plant).
Noch mal zum mitmeißeln

: es gehört zu den ehernden Dogmen der Bundesrepublik, dass rechts von CDU/CSU der Rechtsextremismus beginnt. Wer dagegen aufbegehrt wird sofort von einer "Front der Anständigen", deren Breite sich von irgendwelchen stalinistischen Splittergrüppchen die selbst innerhalb der politischen Linken sonst nur ausgelacht werden bis zum CSU-Ortsverein Oberammergau lautstark niedergebrüllt. Und sicherheitshalber brüllen auch noch der israelische Botschafter sowie die Schmierpresse diverser europäischer Länder mit.
Wer das nicht glauben, der telefonieren nach Brasil und fragen Senhor Schill: "seine" Partei rechtsstaatlicher Offensive (PRO) hatte so viele Funktionäre türkischer, afrikanischer und sonstiger exotischer Herkunft wie keine andere Partei je zuvor, teilweise wurden sogar Vorstandsposten geschaffen, um sie mit Personen ausländischer Herkunft zu besetzen und damit klarzustellen, keine rechtsradikale Partei zu sein. Ergebnis? Pah, den Gutmenschen in seinem Lauf, hält Mehmet noch Kofi auf... :O
Eine Ampel im klassischen Sinne (also Rot-Grün+FDP) wird schon deshalb nicht funktionieren, weil es da im Bundesrat eng werden dürfte; bei einer Schwarzen Ampel sollten sich die Grünen allerdings ernsthaft fragen ob das der richtige Weg wäre die Partei aus ihrer momentanen Sinnkrise zu reißen - sicher, die Große Koalition stärkt die drei Kleinen, die alle in jeder Umfrage über 10% liegen, jedoch könnten die Grünen in einer solchen Konstellation erdrückt schon 2013 um ihre Existenz bangen müssen, zumal diese Konstellation an der grünen Basis nun wirklich nicht rosig rüberkäme - das mag in Hamburg angehen oder in Frankfurt, aber im Bund?
Ähm, die grüne Basis des Jahres 2008 ist nicht die grüne Basis des Jahres 1988
Die einst jungen Spontis, die damals den Grünen beigetreten sind um sich gegen Atomkraft, Wettrüsten und Kohl'schen Muff zu engagieren sind mittlerweile vielfach längst gesetzte und wohlsituierte, reife und abgeklärte Herrschaften in den "besten Jahren". Mit der Zeit gelassen, erfahren und pragmatisch genug geworden um zu wissen, dass die Liberalen ihnen in ihren Werten und Zielen doch ähnlicher sind als jene Bengels, die heute in Markenklamotten zur Anti-Golbalisierungsdemo gehen, und auf dem Heimweg am McDrive halten.
Doch, da geht etwas, und zwar nichts geringeres als der nächste logische Schritt in der Entwicklung der Grünen.
Ab 2013 halte ich Rot-Rot-Grün für eine reale Machtoption, 2009 ist es eher unwahrscheinlich, es sei denn Lafontaine gewinnt die Landtagswahl im Saarland, wird dort Ministerpräsident und schreibt den Linken endlich einmal ein ordentliches Parteiprogramm.
Das Ob und Wann einer Regierungsbeteiligung der LINKEN im Bund ist keine Frage des Datums, sondern der Entwicklung der Partei: zuvörderst muss natürlich Lafontaine weg. Solange der dort auch nur im Saarbrücker Ortsverein das Zepter schwingt, kann die SPD unmöglich mit der LINKEN regieren.
Danach müssen sie endlich mal ihre Leichen aus dem Keller holen, will heißen, sich nach mittlerweile achtzehn Jahren ehrlich und kritisch mit den Verbrechen der SED-Diktatur auseinandersetzen, und diese laut und endlich anerkennen und verurteilen - kein halbherzig in den Bart genuscheltes "Hönönö, Mauer war nicht so doll, hönönö...", sondern ein stimmkräftiges: "Die 'DDR' war ein perverses, menschenverachtendes Unrechtsregime wie das Dritte Reich, und wie der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung auch für deutsche Patroten war, so war der 9. November 1989 ein Tag der Befreiung auch für demokratische Sozialisten!"
Konsequenterweise muss dann natürlich auch Schluss sein mit DKP-Mitgliedern auf Landeslisten der LINKEN, und Sprüche wie: "Um die Errungenschaften der DDR zu schützen brauchte es Mauer und Stasi", müssen konsequent mit Parteiausschluss geahndet werden.
Will die LINKE mitregieren, muss sie die Klassenkampfrhetorik überwinden und zeigen: sie bejaht Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft, und will diese nicht verändern oder überwinden, sondern mitgestalten.
Ansonsten ist die Konstellation mit etwas Pech wie die 2005: Ein Hauch Weimar, keine gewünschte Konstellation in Sicht und Merkel bleibt (WÜRG!) Kanzler und sieht sich wahrscheinlich noch geschwächt, ob der zu erwartenden SPD-Verluste.
Genau das erwarte ich für 2009...