Die europäische Einigung an sich ist schon ein sinnvoller, wenn nicht wohl sogar notwendiger Prozess. Und auch nicht alle Ergebnisse der europäischen Politik sind so beschissen, wie mancher EU-Kritiker gerne tut.
Aber das ändert nichts daran, dass die EU auch nach Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon ein katastrophales Demokratiedefizit haben wird! Die meisten Mitgliedstaaten haben parlamentarische Regierungssysteme, deren Abläufe von jeweils einer Handvoll Parteifunktionäre kontrolliert werden. Die Wähler in den Mitgliedstaaten wählen also ein Parlament, dessen Abgeordnete wählen dann auf Befehl dieser Parteifunktionäre einen nationalen Regierungschef, dieser ernennt im Benehmen mit den Machthabern seiner Koalitionspartner die weiteren Regierungsmitglieder, und dieser Zirkel wiederum klüngelt im Wesentlichen die Politik der EU aus.
Das Europäische Parlament lässt sich schlechterdings kaum als europäische Volksvertretung bezeichnen. Die Verteilung der Abgeordneten auf die Mitgliedstaaten hat mit gleicher Repräsentation nichts zu tun, jedes Land wendet ein anderes Wahlsystem an, und zu melden hat das Parlament auch nach Lissabon im Vergleich zu den Klüngelrunden der nationalen Regierungen (EU-Kommission, Ministerräte etc.) erschreckend wenig.
Was die EU bräuchte, wäre in der Tat eine richtige Verfassung - etwa nach dem Vorbild der USA. Ein direkt gewähltes Parlament mit zwei Kammern, in einem sind die Mitgliedstaaten entsprechend ihrer Bevölkerungszahl vertreten, im anderen alle gleichmäßig. Beschlüsse werden gemeinsam gefasst. Ganz wichtig: Mehrheitswahlrecht, d. h. Personen wählen, nicht Parteien! Am besten mit "offenen Vorwahlen", in denen sich jeder für den Sitz seines Wahlkreises bzw. seines Landes bewerben kann und hinterher keine Partei von ihm Fraktionsdisziplin einfordern kann - der Abgeordnete ist gewählt, nicht die von einer kleinen Führungsriege kontrollierte Partei!
Dazu ein direkt gewählter europäischer Regierungschef, der sich aus der Gesetzgebung des EU-Parlaments heraushält, und nur dazu da ist, dessen Beschlüsse umzusetzen. Zu seiner Unterstützung ein Kabinett, indem qualifizierte Persönlichkeiten mitarbeiten, und nicht Quotenmänner- und frauen, paritätisch aus jedem Mitgliedstaat.
Schließlich ist die Kompetenzverteilung in Europa zu verbessern. Die großen Themen - Äußeres, Verteidigung, Währung, Wirtschaft, Soziales, Umwelt - nach Europa. Alles andere auf die jeweils kleinstmögliche Ebene, statt den Mitgliedstaaten also lieber regionale Gliederungen (in Deutschland die Bundesländer), Kommunen und Kommunalverbände.
So würde das was mit Europa!