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Verfasst: So 28. Sep 2008, 19:22
von Wolfgang Müller
In Bayern gelten andere Gesetze.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 19:29
von Damian Fuller
Original von Beatrice Maier
Sieht man ja auch daran, dass vor allem sie und die FDP ehemaliger CSU-Wähler auffangen konnten und nicht - wie eigentlich üblich - die SPD.
Es war also eher eine systeminterne Revolte als eine echte Revolution. Außerdem haben eventuell auch viele Wähler die CSU durch fernbleiben strafen wollen. Die Wahlbeteiligung soll ja wieder mal zurückgegangen sein.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 22:32
von Konrad Grimm
Original von Wolfgang Müller
In Bayern gelten andere Gesetze.
Seit heute Abend ist alles anders.

So wie bis gestern wird's nie wieder werden. Die CSU hat ihren Mythos verloren, die CSU, wie sie war, ist Geschichte.

Das heute ist eine Katastrophe für Bayern und Deutschland.

Ich war trotz durchaus anstregendem Auszählen im Wahllokal vorhin froh, dort zu sein - und nicht auf der Wahlparty der CSU. Mir fehlen für das, was heute passiert ist, die Worte, mir fehlen sogar die Denkkategorien.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 22:37
von Tennessee Rockefeller
Original von Wolfgang Müller
In Bayern gelten andere Gesetze.
Bayerisches Gesetz über die Sicht dieser Welt seitens der politischen Linken

§ 1 - Geltungsbereich
Dieses Gesetz gilt für alle MitgliederInnen, SympathisantInnen und WählerInnen der SPD, von Bündnis 90/Grüne und der LINKEN, die LeserInnen und AbonnentInnen der "taz" und des "Neuen Deutschland", für AntifaschistInnen, FeministInnen, ÖkologInnen, MuslimInnen und aufgeklärte, gut informierte FreundInnen der friedenstiftenden Religon des Islam, StreiterInnen für Frieden und soziale Gerechtigkeit, BasisdemkratInnen sowie alle MenschInnen die beschlossen haben, einen IQ über 75 zu haben und somit "kritische IntellektuellInnen" zu sein,

§ 2 - Begriff des Wahldesasters
(1) Ein Wahlergebnis von rund 43% ist ein beschämendes Desaster, das die klare und unmissverständliche Abwahl einer Regierungspartei mit diesem Ergebnis bedeutet und ein Signal an diese ist, sich mangels Zuspruchs für ihr Programm und ihre Politik in der Bevölkerung aufzulösen.
(2) Das gilt insbesondere dann, wenn dieses Ergebnis durch das Antreten einer Wählerverinigung mit substanziell gleichgerichtetem Programm zu Stande gekommen ist, deren Entstehung und Erfolg auf persönlichen Antipathien und Querulanzen beruht, und zusammen mit der die nach Abs. 1 vernichtete Partei deutlich über fünfzig Prozent der Stimmen erreicht hat.

§ 3 - Begriff des Wahlerfolges
(1) Ein Wahlergebnis von rund 19%, das eine Verschlechterung gegenüber der letzten Wahl um rund einen Prozentpunkt bedeutet, ist ein phänomenaler Erfolg und klarer Auftrag zur Regierungsbildung.
(2) Das gilt insbesondere dann, wenn eine Regierung unter Führung der phänomenal erfolgreichen 19%-Prozent-Partei nur mit den Stimmen der programmatisch grundsätzlich divergierend ausgerichteten Wählervereinigung nach § 2 Abs. 2 gebildet werden kann.
(3) Ein Wahlerfolg ist weiterhin es weiterhin, trotz Verlusten der bisher mit absoluter Mehrheit regierenden Partei von rund 17% nicht von diesen profitieren zu können, sondern das fast gleiche Ergebnis wie vor fünf Jahren einzufahren.
(4) Das klare Verfehlen der Fünf-Prozent-Hürde schmälert einen Wahlerfolg nicht, wenn es sich um eine linke Partei handelt, die mit höchster Wahrscheinlichkeit keinen Wählerzuwachs auf Kosten der immer noch mit gigantischem Abstand stärksten, rechten Volkspartei verzeichnen konnte. Sie hat an deren desaströser Abstrafung und endgültiger Abwahl vielmehr ganz entscheidenden Anteil.
(5) Der Wiedereinzug einer linken Partei in den Landtag nach vierzehn Jahren mit einem gegenüber der letzten Wahl fast verdoppelten Stimmenanzahl würde den Auftakt zur sozialen Weltrevolution bdeuten. Das gleiche Ergebnis für eine rechtsliberale Partei beweist hingegen die fehlende Tragfähigkeit ihrer asozialen Politik.

§ 4 - Leugnen der Begriffsbestimmungen dieses Gesetzes
Wer die Begriffsbestimmungen nach §§ 2 f. dieses Gesetzes leugnet, ist dumm, verblendet, ahnungslos, ein schlechter Verlierer und will nicht einsehen, dass die Zeiten der Herrschaft seiner asozialen Ansichten endgültig vorbei sind, ferner ein Rassist, Ausländerfeind Antiislamist, Volksverhetzter, Pascha, Raubtierkapitalist, Ausbeuter, Umweltzerstörer und menschliches Arschloch.

§ 5 - Inkrafttreten
Dieses Gesetz muss nicht in Kraft treten, es gilt automatisch und schon immer auf Grund der kosmischen Ordnung, die ewig und unverbrüchlich politisch links ist.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 22:43
von Konrad Grimm
Original von Baudouin de Billancourt
Kann mich jemand über die Freien Wähler aufklären? Was wollen die inhaltlich?
Nix. Die sind keine Partei. Das ist ne Wählervereinigung. Die haben keine Grundsätze.

Und ihr prominentestes Mitglied ist - Gabriele Pauli...

Mit den FW kann man nicht regieren. Also bleibt wohl nichts, als die Dilettanten von der Bayern-FDP in die Regierung zu holen. Es ist grauenvoll.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 22:45
von Montgomery Scott
=)

Ich halte es so oder so für absolut schwachsinnig, in der Parteiendemokratien von "Wähleraufträgen" zu reden. Besonders unsinnig finde ich Becksteins Gerede (das er aber vom Prinzip mit vielen Politikern aller Lager gemeinsam hat), die CSU hätte vom Wähler den Auftrag erhalten, mit Koalitionspartner weiterzuregieren. Wahrscheinlich bewegt sich der Anteil der Wähler, die das tatsächlich wollten, im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Entweder du möchtest die CSU an der Macht haben oder nicht. Allenfalls kann man die Stimmen für die FDP, die ja im Grunde sowieso nur Mehrheitsbeschaffer für die Unionsparteien ist, interpretieren. Die 43% CSU-Wähler haben ganz sicher keinen Koalitionspartner für "ihre" Partei gewollt und die SPD-, Grünen- und FWG-Wähler wollten sicher nicht die CSU weiter an der Macht haben.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 22:51
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Ich halte es so oder so für absolut schwachsinnig, in der Parteiendemokratien von "Wähleraufträgen" zu reden. Besonders unsinnig finde ich Becksteins Gerede (das er aber vom Prinzip mit vielen Politikern aller Lager gemeinsam hat), die CSU hätte vom Wähler den Auftrag erhalten, mit Koalitionspartner weiterzuregieren. Wahrscheinlich bewegt sich der Anteil der Wähler, die das tatsächlich wollten, im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Laut Blitzumfrage des Bayerischen Rundfunks nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses wünschen sich 57 % der Bayern, dass Günther Beckstein Ministerpräsident bleibt.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 22:56
von Tennessee Rockefeller
Original von Montgomery Scott
Entweder du möchtest die CSU an der Macht haben oder nicht.
Dritte Alternative: du willst prinzipiell zwar die CSU an der Regierung haben, jedenfalls lieber als eine SPD-geführte Regierung, andererseits aber mal deinem Unmut und einer gewissen Hilflosigkeit - Unzufriedenheit mit der CSU einer-, jedoch empfundene Alternativlosigkeit andererseits - Luft machen.

Das erklärt, dass das Ergebnis der CSU plus der Gewinne von FW und FDP etwa auf der Höhe des langjährigen Durchschnitts der CSU liegt (die 60% von 2003 waren ein Ausreißer nach oben), während SPD, Bündnisgrüne und Linke von den Verlusten der CSU praktisch nicht profitieren konnten.

Verfasst: So 28. Sep 2008, 22:58
von Konrad Grimm
"Am Montag geht in München um 7.07 Uhr die Sonne auf, was beruhigend ist, weil in Bayern am Sonntag die Welt zusammenbrach - jedenfalls die der CSU und ihrer Anhänger. Das Unvorstellbare ist Wirklichkeit geworden: Die CSU hat nicht nur die absolute Mehrheit verloren, sie kann in Bayern nicht einmal mehr ohne Koalitionspartner regieren. Sogar im Niedergang zeichnet sich diese Partei noch einmal durch Maßlosigkeit aus.

Gerade einmal fünf Jahre liegen zwischen Stoibers Triumph mit der Zweidrittelmehrheit im Landtag und der beispiellosen Demütigung vom Sonntag. Jetzt ist es vorbei mit der alten Herrlichkeit. Vorbei sind die Zeiten, als die CSU das Land noch wie einen Großgrundbesitz verwalten konnte und Wahlen lediglich dazu dienten, ihre Vorherrschaft zu dokumentieren. Eine ganze Generation ist in Bayern mit der Vorstellung aufgewachsen, dass die CSU unbesiegbar sei. Diesen Nimbus hat sie jetzt ein für alle Mal eingebüßt. Eine Ära ist zu Ende gegangen." - aus dem Kommentar der Süddeutschen Zeitung

Verfasst: So 28. Sep 2008, 23:02
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Laut Blitzumfrage des Bayerischen Rundfunks nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses wünschen sich 57 % der Bayern, dass Günther Beckstein Ministerpräsident bleibt.
Ja, in Anbetracht und unter Eindruck des Wahlergebnisses. Das hat aber nichts mit Wählerauftrag zu tun.