Tja, nur kann man den Stiftungszweck sowie auch das Leitbild der "stimmigen Kulturkarte" wohl recht unterschiedlich auslegen

- ich beziehe mich in meinen Aussagen im Wesentlichen auf
diese sowie
diese Diskussion im Forum der GF. Dort kristallisiert sich meines Erachtens heraus, dass die GF nicht einfach nur eine stimmige Kulturkarte ist und sein will, sondern zugleich die Weltkarte eines neuen Typs von Micronationen.
Die aus meiner Sicht Urkatastrophe und Erbsünde der GF ist dabei
das hier - bloßer Anhalt hin, Dionysos und Futuna her, die GF hat mit der Erstellung dieser "Karte nach Kulturen" mehrere für ihre Entwicklung fatale, zunächst vielleicht bzw. wahrscheinlich unbewusste Grundsatzentscheidungen getroffen: auch wenn es unter dem gerade angesprochenen Verweis etwa auf Dionysos oder Futuna seitens der GF stets bestritten wurde und wird, hat man doch die Weiche dafür gestellt, dass sich nicht eine bloße "stimmige Kulturkarte" entwickelt, sondern eine variierte Rekonstruktion der realen Welt, und der Nachbildung realer Kulturen folgten bald Nachbildungen anderer realer Gegebenheiten, wie etwa geschichtlicher und politischer Zusammenhänge. Diese wiederum haben zwecks Entwicklung einer nun zumindest in der Auslegung des Stiftungszweckes "stimmigen" Karte die Gründung immer neuer Staaten ohne Rücksicht auf das Mitspielerpotenzial der GF-Gemeinde sowie die reale Überlebensfähigkeit so mancher dieser neuen Staaten gefordert und gefördert.
Anstatt das bestehende Staaten sich kulturell stimmig anordnen und historisch-augestalterisch aufeinander abstimmen und vernetzen, wurde ein Gerüst vorgegeben und nach diesem dann Staaten gegründet bzw. für die Einzeichnung ausgewählt. Die Karte wandelte sich von einer Bereicherung und Vertiefung der Ausgestaltung der auf ihr verzeichneten Staaten zu deren bestimmendem Element, sie weist ihnen eine Funktion zu, ist oftmals ihre faktisch einzige Daseinsberechtigung.
Staaten, welche mangels Mitspielern sowie vernünftiger Vorstellung was und wie sie überhaupt sein sollen - und seien wir mal ehrlich: Faszination für fremde Kulturen ist eine schöne Sache, und es ist toll vielfältige Urlaubspläne zu haben welche Kulturen man einmal kennenlernen möchte, aber zum Betrieb einer an einem solchen Kulturkreis orientierten Staats- und Gesellschaftssimulation reicht das bei Weitem nicht immer - keinerlei konstante oder auch nur relevante innere Aktivität entfalten sind nun nichts Neues, und ihr Ausweg aus diesem Dilemma ist es auch nicht: Außenpolitik! Die GF hat die Gründung von Staaten entweder nur um Kartenplätze bestimmter Kulturen zu belegen "weil man sie ja schon immer unheimlich interessant fand", oder man einen entsprechenden Staat für die Darstellung historischer und kultureller Zusammenhänge brauchte forciert, und diese hatten dann keinerlei andere Möglichkeiten überhaupt Aktivität zu entfalten als Außenpolitik zu betreiben. Und da ja alles schon so realistätsnah ist, orientiert man sich eben einfach an der realen Politik, und kreiert hybride Szenarien aus vergangenen und gegenwärtigen Themen.
Die Idee der GF als einer autoritativen "Weltspielleitung" gehört zwar zweifellos in das Reich der Verschwörungstheorien, aber es lässt sich nicht bestreiten, dass die GF in Folge dieser von ihr angestoßenen und geförderten Entwicklungen mehr ist als nur die Verwalterin einer stimmigen Kulturkarte! In gewisser Weise ist sie die, wenn auch inoffizielle und vielleicht sogar unfreiwillige, "Dachorganisation" einer neuen Art der Simulation.
Und daran soll und wird sich, legt man die öffentlichen Beratungen über die Zukunft der GF zu Grunde, auch nichts ändern. Sollte die GF tatsächlich (wieder?) nur eine "stimmige Kulturkarte" sein, wären die richtigen Schritte, zuerst die Gründer und Administratoren aller derzeit verzeichneten Staaten zusammenzurufen um gemeinsam mit ihnen zu beraten, welche Staaten eine realistische und dauerhafte Überlebensperspektive haben, um die anderen rigoros zu löschen. Im nächsten Schritt sollte diese unsägliche "Karte nach Kulturen" ersatzlos durch den Reißwolf gejagt und festgelegt werden, dass die Stimmigkeit einer neuen Nation an einem bestimmten Platz sich individuell nach deren Ausgestaltung und Verknüpfung mit ihren Nachbarn richten soll. An die Stelle generalstabsmäßig vorausplanender Ausgestaltungskonferenzen müsste die Abstimmung der vorhandenen Staaten aufeinander treten, es dürften keine Staaten nach globalen Konzepten mehr gegründet werden, sondern geschichtliche, kulturelle und politische Zusammenhänge müssten sich aus der Situation der existierenden Staaten ergeben.
Die GF hält hingegen noch immer an dem Konzept einer zentralen Ausgestaltung fest, und anstatt auszumisten, alte Zöpfe abzuschneiden und sich tatsächlich auf die Rolle der Verwalterin einer kulturell und naturwissenschaftlich stimmigen Gesamtkarte zu beschränken forciert sie immer irrwitzigere Fusionen ("Niedersachsen" wird "dänisch" und "Tschechien" wird "jugoslawisch") und erwägt, Ein-Mann-Blogstaaten feierlich zu legitimieren.
Damit ist und bleibt sie etwas anderes als eine herkömmliche Kartenorganisation, vielleicht will man diese - Entgleisung? Verselbstständigung? - des Projektes intern ja nur nicht wirklich wahrhaben?
