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Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 15:23
von Kreittmayr
Original von Fabian Montary
Fakt ist? Mein Professor für Rechtsgeschichte meint, dass das so einfach nicht zu bewerten ist, unideologisch und rechtswissenschaftlich gesehen. Und nein, er ist kein ehemaliger SED-Kader, sondern SPD-Mitglied, in den Seeheimer Kreis würde ich ihn einordnen – und Rheinländer!
Vermutlich ein Rechtspositivist.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 15:26
von Kreittmayr
Original von Montgomery Scott
Hast Du irgendwelche Belege dafür, dass Arbeitsunwille ein Massenphänomen ist?
Da brauche ich mir nur diejenigen Leute ansehen, die tatsächlich arbeiten, und sich im Wesentlichen durch ihren Job irgendwie schleifen und fürs Wochenende leben. Das ist auch eine Form von Arbeitsunwille, und zwar ein gesellschaftlich weit verbreiteter.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 15:29
von Kreittmayr
Original von Montgomery Scott
Natürlich ist das nicht einfach zu sagen. Was sind denn die Kriterien für ein "Unrechtsregime"? Dass das Regime aus Perspektive des Referenzsystems nicht legitim ist.
Der Referenzrahmen ist aber nicht zwangsläufig subjektiv-arbiträr. Es gibt auch einen objektiven Referenzrahmen, und der liegt in der Ethik und politischen Philosophie, spezifischer in denjenigen Normen, die beschreiben, wie eine Gesellschaft organisiert sein muss, dass ein menschenangemessenes Leben in ihr möglich ist: namentlich die unveräußerlichen Rechte des Menschen, geschützt durch einen demokratischen Rechtstaat. (Und davon ist auch die BRD noch weit entfernt.)

Und aus Perspektive dieses Referenzrahmens war das DDR-Regime eine primitive und barbarische Räuberbande ohne jegliches Existenzrecht.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 16:45
von Montgomery Scott
Original von Kreittmayr
Da brauche ich mir nur diejenigen Leute ansehen, die tatsächlich arbeiten, und sich im Wesentlichen durch ihren Job irgendwie schleifen und fürs Wochenende leben. Das ist auch eine Form von Arbeitsunwille, und zwar ein gesellschaftlich weit verbreiteter.
Wenn man nur aus dem falschen Motiv arbeitet, ist das gleich Arbeitsunwille? Fein, ich arbeite auch nicht der Arbeit willen sondern aus konsequenzialistischen Überlegungen. Bin ich deshalb arbeitsunwillig?

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 16:55
von Damian Fuller
Original von Kreittmayr
Das ist auch eine Form von Arbeitsunwille, und zwar ein gesellschaftlich weit verbreiteter.
Der Mensch strebt meist nach verschiedenen Dingen. (Individuell verschieden stark ausgeprägt) gehören dazu wohl Wohlstand, Sicherheit, soziales Ansehen und Macht (in verschiedener Form).

Und zu Wohlstand und Komfort gehört auch die Bequemlichkeit. Das ist objektiv weder positiv noch negativ, liegt aber in der menschlichen Natur. Und bringt auch verschiedene Ergebnisse. Einerseits wird der Mensch durch diesen Hang kreativ, andererseits nutzt er auch sich bietende Möglichkeiten mit geringem Aufwand trotzdem gut zu leben.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 17:13
von Kreittmayr
Original von Montgomery Scott
Wenn man nur aus dem falschen Motiv arbeitet, ist das gleich Arbeitsunwille? Fein, ich arbeite auch nicht der Arbeit willen sondern aus konsequenzialistischen Überlegungen. Bin ich deshalb arbeitsunwillig?
Liebe zur eigenen Arbeit als ein persönliches Ethos ist in unserer Gesellschaft leider nicht salonfähig. Ich habe meine Zweifel, dass man wirklich glücklich werden kann, ohne diese Leidenschaft für das eigene Tun; schließlich nimmt die Arbeit mit den größten Teil der eigenen Lebenszeit ein. Ich denke, dass es vom widerwilligen Arbeiten mit Sehnsucht aufs Wochenende nicht sehr weit ist zum Wunsch, gar nicht zu arbeiten, und nur noch wochenendmäßig zu vegetieren.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 17:15
von Kreittmayr
Original von Damian Fuller
Der Mensch strebt meist nach verschiedenen Dingen. (Individuell verschieden stark ausgeprägt) gehören dazu wohl Wohlstand, Sicherheit, soziales Ansehen und Macht (in verschiedener Form).
Ich glaube, das ist eine sehr simplistische Betrachtungsweise, welche die Komplexitäten und Variationen in menschlicher Psychologie, Charakterbildung und Motivation im wesentlichen außer Acht lässt.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 17:16
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Natürlich ist das nicht einfach zu sagen. Was sind denn die Kriterien für ein "Unrechtsregime"? Dass das Regime aus Perspektive des Referenzsystems nicht legitim ist. Und natürlich war das die DDR-Regierung nicht, da die DDR für die BRD ja nur die "Ostzone" war. Mehr besagt das nicht.
Das Geschrei wäre groß, wenn man mit der selben wissenschaftlichen Neutralität an das "Dritte Reich" ginge.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 17:27
von Rainer Zufall
Original von Kreittmayr

Liebe zur eigenen Arbeit als ein persönliches Ethos ist in unserer Gesellschaft leider nicht salonfähig. Ich habe meine Zweifel, dass man wirklich glücklich werden kann, ohne diese Leidenschaft für das eigene Tun; schließlich nimmt die Arbeit mit den größten Teil der eigenen Lebenszeit ein. Ich denke, dass es vom widerwilligen Arbeiten mit Sehnsucht aufs Wochenende nicht sehr weit ist zum Wunsch, gar nicht zu arbeiten, und nur noch wochenendmäßig zu vegetieren.
Das Wort Arbeit bedeutete bei Goethe noch zumeist "Mühsal" - entschuldige, wenn du Gehirnchirurg bist, Staranwalt, Professor oder Diplomat, dann kannst du es dir erlauben deinen Job zu lieben, in ihm aufzugehen und pathetisch davon zu schwärmen. Die meisten Menschen haben aber keinen solchen "Traumjob", sondern schuften hart für nicht besonders viel - vielleicht auch noch am Fließband oder dergleichen. Von einem Menschen am Fließband in einer Schaumstofffabrikation etwa kannst du nicht verlangen, daß er voll bedingungsloser Hingabe seinen Job liebt. Ich glaube, daß du dir mal bewußt machen solltest, daß nicht jeder in der Gesellschaft so priviligiert ist.

Verfasst: Sa 26. Jul 2008, 17:28
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Das Geschrei wäre groß, wenn man mit der selben wissenschaftlichen Neutralität an das "Dritte Reich" ginge.
Die Bezeichnung "Unrechtsregime" würde auch kaum jemandem für das "Dritte Reich" in den Sinn kommen.

EDIT: 496 google-Treffer für "Drittes Reich" Unrechtsregime, 8,060 für DDR Unrechtsregime.