Damit du mich richtig verstehst: mit Gesellschaftskunde meine ich nicht das in den verschiedenen Bundesländern jeweils anders benannte Fach (in NRW in der Sekundarstufe I etwa schlicht "Politik"), das Schüler in die staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen der Bundesrepublik und in die Gegenstände und Methodik der Sozialwissenschaften einführt!Original von Montgomery Scott
Das ist etwas völlig anderes. Klar, Ethik im engeren Sinne ist nicht alles, was da gelehrt wird. Jedoch werden die Inhalte in Hinsicht auf ethische Fragestellungen behandelt.
Sondern ein Fach, das eben die Lebenswelt und Zukunftsvorstellungen der Schüler aus der Perspektive sowohl der deskriptiven als auch normativen Ethik thematisiert. Weniger didaktisch, denn als Forum des Austauschs und der Diskussion.
Und in der Abwesenheit genau dieser schrankenlosen Objektivierung der Religion liegt der Wert des konfessionellen Religionsunterrichtes. Das Hinterfragen bestimmter religiöser Konzepte oder solcher schlechthin kann und soll im von mir umrissenen Gesellschaftskundeunterricht stattfinden, der Religionsunterricht demgegenüber das jeweilige Bekenntnis der Unterrichtsteilnehmer (Glaubensinhalte, Geschichte, Liturgie bzw. Kultus, Moral usw.) von innen heraus thematisieren.Doch, sogar der einzige adäquate Ort, um darüber zu reden. Im Religionsunterricht fehlt die schrankenlose Objektivierung der Religion. Ethik soll ja auch keine Religionswissenschaft sein sondern eine rein rationale Auseinandersetzung mit den ethischen Grundfragen, bei der man ja durchaus auch religiöse Lösungsansätze einbringen kann.
Religion und Religiösität sind (die) tragende(n) Säule(n) sowohl der diesseitigen Lebensentwürfe als auch metaphysischen Vorstellungen zahlreicher Menschen, mithin unserer Gesellschaft als organischem Ganzem. Die Entscheidung, ob und was jemand glaubt ist, res privata, das Leben als Angehöriger eines religiösen Bekenntnisses jedoch ist res publica.Die da wären?
Das Kennenlernen und Verstehen des eigenen Bekenntnisses aus der entschiedenen Perspektive der Zugehörigkeit ist Teil der Persönlichkeitsbildung, ebenso wie Voraussetzung für Toleranz, Dialog und aktives, positiv gestaltetes Zusammenleben. Es kann nicht aus dem staatlichen Erziehungsauftrag herausgelöst und in die Privatsphäre abgeschoben werden.
