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Verfasst: So 2. Nov 2008, 21:13
von Konrad Grimm
Original von Patrick Behrens-Nilsson
Wie kommt es eigentlich, dass sich in den USA nur die beiden großen Parteien etablieren konnten? Ich finde das ein Stück weit erschreckend.
Mehrheitswahlsysteme tendieren dazu, Zweiparteiensysteme zu sein. Ich finde das allerdings nicht schlecht. Die beiden Parteien sind dafür ja in sehr ausgeprägte Flügel unterteilt.

In Deutschland könnte man problemlos auch alle bestehenden politischen Überzeugungen in CDU/CSU und SPD integrieren: die FDP kann man aufteilen in Wirtschafts- und Nationalliberale (zur Union) und Sozialliberale (zur SPD), die Grünen in viele Linke (zur SPD) und wenige Rechte (zur Union), und die Linkspartei hat neben der SPD sowieso noch nie eine sinnvolle Existenzberechtigung besessen.

Verfasst: So 2. Nov 2008, 21:44
von Wolfgang Müller
Original von Konrad Grimm
Sozialliberale (zur SPD)
Wah, noch mehr Traditionsausverkauf und Flachwichser, die nur dem sozialdemokratischen Kerngedanken schädigen.
die Grünen in viele Linke (zur SPD)
Könnten sich genauso gut, mit der FDP zusammenschließen.
und die Linkspartei hat neben der SPD sowieso noch nie eine sinnvolle Existenzberechtigung besessen.
Zum großen Teil im Geiste Cousains. Also herbei ihr roten Massen, zurück in den Schoß der Sozialdemokratischen Partei. :evil:

Achja, die Stalinisten, Leninisten und Trotzkisten sind unerwünscht. :evil:

Verfasst: So 2. Nov 2008, 21:48
von Montgomery Scott
Original von Peter Vain
Mich wuerde interessieren, wieso in Deutschland Obama so hoch gejubelt wird.

In einem englisch sprachigen Forum scheint man deswegen ueber uns Deutsche ein wenig mit dem Kopf zu schuetteln und teilweise meinen Leute, dass das mit unserem schlechten Gewissen wegen den beiden Weltkriegen zu tun hat und wir uns deswegen nun mit der Unterstuetzung eines Farbigen reinwaschen wollen. Das finde ich Schwachsinn, aber ganz genau kann ich mir auch nicht erklaeren, dass Obama doch so hohe Popularitaet in Deutschland geniesst.
Wir kennen eben nur "die beiden" Kandidaten und da ist es wohl eher McCains Negativ-Image, dass uns Obama so sympathisch macht: Er ist die Rettung vor McCain. Außerdem strahl Obama eben diesen Hauch natürlicher Intellektualität aus, die man bei Bush und McCain vergeblich sucht.

Verfasst: So 2. Nov 2008, 22:15
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Wir kennen eben nur "die beiden" Kandidaten und da ist es wohl eher McCains Negativ-Image, dass uns Obama so sympathisch macht: Er ist die Rettung vor McCain. Außerdem strahl Obama eben diesen Hauch natürlicher Intellektualität aus, die man bei Bush und McCain vergeblich sucht.
Der Meinung bin ich nicht. Obama ist als Schwarzer einfach genau das, was sich die Gutmenschen wünschen: er ist kein "stupid white man", kein ewiger Täter, sondern ein Opfer, ein Entrechteter, der nunmehr gegen das System rebelliert. Wahrscheinlich, so die Hoffnung, wird er sein Kabinett mit Frauen, Schwulen, Behinderten und flauschigen Glücksbärchis besetzen, während bei den Republikanern christliche Fundamentalisten, Kriegstreiber, jüdische Bankiers und einige Vampire regiert hätten.

Das geben Amerikas Intellektuelle sogar unumwunden zu, siehe FAZ.

Immerhin, ich glaube, Obama ist genau der richtige Mann für unsere Zeit. Wir stehen am Ende einer Epoche, auf dem Höhepunkt der westlichen Zivilisation, am Anbeginn ihres Untergangs. Was wäre da passender als die Inthronisation eines Gutmenschenidols? Sic transit gloria mundi.

Verfasst: So 2. Nov 2008, 22:27
von Konrad Grimm
Original von Wolfgang Müller
Wah, noch mehr Traditionsausverkauf und Flachwichser, die nur dem sozialdemokratischen Kerngedanken schädigen.
Ich bezweifle, dass man mit Fundamentalismus Mehrheiten gewinnt.

Verfasst: So 2. Nov 2008, 22:53
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
und die Linkspartei hat neben der SPD sowieso noch nie eine sinnvolle Existenzberechtigung besessen.
Das ist Quatsch. Die Linkspartei vertritt als einzige größere Partei in Deutschland Positionen wie die Ablehnung von Hartz 4 und dem Kriegseinsatz in Afghanistan, die nach Umfragen 80% der Deutschen teilen. Einfach zu behaupten, so eine Partei hätte keine Existenzberechtigung, ist schlicht antidemokratisch. Das schließe ich bei Äußerungen von Deiner Seite zwar keineswegs aus aber dann wäre das in Bezug auf das Gesprächsthema irrelevant.

Verfasst: So 2. Nov 2008, 23:32
von Tennessee Rockefeller
Tatsächlich ist es ja nun so, dass Obama Bush sehr viel ähnlicher ist als McCain: ein von seinem sorglosen, inhaltsleeren Yuppie-Dasein gelangweilter Zögling einer Eliteuniversität, der sich in den Wahn verstiegen hat, metaphysisch dazu auserwählt worden zu sein, sein Land und die Welt zum Heil zu führen. Alle doof, außer ihm.

Auf der einen Seite mag Obama mit seinen Predigten von Weltfrieden und sozialem Ausgleich insbesondere auf "kritische" (im Klartext: larmoyante und selbsthassende) Halbintellektuelle eine ungleich angenehmere Wirkung haben als Bush, andererseits schlägt er ihn dafür in puncto Arroganz und Überheblichkeit um Längen, was diese aber nicht stört, denn solche Eigenschaften sind ihnen ja selbst naturgemäß ureigen.

Meine Hoffnung ist die (weiße) Arbeiterklasse Amerikas, die ja gerade auch die voraussichtlich wahlentscheidenden Staaten Michigan, Ohio und Pennsylvania prägt. Keine Hollywood-Celebrities, verwöhnte Studenten ohne Eindruck vom wirklichen Leben oder von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins gebeutelte Neureiche, die ihr "intellektuelles Entsetzen" über Chancenungleichheit, Armut und Krieg als Mittel der Politik in ihren mit Designermöbeln vollgestopften Lofts und Penthouses in Champagner und teuren Spirituosen ersäufen. Klar, solche Leute sind für Obama. Ihn hochzujubeln verschafft ihnen ein gutes Gewissen gegenüber "Unterprivilegierten", verbunden mit der komfortablen Gewissheit, dass sie deshalb nicht gleich auch ihre eigene Dekadenz abstellen müssen.

Sondern Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben. Auf deren Rücken sich schon viele Obamas - dünntelligente Emporkömmlinge, die sich für gescheiter halten als die restlichen 96% der Weltbevölkerung - in hohe und höchste Ämter geseiert haben. Menschen, die längst wissen, dass sie was sie an Verbesserungen ihrer Lage erreicht haben ihren eigenen Leistungen zu verdanken haben, und nicht schleimigen Weltverbesserern. Menschen, die ihr Land und ihr Gemeinwesen trotz all seiner Fehler, Schwächen und Probleme lieben, dankbar sind für die vielen kleinen und doch so großen Dinge, die es ihnen gibt und sich ins Herz getroffen fühlen, wenn solche Figuren vor ausländischen Klugscheißern und Despoten zu Kreuze kriechen. Weil sie dieses Amerika sind, für das Obama sich kriecherisch entschuldigt. Menschen, die nur zu gut wissen dass ein Wahlsieg Obamas nur denen, die auf sie spucken eine neue Wichsvorlage bringen wird.

"Wenn es eine Hoffnung gibt, dann liegt sie in den Proles." (George Orwell, "1984")

Verfasst: So 2. Nov 2008, 23:34
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Das ist Quatsch. Die Linkspartei vertritt als einzige größere Partei in Deutschland Positionen wie die Ablehnung von Hartz 4 und dem Kriegseinsatz in Afghanistan, die nach Umfragen 80% der Deutschen teilen.
Ach, Tagespolitik! Weltanschaulich sind sich Linke und SPD weitgehend einig.

Verfasst: So 2. Nov 2008, 23:39
von Konrad Grimm
Original von Tennessee Rockefeller
"Wenn es eine Hoffnung gibt, dann liegt sie in den Proles." (George Orwell, "1984")
"Verflucht sei die Hoffnung!" - Max Frisch, "Graf Öderland"

Verfasst: So 2. Nov 2008, 23:51
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Ach, Tagespolitik! Weltanschaulich sind sich Linke und SPD weitgehend einig.
Das ist doch nun wirklich Unsinn. Die SPD fordert im Wahlkampf bislang Dinge, die auch die Linke vertritt. Daraus kann man aber noch keine tatsächlichen Übereinstimmungen schließen, dafür muss man schon im Detail z. B. auf das Abstimmungsverhalten im Bundestag schauen.