Original von Sigismund Emmanuel Hirschensohn-Marx
ganz einfach Kanzlerhasi: Die Phantasie ist tot!
Die Kinder von heute sind nicht in der Lage aus einem Forum und einer HP sich eine Phantasiewelt zu erdenken. Sie brauchen flash und bunte Bildchen zum draufrumklicken.
Das große Problem ist doch an diesen ganzen online politiksimulationen (neben dem genannten POP auch eRepublic u.a.), dass es zwar optisch schicker ist, als unsere Foren, aber die Handlungsoptionen total eingeschränkt sind. Aber scheinbar stört das wenige. Mir ist es ja unbegreiflich, denn spätestens nach 3 Wochen hat mal alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Aber ohne Phantasie stört das wenig, dann fährt man eben Routinen... hauptsache bunte animierte Bildchen.
Früher war alles besser. so!
Da ist was dran, ja.
Die letzte technische Innovation, die allgemeine Verbreitung in den MNs gefunden hat, war die Einführung von Burning Boards anstelle von Baumstrukturforen. Vernetzte Portale aus etwa Forum, Register, Landes-Wiki, WiSim, Nachrichtenagentur o. ä., wie z. B. in Dionysos oder Gran Novara umgesetzt, gelten vielen eingefleischten MNlern, die mit solchen Systemen nicht vertraut sind, bereits als unübersichtlich und darum anstregend. Und selbst Hoster, die ein Upgrade vom WBB 2 auf Version 3 ankündigen, riskieren meist schon eine Tracht Prügel.
Irgendwie muss man sich schon mal überlegen, welche Zielgruppe man ansprechen möchte und wie diese zu erreichen ist. Ich denke, ein Faktor bei der Blütezeit der MNs um die Jahrtausendwende war auch der sehr niedrige Altersdurchschnitt der Spielerschaft, der sicherlich bei unter 20 Jahren lag.
Als junge Leute hatten wir damals die Fantasie und den Elan, die Beschäftigung mit Internet-Staaten zu unserem Hobby zu machen. Und wir hatten noch die Radikalität und das Temperament, es richtig rappeln zu lassen im Karton.
Nicht zu vergessen, dass das Internet an sich eine Attraktion war: in Echtzeit mit Leuten zusammen einen Staat betreiben, die überall im deutschsprachigen Raum verteilt sitzen - das war genial, das war innovativ, das war sensationell!
Mittlerweile sind die Kinder, die zusammen mit den ältesten deutschsprachigen MNs das Licht der Welt erblickt haben, schon fast in dem Alter, in dem viele von uns damals in die MNs eingestiegen sind.
Bei denen für die MNs wie sie sind zu werben ist wie sie dazu bringen zu wollen, einen von einem surrenden Projektor abgespielten Schwarzweißfilm in 4:3 und Mono zu gucken, während im Kino gegenüber "Avatar" in 3-D und mit Dolby Surround (oder, falls das auch schon wieder veraltet ist, eben der Nachfolgetechnologie) läuft.
Natürlich gibt es auch heute noch Jugendliche und junge Erwachsene, die sich für Politik, Wirtschaft, Aufbau/Organisation usw. interessieren. Und für die gibt es ja auch die tollsten Spiele und Simulationen, entweder im Multiplayer-Modus online oder gleich komplett im Internet spielbar. Mit dreidimensionalem Interface, intuitiver Ingame-Navigation usw.
Da muss man sich nichts ausdenken, was andere dann nicht interessiert, sie nicht kapieren oder worüber sie erst mal zu diskutieren anfangen, da wird alles realistisch von einer KI berechnet und übersichtlich anhand von per Mausklick aufrufbaren Tabellen, Graphiken usw. dargestellt.
Klar bietet das weniger Möglichkeiten als die MNs in ihren besseren Tagen. Aber dafür mehr sinnliches Erlebnis. Man kann es eben einfach konsumieren, und muss nicht erst selbst aufwändig etwas produzieren.
Zumal die, wenn man die nötige Fantasie hat, annährend grenzenlosen Möglichkeiten der MNs heutzutage doch auch kaum noch von irgendwem überhaupt ausgeschöpft werden. Meistens dreht sich sowieso nur noch alles um das neue Wahlgesetz, den Antrittsbesuch des neuen Regierungschefs eines Nachbarstaates, mit dem man doch sowieso nichts zu besprechen hat, und den Wiki-Artikel zu irgend einem Krieg der virtuellen Geschichte.
Selbst wenn man Außenstehenden die theoretischen Möglichkeiten einer MN aufzeigen könnte, es fehlte der Anschauungsunterricht. Was die potenziellen neuen Mitstreiter nachdem man ihnen stundenlang den Mund wässrig geredet hätte vorfänden wären veraltete oder halbfertige Homepages nebst mäßig aktiven Foren mit überalterter Technik.