Original von Konrad Grimm
Gehen wir nicht auf diese höchst abstrakte Ebene.
Das ist aber die letztlich fundamentale Ebene, und daher denke ich schon, dass diese Frage auf dieser Ebene diskutiert werden muss.
Die reine Beschreibung empirischer Forschungsergebnisse ist in anderer Weise wissenschaftlich - gewissermaßen "objektivierbarer" - als eine "Wissenschaft" wie die Medizin, die bestimmten Körperfunktionen eine qualitative Wertung verpasst.
Das ändert dennoch nichts daran, dass auch eine Beschreibung Normativität involviert. Und die Medizin tut bei ihrer Zuschreibung "qualitativer Wertungen", wie du es nennst, auch nichts anderes, als den Organismus Mensch aus der Perspektive seines fortgesetzten Funktionierens zu studieren. Das ist letztlich auch eine Beschreibung. Eine Beschreibung, wie dieser Organismus operiert, welche Faktoren seine Operation stören können, und wie man diese Faktoren ausschaltet.
Das stimmt schon bei der Allgemeinmedizin. Denn man kann nicht von einem objektiv schlechten Zustand sprechen, wenn Bakterien den Körper eines Homo Sapiens befallen. Aus Sicht der Bakterien ist das nicht schlechtes, sondern eben das, was Bakterien so tun.
Ja, das mag aus Sicht der Bakterien so sein. Aber die Medizin studiert nicht die Sichtweise der Bakterien, sondern nimmt die Perspektive des menschlichen Organismus ein.