Original von Kathryn Janeway
Ich kann Obama inzwischen noch weniger leiden als vorher. Es ist einfach nur erbärmlich, wie sich gerade die Deutschen zum Affen machen, weil ein elefantenohriger US-Präsident, der einem schimpansengesichtigen US-Präsidenten im Amt nachgefolgt ist, Dresden und Buchenwald besuchen wollte. Übrigens hat Obama bisher außer Versprechungen machen und viel von Change palavern noch nicht viel geleistet. Der wird ebenso als Versager in die Geschichte eingehen wie Bush Jr.
Obama wurde gerade im Wahlkampf von seinen Anhängern sicherlich in manchen Dingen überschätzt, und hat sich, getragen von dieser Welle der Begeisterung, wohl auch selbst etwas überschätzt. Lassen wir die eigentlich unpolitischen Jubelperser, denen sowieso jedes tiefere Verständnis für politische Zuammenhänge abgeht, einmal bei Seite, ist der Blick auf ihn aber auch durchaus bereits nüchterner geworden.
In einem ganz wesentlichen Punkt wird Obama von seinen Kritikern aber nach wie vor erschreckend unterschätzt: er ist die Personifikation der Versöhnung Amerikas mit sich selbst, und der Versöhnung der Welt mit Amerika nach den Jahren unter George W. Bush!
Eine sachliche Bewertung der Amtszeit George W. Bushs wird erst mit einigem historischem Abstand möglich sein, eines steht jedoch bereits fest: emotional war sie ein einziges Desaster! Bushs im Wortsinne unamerikanische Arroganz und Ignoranz gegenüber dem Rest der Welt (wenn du Amerikaner persönlich kennst, weißt du, was ich meine) hat in vielen Ländern grassierende, populäre antiamerikanische Ressentiments in erschreckendem Ausmaß bewahrheitet. Er hat es geschafft, die weltweite Welle der Sympathie, die den USA nach dem 11. September 2001 entgegengebracht wurde, kaltschnäuzig und restlos zu verspielen. Nach dem Schock der Anschläge schien es undenkbar, dass jemals wieder irgendwer die höflich gesagt "fragwürdigen" Umstände seiner Wahl thematisieren würde. Aber Bush hat es unglaublicherweise geschafft - maßgeblich durch sein Lügentheater zur Rechtfertigung der in einen Alptraum gemündeten Invasion des Irak - sie der Welt wieder in Erinnerung zu rufen. Er wird nicht als der Präsident in die Geschichte eingehen, der das Land nach einem seiner schrecklichsten Traumata wieder aufgerichtet hat, sondern als intellektuell defizitärer Versager, der sich mit dem Geld und Einfuss seines Vaters an die Macht gemogelt, und mit Selbstherrlichkeit und Großkotzigkeit mindestes den Ruf seines Landes erbarmungslos ruiniert hat.
Obama ist gerade durch seinen sicherlich naiven Idealismus und Charme der wohltuende Gegenentwurf zu Bush. Dass er vieles von dem, was er Amerika und der Welt in seinen Reden ausmalt, nicht erreichen kann, ist nachrangig gegenüber der Tatsache, dass er davon spricht und daran glaubt. Obama zeichnet und verkörpert das Bild der USA als einer noblen und großzügigen Nation, als einer Weltmacht, die ihre Stellung nicht für die wirtschaftlichen Privatinteressen ihrer Führungsriege einsetzt, sondern für das Wohl der Menschheit als Ganzem. Obama vertritt - glaubwürdig, weil er selbst daran glaubt - das Bild der USA, das die Amerikaner von ihrem Land haben wollen, und das viele Menschen in vielen Ländern von den USA haben wollen. Er ist die Symbolfigur für den Glauben an ein Amerika, das fundamental anders ist als das Amerika des George W. Bush. Er gibt der Sehnsucht nach dem Guten in der Seele der USA wieder ein Gesicht.
Diesen Verdienst wird ihm nichts und niemand nehmen können, mit ihm wird er, unbeschadet aller Ereignisse und sachlichen Erfolge oder Misserfolge seiner Amtszeit, in die Geschichte eingehen. Seine historische Rolle wird sich maßgeblich über den Vergleich mit und die überdeutliche Distanzierung von George W. Bush definieren, und schon das sichert ihm den Status einer Legende. Er verkörpert den ersehnten moralischen Einschnitt nach Bush, den es etwa nach dem Watergate-Skandal seinerzeit nicht gab. Und auch das trägt zur Beförderung seiner historischen Rolle bei.