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Andrés Text ist in sich widersprüchlich. Einerseits sagt er, die "Nettostaatsprofiteure" hätten die Mehrheit alias Macht in der Demokratie. Andererseits fordert er unbestimmt (wenn auch in der zweiten Person), man solle ihnen das Wahlrecht entziehen. Also: Entweder haben die "Nettostaatsprofiteure" die Macht - wie oder wer sollte sie ihnen dann nehmen? Oder sie haben sie nicht und man braucht, ja kann sie ihnen folglich auch nicht nehmen.
Im Grunde ist es nicht mehr als Klassenkampfrhetorik.
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Ja, daher ja die Unreformierbarkeit. Wenn der Text für eine demokratische Änderung plädieren würde, wäre er aus seiner eigenen Sicht optimistisch.Original von Richard Stresemann
Also: Entweder haben die "Nettostaatsprofiteure" die Macht - wie oder wer sollte sie ihnen dann nehmen? Oder sie haben sie nicht und man braucht, ja kann sie ihnen folglich auch nicht nehmen.
In der Tat kann ja eine substantielle Änderung nur durch revolutionäre Änderung oder Zusammenbruch geschehen. Daher ja auch oben meine philosophische Frage: Könnte es eine Grundregel im Dasein moderner Systeme (oder noch allgemeiner) sein? Es ist ja vermutlich auf Dauer in allen Herrschaftssystemen so, dass sich die Tendenz zur Verkrustung bzw. Strukturkonservierung auswirkt.Im Grunde ist es nicht mehr als Klassenkampfrhetorik.
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Ich sehe es im Prinzip genauso. Die Bestandaufnahme ist absolut zutreffend, Deutschland krankt daran, dass eine Mehrheit von Nichtleistungsträgern Regierungen wählt, die ihnen ihre Leben auf Kosten einer Minderheit von Leistungsträgern erhält. Und genau darum ist eine Reform auch auf demokratischem Wege nicht erreichbar. Die Demokratie hat versagt.

Landesministerin der Westlichen Inseln a. D.
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Ich halte es für völlig verkehrt, über "Nettostaatsprofiteure" zu sprechen. Ich halte den Begriff "Systemprofiteur" für adäquat und kann diesen nur als relative Kategorie begreifen, nämlich im Vergleich zu einem anderen Zustand. Das bloße Nebeneinanderstellen zweier Zahlungsströme - Steuern vs Transferleistungen - ist banal und belegt nichts.Original von Melissa Adelaide
Ich sehe es im Prinzip genauso. Die Bestandaufnahme ist absolut zutreffend, Deutschland krankt daran, dass eine Mehrheit von Nichtleistungsträgern Regierungen wählt, die ihnen ihre Leben auf Kosten einer Minderheit von Leistungsträgern erhält. Und genau darum ist eine Reform auch auf demokratischem Wege nicht erreichbar. Die Demokratie hat versagt.
Und wenn ich an meine Systemprofiteure denke, dann schaue ich nicht zuerst zu Hartz-IV-Empfängern, sondern dann schaue ich in die Parlamente und Regierungen und in die Vorstandsetagen der Konzerne und in die Versicherungen, zu den Fondsmanagern, zu den Banken, in die Vorstandsetagen genauso wie zu den Investment- und Privatebankern, aber auch zu den Kunden wenigstens im Private Banking, Wealth Management und Family Office. Warren Buffet zum Beispiel ist gewiss kein "Nettostaatsprofiteur" im Duktus Lichtschlag, aber kaum ein anderer Mensch hat je soviel von unserem System profitiert.
Und Leistung? Nicht einmal der größte Hartz-IV-"Schmarotzer", der nebenbei noch schwarz arbeitet, ansonsten aber niemals einer abgabenpflichtigen Beschäftigung nachgehen würde, ist auf so leistungslose Weise zu seinem Vermögen gekommen wie die Erben, die von den liberalen und konservativen Leistungspropheten so verhätschelt werden.
Und ob sie dann wirklich netto (!) profitieren, das sei immer noch dahingestellt. Für mich sind viele Hartz-IVler zutiefst abstoßend, aber nicht wegen der paar Euro, auch wenn ich nach meinen Steuerabzügen vermutlich zwei von ihnen jeden Monat auf der Gehaltsabrechnung habe. Sondern weil ich ihr Leben nicht führen wollen würde, das nur aus Betäubung besteht. Und kaum besser bei so vielen anderen der Profiteure, die die Leere in ihrem Leben mit Rausch zuschütten. Und ich habe auch gesehen, wie sich Menschen verändern, die die politische Laufbahn einschlagen - ich habe nur ein Wort dafür: bizarr! Bizarr, wie sie aufhören, echte Meinungen zu besitzen, wie sie ein Dauergrinsen entwickeln und jederzeit ihre Weggefährten umarmen würden, ihnen dabei aber zugleich den Dolch in den Rücken jagen könnten.
Ich vermag nicht, über dieses System zu urteilen, beneide wenige, schon gar nicht unsere "Eliten" um ihre Position. Ich vermag nicht einmal zu sagen, ob ich selbst nun Netto-(!) Systemprofiteur bin. Ich will nur meine Nische, meinen Platz im Kampf ums Dasein. Schon morgen mag der Wind aus einer ganz anderen Richtung kommen, und dann mögen die, die heute herrschen, sich vor den Standgerichten der Herrscher von morgen verantworten. "Heute hängt ihr uns, morgen werdet ihr es sein." (aus: "Sophie Scholl")
Zuletzt geändert von Richard Stresemann am So 11. Apr 2010, 16:33, insgesamt 3-mal geändert.
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"Mithin ist, weil Jegliches auf sich hält, und zugleich mit Anderem in stete Kollision gerät, der Kampf der Selbstbehauptung unvermeidlich." - MS, EEOriginal von Nikolai Vovocka
Könnte es eine Grundregel im Dasein moderner Systeme (oder noch allgemeiner) sein?
Natürlich verteidigt sich jedes Bestehende gegen die Veränderung. Entweder erfolgreich oder eben nicht.
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Es ist für ein ganzheitliches Bild untauglich, das stimmt. Es ist aber auch schwer, die Welt wirklich zu fassen. Das geht eigentlich ja fast nur auf die eigene, subjektive Lebenswelt bezogen und auch da nur relativ.Original von Richard Stresemann
Das bloße Nebeneinanderstellen zweier Zahlungsströme - Steuern vs Transferleistungen - ist banal und belegt nichts.
Immerhin gibt es auch Versuche alternativer Welteinordnung durch Erfassung anderer Werte in einer mess- und vergleichbaren Form (was ein menschlicher Trieb zu sein scheint): Z.B. das Glücksprodukt und einen Lebensqualitätindex.
Seine Vererber wollten es so. Die Staatskasse profitiert durch verschiedene Steuern ahrscheinlich mittelfristig mehr davon, als wenn die Vererber das Geld vorher auf den Kopf gehaut, oder es erst gar nicht erarbeitet hätten. Außerdem kann es durchaus anstrengend sein, sein Vermögen auch zu behalten. Ob man es erarbeitet oder ob es die Familie für einen erarbeitet hat....ist auf so leistungslose Weise zu seinem Vermögen gekommen wie die Erben, die von den liberalen und konservativen Leistungspropheten so verhätschelt werden.
Manche fühlen sich wohl und andere nicht. Das ist glaube ich, auch wenn es dem Egalitarismus widerspricht, relativ unabhängig von der sozialen Schicht. Siehe Glücksindex. Netto ganzheitlich ist halt was anderes als Netto auf dem Konto. Allerdings schadet das normalerweise auch nicht. Man kann sich auf Hobbies konzentrieren, wenn man nicht so sehr für seine Bedürfnisse außer-genießerisch arbeiten muss.Für mich sind viele Hartz-IVler zutiefst abstoßend, aber nicht wegen der paar Euro, auch wenn ich nach meinen Steuerabzügen vermutlich zwei von ihnen jeden Monat auf der Gehaltsabrechnung habe. Sondern weil ich ihr Leben nicht führen wollen würde, das nur aus Betäubung besteht.
Das heißt: Man kann seine Bedürfnisse so verändern/gestalten, dass sie ohne viel Geld/Kapital erschwinglich sind. Oder eine Arbeit finden, die einem sehr viel Freude macht. Oder sehr viel Geld verdienen und dann aussteigen, wenn einem der Sinn des Lebens nicht in der Arbeit begegnet. Oder?
Genau, das kommt überall vor. Man kann sich eventuell als Wohlhabender bessere Betäubung leisten.Und kaum besser bei so vielen anderen der Profiteure, die die Leere in ihrem Leben mit Rausch zuschütten.
Zuletzt geändert von Nikolai Vovocka am So 11. Apr 2010, 17:48, insgesamt 2-mal geändert.
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Ich erachte einen Vergleich der zahlenmäßigen Stärke von Nettoeinzahlern in die und Nettoleistungsempfängern aus den staatlichen Umlagesystemen als eine durchaus brauchbare Grundlinie einer Systemkritik. Nicht mehr und nicht weniger. Problematisch ist dabei allenfalls der Effekt einer anscheinenden "Entwarnung". Solange die Leute noch glauben der demographische Wandel würde in Zukunft ein Problem verursachen das angeblich noch gar nicht besteht, gibt es vielleicht noch Hoffnung auf eine schmale Reformbereitschaft. Spricht sich erst einmal herum und wird verstanden, dass sich nicht erst in Zukunft das Verhältnis von rentenversicherungspflichtigen Berufstätigen und Rentenempfängern zu Lasten der ersten Gruppe verschieben wird, sondern bereits heute eine Minderheit von Berufstätigen eine Mehrheit von nicht Berufstätigen finanziert könnte sich eine "Geht doch!"-Mentalität ausbreiten. Noch glauben die Leute wenigstens, es müsste sich etwas ändern um ein zukünftiges Problem zu vermeiden.
Natürlich hast du Recht mit deinem Verweis auf unproduktive Berufstätige, die keinerlei Werte schöpfen und dabei vielfach mitunter überdurchschnittliche Erträge erwirtschaften. Die sind genauso Teil des Problems, aber politisch natürlich noch viel weniger angreifbar als die "armen" Arbeitslosen, Rentner, Alleinerziehenden usw. Denn immerhin fällt von den Erträgen ihrer Geldverschieberei ja ein erklecklicher Anteil für den Staat und seine Sozialsysteme ab. Wen wundert es da, dass Politiker Banker & Co. als Leistungsträger hätscheln und tätscheln? Bis zu ihrem Zusammenbruch haben die Finanzmärkte immerhin reichlich steuerpflichtige Profite abgeworfen. In ihrer Höhe unerreichbar für produktive Arbeit, für die derjenige der sie tut von seinem Arbeitgeber bezahlt werden muss, was sich kaum noch jemand leisten kann.
Natürlich hast du Recht mit deinem Verweis auf unproduktive Berufstätige, die keinerlei Werte schöpfen und dabei vielfach mitunter überdurchschnittliche Erträge erwirtschaften. Die sind genauso Teil des Problems, aber politisch natürlich noch viel weniger angreifbar als die "armen" Arbeitslosen, Rentner, Alleinerziehenden usw. Denn immerhin fällt von den Erträgen ihrer Geldverschieberei ja ein erklecklicher Anteil für den Staat und seine Sozialsysteme ab. Wen wundert es da, dass Politiker Banker & Co. als Leistungsträger hätscheln und tätscheln? Bis zu ihrem Zusammenbruch haben die Finanzmärkte immerhin reichlich steuerpflichtige Profite abgeworfen. In ihrer Höhe unerreichbar für produktive Arbeit, für die derjenige der sie tut von seinem Arbeitgeber bezahlt werden muss, was sich kaum noch jemand leisten kann.

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Es ist auch ein Märchen, dass das nicht geht. Der Faktor Arbeit kann heute zum bei weitem größten Teil durch den Faktor Kapital subsumiert werden. Wirklich gebraucht werden die allerwenigsten potentiellen Arbeitskräfte, und es werden mit dem technologischen Fortschritt noch viel weniger werden. Nur befindet sich das Kapital und seine Erträge eben zum allergrößten Teil in den Händen einer kleinen Minderheit. Mit unserer Verteilung von Geld- und Sachkapital, wo es so etwas bizarres wie Milliardäre gibt, geht es in der Tat nicht. Man muss sich das vorstellen: unsere Gesellschaft nimmt es hin, dass einzelne das zehn- und hunderttausendfache des Durchschnitts besitzen!Original von Melissa Adelaide
... sondern bereits heute eine Minderheit von Berufstätigen eine Mehrheit von nicht Berufstätigen finanziert könnte sich eine "Geht doch!"-Mentalität ausbreiten.
Nein, die Finanzierbarkeit einer ausreichenden materiellen Versorgung für alle ist nicht das Problem, jedenfalls nicht in den Industrienationen. Es fehlt am Willen dazu, und zwar bei allen einschließlich der Linken, die bis heute nicht gesagt haben, wie sie das Problem der begrenzten Macht nationalstaatlicher Politik in einer globalisierten Welt mit ihren Umverteilungsplänen in Einklang bringen wollen.
So wie heute geht es in der Tat nicht, respektive unser jetziges System führt in der Endkonsequenz nur zu einem, nämlich in eine Geldentwertung, weil das der einzige verbleibende Fluchtweg ist.
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