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Grünschnabel
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Grünschnabel
Keine Arbeit, kein Problem. Die Unbegrenztheit der Arbeit und die Knappheit des Kapitals war doch in der Menschheitsgeschichte bisher immer das Problem. Wenn es jetzt anders sein sollte, wäre das schön.
 

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Früher war'n wir Libertäre, heute machen wir Karriere.
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Und ich bleibe dabei, dass das Problem nicht ein Mangel an Arbeit ist. Das Problem ist die Unbezahlbarkeit von Arbeit einmal durch den Wohlfahrtsstaat und zum anderen durch die Bereitschaft der Leute, lieber auf bestimmte Leistungen zu verzichten anstatt sie zu bezahlen. Das hängt natürlich wiederum damit zusammen, wie wenig Geld der Wohlfahrtsstaat auch der arbeitenden Bevölkerung zum privaten Konsum belässt.

Wenn man die Steuer- und Abgabenquote auf unter 10% senkte gäbe es auch wieder vermehrte Nachfrage nach (menschlichen) Dienstleistungen, weil die Kunden sie bezahlen könnten und zu bezahlen bereit wären. Sei es im Einzelhandel, in der Gastronomie, in Einrichtungen der Bildung, Kultur, Freizeitgestaltung, im Sozial- und Umweltbereich oder wo sonst noch. Das Problem ist doch dass Service allerorten rationalisiert wird weil die Kunden ihn nicht mehr bezahlen wollen bzw. können, da sie die Leute die diese Services erbringen würden bereits über den Staat als zentrale Umverteilungsstelle bezahlt haben. Nur eben fürs Nichtstun.
 

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Landesministerin der Westlichen Inseln a. D.
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Original von Melissa Adelaide
und zum anderen durch die Bereitschaft der Leute, lieber auf bestimmte Leistungen zu verzichten anstatt sie zu bezahlen.
Dabei ist unser Marketing doch ohne Unterbrechnung dabei, den Leuten neue Bedürfnisse einzureden!
Wenn man die Steuer- und Abgabenquote auf unter 10% senkte gäbe es auch wieder vermehrte Nachfrage nach (menschlichen) Dienstleistungen, weil die Kunden sie bezahlen könnten und zu bezahlen bereit wären.
Nein. Unser ganzes System überlebt nur, weil der Staat als Superkonsument die Wirtschaft am Laufen hält.
 

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Demokratie ist die Diktatur der Mehrheit.
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Richtig, aber eben neue Bedürfnisse deren Befriedigung gerade nicht personalintensiv ist! Immer neuere Mobiltelefone z. B. mit immer mehr und aufwendigeren Funktionen lassen sich tatsächlich ohne höheren Personalaufwand herstellen als die alten Modelle. Und wenn die Automatisierung weiter fortschreitet vielleicht sogar ganz ohne menschliche Arbeitskraft.

Der Bedarf an menschlichen Dienstleistungen wird uns aber systematisch ausgeredet und aberzogen. "Geiz ist geil", wenn ihm durch weitestgehende Selbstbedienung und Selbstversorgung entsprochen werden kann. Der Mensch wird zunehmend darauf konditioniert, seine Bedürfnisse nur noch rein materiell zu verstehen, nicht mehr seelisch bzw. psychologisch. Erlebnisse wie z. B. beim Einkauf bedient und beraten zu werden, werden als überflüssig qualifiziert. Ein moderndes Geschäftsprinzip verfolgt hingegen, wer den sich Kunden alles allein holen und am besten noch per Kreditkarte an der SB-Kasse bezahlen lässt um ihm dann stolz zu verkünden, das mache ja die niedrigen Preise möglich die er ihm biete. Der Service, der die Qualität des Einkaufserlebnisses steigert indem er seelische Bedürfnisse befriedigt, wird zum überflüssigen und schadlos rationalisierbaren Kostenfaktor herabgesetzt.
 

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Landesministerin der Westlichen Inseln a. D.
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Naja, Kostensenkung ist eben das Einmaleins des phantasielosen BWLers. Aber genau mit dieser permanenten Rationalisierung und Effizienzsteigerung tut sich unser System der kapitalistischen Marktwirtschaft doch hervor.
 

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Die aber durch den Wohlfahrtsstaat erst möglich wird. In einer freien Marktwirtschaft ohne soziale Hängematte ist Gewinnmaximierung indem man seine Mitarbeiter rausschmeißt nur sehr begrenzt möglich bzw. eigentlich unmöglich, weil damit natürlich auch deren Kaufkraft ersatzlos entfällt. Indem nicht mehr bezahlte Arbeit sondern staatliche Transferleistungen die Konsumfähigkeit der Bevölkerung garantieren eröffnen sich in der Tat ganz neue Rationalisierungsstrategien.
 

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Landesministerin der Westlichen Inseln a. D.
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Original von Melissa Adelaide
In einer freien Marktwirtschaft ohne soziale Hängematte ist Gewinnmaximierung indem man seine Mitarbeiter rausschmeißt nur sehr begrenzt möglich bzw. eigentlich unmöglich, weil damit natürlich auch deren Kaufkraft ersatzlos entfällt.
Ja. Sowas nennt die Wirtschaftswissenschaft dann aber gemeinhin "Rationalitätenfalle". Und die Einsicht, dass dieses Verhalten das System zum Kollabieren bringt - so sie denn überhaupt vorhanaden ist -, wird dementsprechend eben nur wenige von der Rationalisierung durch Personalabbau abhalten.

Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst, sagt die VWL, aber der Betriebswirt sagt: jedes Angebot mag Nachfrage schaffen, aber selten die nach dem eigenen Produkt.
 

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Was aber letztlich akademische Überlegungen sind und bleiben. Vielleicht muss der deutsche Staat irgendwann durch eine Geldentwertung, wie an anderer Stelle diskutiert, tricksen. Aber er wird für die absehbare Zukunft dafür sorgen, dass auch wer nicht arbeitet in einer elektrifizierten und beheizten Wohnung mit Anschluss an Trink- und Abwasser sitzt, über einen Farbfernseher, Kühlschrank, E- oder Gasherd, Waschmaschine, PC, Mobiltelefon, DVD-Player und idealerweise noch einen PKW verfügt. Über die Nachfrage müssen wir uns keine Sorgen machen. Irgendwann vielleicht eher noch über das Angebot.
 

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