Original von Baudouin de Billancourt
Du sagst einfach nur, dass die menschliche Fähigkeit, zu denken, ein Hindernis für seine Freiheit darstellt.
Richtig. Weil die Menschen ihren Verstand missbrauchen, wenn sie versuchen, durch ihn zu Sollens-Regeln zu kommen. Wobei ich präzisieren muss: Wenn sie versuchen, zu kategorischen Imperativen zu kommen. Hypothetische Imperative sind kein Problem.
Was sind das jeweils? Ein kategorischer Imperativ ist ein Sollen, das unbedingt gilt. Ein hypothetischer Imperativ hängt von einer normativen Prämisse ab. Nehmen wir ein blödes, aber hübsches Beispiel:
Kategorischer Imperativ: Du sollst aufessen!
Hypothetischer Imperativ: Iss auf, wenn du willst, dass morgen schönes Wetter ist!
Letzteres ist natürlich Quatsch, weil kein Kausalzusammenhang zwischen dem Aufessen und dem Wetter besteht; trotzdem ist es ein hypothetischer Imperativ, weil ich nur dann aufessen muss, wenn ich will, das schönes Wetter kommt. Hypothetische Imperative sind also davon abhängig, was ich will. Und das ist nichts, in das ich eingreifen kann - ich kann tun, was ich will, aber nicht wollen, was ich will. Sie taugen also nicht zur Begründung irgendeiner objektiven Form von Sollensregeln, sondern sind willkürlich.
Bleiben also nur die unbedingten, kategorischen Imperative, um eine Moral zu begründen. Diese sind aber allesamt falsch. Sie enden im naturalistischen Fehlschluss und im Münchhausen-Trilemma. In tausenden von Jahren hat die Philosophie nicht einen einzigen gültigen Imperativ gefunden, der dieser Kritik standhielte.
Tatsächlich ist es nämlich so:
Unser Verstand ist die falsche Instanz, um Handlungsnormen aufzustellen. Dafür sind unsere Gefühle zuständig, und nur sie, denn nur sie sagen uns, was wir wollen (-> Emotivismus). Unsere Gefühle aber werden von Kindheit verschmutzt - nämlich durch die eingetrichterten Moralsysteme. Diese widersprechen unserem eigentlichen Empfinden (täten sie es nicht, sie wären ja auch überflüssig) und führen damit zu kognitiver Dissonanz. Diese kompensieren wir - durch Hass, Minderwertigkeitsgefühle und Neid.
Alle Übel dieser Welt lassen sich auf die Erziehung zur Moral zurückführen.