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Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 19:39
von Matt Suchard
Original von Damian Fuller
...filosofieren.. ..phavorisieren...
:daumen:
Wenn die Anhänger eines mittelalterlichen Feudalsystems sachlich begründen können, warum Sie ein solches bevorzugen würden, kann man darüber doch spannend diskutieren.
Ja, aber bisher gab es meiner Meinung noch keine vernünftige Begründung.
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 20:32
von Konrad Grimm
Original von Rainer Zufall
Toll. Dann könntest du auch sagen: Warum soll ich nicht morden dürfen, nur weil irgendwer das in ein Gesetz geschrieben hat?
Morden ist bereits ein normativer Begriff. Korrekt heißt die Frage: "Warum sollte ich nicht einen Menschen töten dürfen, wann immer ich will?"
Die Antwort ist: Es gibt keinen Grund.
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 21:30
von Hin Ten-An
Original von Rainer Zufall
Toll. Dann könntest du auch sagen: Warum soll ich nicht morden dürfen, nur weil irgendwer das in ein Gesetz geschrieben hat? :rolleyes:
Könnte man.. Es mag zwar gute Gründe geben nicht zu morden (z. B. die Kombination von Polizei, Strafgerichten und Gefängnissen), aber die Tatsache, dass auf irgend einem heiligen Papier steht, dass man nicht töten soll, ist keiner.
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 21:58
von Julia Elián
Aber den ging es oekonomisch und sozial im Feudalsystem nicht besser als heute. Und dabei meine ich nicht die Frage nach absoluten Werten, sondern die Relationen, sondern sie wurden i.d.R. unterdrueckt und ausgebeutet und die wenigsten Feudalherren haben FUER ihre Leute gearbeitet. Es geht mir dabei auch nicht um Klischees, sondern darum die Begruendung anzufuehren, dass zu viel Macht in Haenden einer Gruppe oder gar Person schlecht ist (und das auch nicht normativ, sondern - ich greife mal diesen Begriff auf: Im Sinne des "good governance" gemeint), da diese immer eher dazu tendieren werden, die Macht fuer ihre eigenen Interessen zu missbrauchen.
Darum gehoeren fuer mich auch die Federalist Papers zu den besten Werken in der politischen Ideengeschichte, weil sie genau diese Frage als die zentrale erkennen. "Wie kann sich die Gesellschaft und wie kann sich der Einzelne vor dem Missbrauch von Macht schuetzen?"
Zudem setzt selbst ein "wohlwollendes" Feudalsystem vorraus, dass die Traeger dieses Systems nach dem unterstellten "Gemeinwohl" handeln, aber ein solches - ich gebe zu, dass ist jetzt meine persoenliche Meinung - existiert schlichtweg nicht. Es gibt immer nur Partikularinteressen.
Also: Doch kein Feudalismus: Dazu kommen natuerlich noch ca. 1000 normative Argumente.
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 22:06
von Konrad Grimm
Original von Julia Elián
"Wie kann sich die Gesellschaft und wie kann sich der Einzelne vor dem Missbrauch von Macht schuetzen?"
Nur durch Eigen-Macht.
Dazu sind die meisten Menschen nicht fähig, nie gewesen. Sie sind Rindviecher, ob pro forma "Souverän" oder Sklave. "Was nützt den Schafen die Redefreiheit - sie werden doch nur blöken!"
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 22:36
von Damian Fuller
Original von Konrad Grimm
"Warum sollte ich nicht einen Menschen töten dürfen, wann immer ich will?"
Die Antwort ist: Es gibt keinen Grund.
Es hat sich im Verlaufe der Menschheitgeschichte als förderlich für die Zivilisation und den Aufbau einer komplexeren Gesellschaft als förderlich erwiesen, gewisse Grundregeln des Zusammenlebens einzuhalten. Viele von diesen sind Gesetz geworden, andere sind "weiche" Regeln von Sitte und Moral.
Darauf vertrauen, dass sich andere Menschen an solche grundlegenden Gesellschaftsregeln halten kann man am Ehesten, wenn man sich selbst daran orientiert. Natürlich setzt das voraus, dass man lieber selbst in Frieden und darauf beruhendem Wohlstand leben möchte. Jedoch trifft das auf die allergrößte Mehrheit der Menschen zu.
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 22:57
von Julia Elián
Original von Konrad Grimm
Nur durch Eigen-Macht.
Dazu sind die meisten Menschen nicht fähig, nie gewesen. Sie sind Rindviecher, ob pro forma "Souverän" oder Sklave. "Was nützt den Schafen die Redefreiheit - sie werden doch nur blöken!"
Da stimme ich sogar in weiten Teilen zu, aber GENAU darum ist es eben wichtig, Macht auszubalancieren. Das Problem fuer den Einzelnen in einem autoritaeren Staat ist ja nicht, dass er keine Macht hat, den Lauf der Welt zu aendern, das wollen die Meisten ohnehin nicht. Das Problem liegt darin, dass er keine Moeglichkeit hat, sich vor der Machtausuebung anderer, "hoeher stehender" zu schuetzen und es gibt daneben keine Kontrollinstanzen die Machtueberschreitungen aufdecken und ahnden koennen.
Das sind die Gruende, die technisch gesehen, wenn man all den normativen Quatsch weglaesst, fuer die Demokratie sprechen. Dazu kommt v.A. langfristig der Stabilitaets- und Selbstreinigungsfaktor.
Aber ich glaube ohnehin inzwischen, dass Schneider uns verarschen will

Habe auf dem Weg zur Sprachschule nochmal drueber nachgedacht und das Feudalsystem ist unter Einbeziehung nahezu aller politischen Systeme von der Antike bis heute immernoch mit das Schlechteste, was mir eingefallen ist. Der System Output stimmt einfach nicht. Ich glaube wirtschaftlich war sogar der Kommunismus erfolgreicher...
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 23:21
von Konrad Grimm
Original von Damian Fuller
Darauf vertrauen, dass sich andere Menschen an solche grundlegenden Gesellschaftsregeln halten kann man am Ehesten, wenn man sich selbst daran orientiert.
Nun, ich ziehe es vor, mit den Spielregeln zu spielen, nicht nach ihnen.
Verfasst: Mi 23. Apr 2008, 23:24
von Konrad Grimm
Original von Julia Elián
Da stimme ich sogar in weiten Teilen zu, aber GENAU darum ist es eben wichtig, Macht auszubalancieren.
Nein. Darum ist es einzig wichtig, dass ICH die Macht habe. Was interessiert mich, ob andere Macht haben?
Der System Output stimmt einfach nicht. Ich glaube wirtschaftlich war sogar der Kommunismus erfolgreicher...
Feudale Systeme haben mehrere Jahrtausende überdauert. Die Demokratie - wird das nicht.
Verfasst: Do 24. Apr 2008, 00:19
von Baudouin de Billancourt
Original von Julia Elián
Zudem setzt selbst ein "wohlwollendes" Feudalsystem vorraus, dass die Traeger dieses Systems nach dem unterstellten "Gemeinwohl" handeln, aber ein solches - ich gebe zu, dass ist jetzt meine persoenliche Meinung - existiert schlichtweg nicht. Es gibt immer nur Partikularinteressen.
Das ist nicht jetzt eine persönliche Meinung, sondern objektive Realität.