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Verfasst: Mi 18. Feb 2009, 15:26
von Konrad Grimm
Original von Michael Schneider
Wie man den Menschen kennt wird zum Schluß sinnlose Gewalt kommen und dann wieder ein Neuanfang mit einem (vielleicht neuem) System.
Sinnlose Gewalt?

Ich glaube mehr und mehr, Destruktion ist inmitten der Sinnlosigkeit der Existenz noch das, was am meisten Sinn besitzt.

Verfasst: Sa 21. Feb 2009, 17:25
von Johan Kalliklesson
Original von Konrad Grimm
Sinnlose Gewalt?
Es wird zumindest in der Menschheitsgeschichte immer nach Ideologien gesucht, die Sinn stiften. Auch Sinn für Gewalt und gewaltsame Massenphänomene.
Ich glaube mehr und mehr, Destruktion ist inmitten der Sinnlosigkeit der Existenz noch das, was am meisten Sinn besitzt.
Natürlicherweise könnte man am Ehesten die Fortpflanzung als Sinn oder zumindest Antrieb in der Natur sehen. Da der Mensch teilweise Fortpflanzung und Sexualität entkoppelt bzw. differenziert hat spricht auch wertneutral nichts dagegen, sexuellen Lustgewinn - als allein sinnstiftend ist er vermutlich nicht tauglich - zumindest als Teil eines sinnstiftenden, praktisch gelebten Hedonismus zu sehen.

Verfasst: Sa 21. Feb 2009, 17:50
von Konrad Grimm
Ach, und Hedonismus ist sinnstiftend, hm? Also, meiner Beobachtung nach sind Hedonisten vor allem Meister im Verdrängen.

Verfasst: Sa 21. Feb 2009, 18:03
von Johan Kalliklesson
Original von Konrad Grimm
Ach, und Hedonismus ist sinnstiftend, hm? Also, meiner Beobachtung nach sind Hedonisten vor allem Meister im Verdrängen.
Beispiele bitte. ;) Interessiert mich gerade. Außerdem arbeite ich an so etwas wie einem philosophischen Dialog (wie u.a. von Platon als Darstellungsform verwendet). Da sind praktische Erfahrungen und Gedanken eines Nihilisten interessant.

Zur Verdrängung: Diese ist grundsätzlich meiner Meinung nach weder falsch noch richtig. Wenn sie aber eine Funktion hat bzw. einen Zweck erfüllt ist sie eher "gut" als "falsch".

Zum Hedonismus, ein Zitat: "Die hedonistischen Philosophen mahnen: Vergesst nicht, dass ihr einen Körper habt. Gebraucht ihn auf die beste Weise. Die Ewigkeit, aus der wir kommen und in die wir zurückgehen, wird lange dauern. Deshalb tut alles dafür, um euch in der Zwischenzeit eine fröhliche Existenz aufzubauen." (Michel Onfray)

Verfasst: So 22. Feb 2009, 00:10
von Konrad Grimm
Original von Johan Kalliklesson
Beispiele bitte. ;)
Beispiele?

Also, vielleicht sollte ich mich präziser Ausdrücken: Die Entscheidung für einen Lebensstil, der auf exzessiven Genuss gerichtet ist - nennen wir das mal Vulgär-Hedonismus -, ist häufig eine Flucht vor einer Realität, der der Fliehende nicht gewachsen ist.
Zur Verdrängung: Diese ist grundsätzlich meiner Meinung nach weder falsch noch richtig. Wenn sie aber eine Funktion hat bzw. einen Zweck erfüllt ist sie eher "gut" als "falsch".
Über richtig und falsch kann allein der Verdrängende urteilen, aber gerade er kann es ja wiederum nicht, eben weil er sich den Blick auf die Realität ja verstellt.

Verfasst: So 22. Feb 2009, 13:18
von Johan Kalliklesson
Original von Konrad Grimm
Die Entscheidung für einen Lebensstil, der auf exzessiven Genuss gerichtet ist - nennen wir das mal Vulgär-Hedonismus -, ist häufig eine Flucht vor einer Realität, der der Fliehende nicht gewachsen ist.
Wenn der Genuss zu Leiden bzw. Unzufriedenheit wird, ist er ja keiner mehr. Aber man kann sich ja auch immer wieder neu orientieren.
Über richtig und falsch kann allein der Verdrängende urteilen, aber gerade er kann es ja wiederum nicht, eben weil er sich den Blick auf die Realität ja verstellt.
Man verdrängt aber oft dann, wenn man die Realität kennt bzw. sich vorher bewusst gemacht hat. Danach ist Verdrängung bzw. ein pragmatischer Umgang mit den gegebenen Verhältnissen auf Erden durchaus ein möglicher Weg.
Diesen gehen allerdings viele Menschen, ob sie sich nun in Heilsversprechen flüchten oder in Genuss. Aber vom zweiten hat man, zumindest als Nichtgläubiger, glaube ich ( ;) ) mehr.

Verfasst: Fr 6. Mär 2009, 17:05
von Konrad Grimm
Zurück zum Ursprungsthema - bzw. auch was zum Genießen, jedenfalls wenn man auf den Genuß von Geisterbahnen steht, ein Auszug aus dem Leitartikel des aktuellen "Smart Investor":
Die Banken und der Staat
Um es kurz zu machen: Im Bankensektor brennt es lichterloh, und die gesamte Branche ist meiner Meinung nach auf dem besten Wege, komplett unter Staats-Fittiche zu schlüpfen. Anders wird das Vertrauen nicht mehr zurückkehren können. Solange man nach wie vor rumlaviert wie bei der Citigroup, wo der amerikanische Staat nun einen Anteil von 36% übernommen hat, werden sich die Märkte nicht beruhigen. Wenn US-Finanzminister Tim Geithner dazu sagt, dass er eine mehrheitlich von privatwirtschaftlicher Hand geführte Großbank effizienter und besser geführt hält als eine Staatsbank, dann kann ich ihm dabei nur unumwunden zustimmen. Nur Mr. Geithner, hier geht es schon lange nicht mehr um Effizienz, und um gute Führung schon gleich überhaupt nicht mehr! Es geht hier einzig und alleine nur noch darum, dass aus sich heraus kein Vertrauen mehr für den Bankensektor aufkommen kann. Einzig und alleine die komplette Verstaatlichung könnte das bringen.

Too late and too little

Wenn ich mich so diese Sätze schreiben sehe, dann kommt mir der Gedanke, dass ich inmitten von Che Guevara, Fidel Castro, Leonid Breschniew und Erich Honnecker sicher eine gute Figur machen würde. Doch dabei bin ich hinsichtlich meines volkswirtschaftlichen Standpunkts genau am anderen Ende des Theorienspektrums anzusiedeln. Und dennoch sollte klar sein, dass die bisherige Vorgehensweise des peu-a-peu ein einziges Gestopsel ist, bei dem nichts herauskommen kann. Eine kollabierende Blase, so wie wir sie jetzt erleben, kann man so nicht stoppen. Eigentlich lässt sie sich überhaupt nicht aufhalten, allerdings unter Umständen zeitlich nach hinten schieben. Wenn wir ersteres wollen, also einen deflationären Kollaps, dann müssen unsere Politiker und Notenbanker mit ihrer Politik der kleinen Schritte nur so weiter machen wie bisher. Wenn sie allerdings noch etwas Zeit gewinnen wollen, müssten sie jetzt Vollgas geben, so wie dies die US-Starökonom Nouriel Roubini im Interview mit Smart Investor forderte. Seiner Ansicht nach wird derzeit zu spät und zu wenig gehandelt („too late and too little“).

Wie gesagt: Ich mag mich in dieser Diskussion schon gar nicht mehr engagieren. Denn das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, und man wird es definitiv nicht mehr nach oben holen können. Kurzum: Dieses unsere Finanzsystem liegt in seinen letzten Zügen, und die einzige Frage, die ich mir jetzt noch stelle: Gehen die Lichter schon in wenigen Monaten aus, oder doch erst in ein paar Jahren? Für uns als Marktbeobachter ist dies wichtig, weil sich daraus eine völlig unterschiedliche Analagestrategie ableitet: Im ersten Fall sollte man Geld horten, im zweiten Fall genau das Gegenteil, nämlich Sachwert. Mehr zu diesen Themen finden Sie auch im neuen Heft, wo Sie erhellende Interviews mit den Herren Roubini und auch Felix Zulauf finden.

Verfasst: Fr 6. Mär 2009, 18:17
von Rainer Zufall
Hat Schland dann endlich fertig oder müssen wir uns dieses Siechen noch ein paar Jahrzehnte ansehen?

Verfasst: Di 17. Mär 2009, 18:40
von Kreittmayr
If implemented, this would give the government the authority to designate and supervise "systemically significant" companies. Presumably, systemically significant companies would be those that are so large, or involved in financial activities of such importance, that their failure would create systemic risk.
http://online.wsj.com/article/SB123725470200650641.html

Willkommen im Faschismus.

Verfasst: Di 17. Mär 2009, 22:12
von Konrad Grimm
Naja.

"Systemrelevant" sind nur die Banken als Herzkammern unserer Wirtschaftsordnung. Wenn der Staat auf ihre Rettung verzichtet, fällt das politische System nur einen Tag später als das Wirtschaftssystem.
Fallen die Banken, fällt die Demokratie.

Aber: Die Demokratie wird zugleich dafür sorgen, dass auch große Unternehmen nicht pleite gehen werden. Denn die Regierung, die Opel oder Schäffler pleite gehen lässt, wird abgewählt. Die SPD lechzt doch bereits danach, sich darüber profilieren zu können.
Fallen die Konzerne, fällt die Regierung.

Am Ende fällt schlicht die Währung. Das tut der Herrschaftselite am wenigsten weh.