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Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 13:54
von Sean William Connor
Original von Jonathan Metternich
Dann wären sie ja nicht gewählt worden; aus ihren Ressentiments haben sie ja nie einen Hehl gemacht - vor der Wahl nicht, nach der Wahl nicht, jetzt nicht.
Also die Wahlbeteiligung im Herbst 2005 lag in Polen bei 40%. Zu behaupten die beiden Kaczynskis würden sich auf eine enormen Rückhalt in der Bevölkerung stützen können halte ich angesichts dieser Tatsache für gewagt.
Original von Michael Schneider
Dass es niemand ernst nimmt kann man wohl kaum annehmen. Siehe dieses national-katholische radio Maria oder die nicht Ernnnung dieses polnischen Bischofs wie da MASSEN an Polen demonstriert haben., als der DEUTSCHE Papst gewagt hat daran zu rütteln.

Die Polen holen gerade den Nationalismus nach. Deutschland hatte das alles schon vor 80-60 Jahren. Die ganzen Ostblockländer von Polen bis sonstwo holen das alles gerade erst nach.
Radio Marya ist ein Thema für sich. Dieser Radiosender glänzt nicht unbedingt mit intellektuellen Beiträgen. Dieser Radiosender ist im Übrigen auch politischer Wegbereiter für die "Liga Polskich Rodzin" (Liga polnischer Familien) gewesen. Die LPR ist mittlerweile ebenfalls Regierungspartei in Polen und bringt vorschläge, die; ich will es mal vorsichtig ausdrücken; bedenklich sind. So sollen Frauen in Polen unter keinen Umständen abtreiben dürfen. Bei keiner Vergewaltigung oder einer medizinischen Notsituation - entfacht hat das Proteste.

Das mit dem Bischof war so, dass über den Herrn irgendwoher, irgendwelche "Stasi-Akten" aufgetaucht sind, die vermuten ließen, dass er selber für den polnischen Staatssicherheitsdienst gearbeitet hat. Das Problem an dieser fraglichen Auferbeitung ist: Die Polen haben sich jahrelang nicht dafür interessiert. Eine Auferbeitung, wie in Deutschland fand defacto nicht statt. Nun interessiert man sich auch nicht wirklich dafür - aber wenn es darum geht politisch jemanden ans Bein zu pissen holt man hier und da schon eine Akte mal hervor und winkt damit herum. Kaczynskis sprachen mal von einer - sinngemäß- politischen Säuberung.

Die Debatte um den Bischof fand ich insofern fraglich - seinen Rücktritt sah ich im Endeffekt als richtig an.

Zur Nationalismus These: Richtig ist: Die Polen haben ein anderes nationales Gefühl, wie die Deutschen. Größtenteils (meiner Ansicht nach) ein gesünderes. Das haben im Übrigen z.B. die Franzosen oder Amis auch. Richtig ist auch, dass die gegenwärtige Regierung ohne weiteres als Nationalkonservativ zu bezeichnen ist. Wenn jemand sagt sie wären rückständig, so würde er sicher nicht irren.

Absolut falsch ist das Polen Rückständig wäre und dies durchmacht, was in Deutschland vor 80-60 Jahren gewesen ist. Das ist doch eine komplett andere Dimension was hier vor 80-60 Jahren gewesen ist und mit dem polnischen Patriotismus nicht zu vergleichen.
Original von vSzP
Und viele Polen haben im TV ja bereits bestätigt, dass sie es gut finden, dass ihr Präsident gegen die übermächtige EU und das übermächtige Deutschland sich so wacker hält.
Viele haben auch Bestätigt, dass sie es peinlich finden sich so aufzuführen, wo doch Polen von der EU profitiert hat.

Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 14:07
von Sean William Connor
Lustig und aktuell ist auch das hier:

Warschau (AP) Rund 10.000 polnische Ärzte und Krankenschwestern haben am Dienstag in Warschau für mehr Gehalt und höhere Aufwendungen im Gesundheitswesen demonstriert. Das Pflegepersonal fordert Lohnerhöhungen um 30 Prozent. Der Demonstration schloss sich die Ärztegewerkschaft an, deren Mitglieder bereits vor knapp einem Monat in einen unbefristeten Streik traten. Betroffen sind mehr als 200 der 600 öffentlichen Krankenhäuser des Landes.




Die Ärzte wollen eine Verdopplung ihres Gehalts erreichen, das derzeit je nach Fachrichtung zwischen 1.300 und 3.000 Zloty (340 und 790 Euro) liegt. Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski bekräftigte am Dienstag, die Beschäftigten im Gesundheitswesen sollten mehr Geld erhalten, ihre aktuellen Forderungen seien aber unrealistisch. Wegen der schlechten Verdienstmöglichkeiten in ihrer Heimat sind seit dem EU-Beitritt Polens bereits tausende Ärzte und Pflegekräfte ins Ausland abgewandert, insbesondere nach Großbritannien und Irland.

Die Ärzte und Krankenschwestern haben wohl vor den Regierungsgebäuden demonstriert und man versuchte diese Proteste mit Polizeigewalt aufzulösen. Das kommt bei den Polen mäßig gut an, wenn Polizeieinheiten gegen unterbezahlte Krankenschwestern eingesetzt werden :D

Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 14:18
von Pawlak
Ich schaue gerade Phönix und mir kam ein Gedanke.
Dass die poln. Regierung sehr EU-kritisch ist, ist offensichtlich.
Dass die Polen selbst mehrheitlich in der EU etwas gutes sehen auch.

Kann es sein, dass es in Deutschland genau umgekehrt ist.
Ich höre hier immer nur Leute reden wie schlecht die EU ist, viele Vorschriften und Verordnungen es gibt, wie viel teurer alles durch den Euro geworden ist etc.

Nur ein Gedanke, der mir gerade kam.

Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 17:52
von Julia Elián
Original von Sean William Connor

Also die Wahlbeteiligung im Herbst 2005 lag in Polen bei 40%. Zu behaupten die beiden Kaczynskis würden sich auf eine enormen Rückhalt in der Bevölkerung stützen können halte ich angesichts dieser Tatsache für gewagt.
Wobei ich solche Thesen, die ja nicht nur beim Beispiel der polnischen Wahl immer wieder auftauchen, generell für fragwürdig erachte. Wenn Umfragen mit ca. 1000 zufällig befragten Personen als repräsentativ gelten können, dann sind es 40% der Bevölkerung wohl erst recht.+

edit: Apropros Umfragen: Es wird zwar viel gemeckert, aber mehrheitlich sehen auch die Deutschen die EU (noch) positiv und sprechen sich auch für eine Verfassung aus. Die EU-Skepsis in Deutschland hat m.E. im Übrigen auch andere Gründe, die weniger im Verlust von nationaler Souveränität, sondern eher im Zuge der Globalisierungsangst zu sehen ist, besonders nach der Osterweiterung.

Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 20:41
von Oliver von Palm
Also die Deutschfeindlichkeit in Polen mag ja bei wirklichen Opfern des Krieges nachvollziehbar sein (gerade diese Leute haben sie aber oftmals nicht), aber was diese Brüder abziehen, ist einfach nur peinlich. Mehr nicht. Das Polen mehr Einfluss will, ist schön und gut. Der kleine Fehler ist nur, dass Polen gerade mal 39 Millionen Einwohner. Und genau den dementsprechenden Einfluss soll es haben, aber nicht mehr. Deutschland hat 82 Millionen, das Vereinigte Königreich und Frankreich jeweils 60 Millionen, Italien 58 Millionen, Spanien 45 Millionen. Das mal nur als Vergleich. Dass die "Großen" in der EU auch den meisten Einfluss haben, mag Polen nicht schmecken, ist aber die einzige demokratische Lösung. Aber Polen hat das gewusst, als es in die EU wollte und es ist nicht ok, diese demokratischen Regeln jetzt zu attackieren. Wenn die Regeln Polen nicht gefallen, soll es eben austreten.

Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 21:39
von Julia Elián
Original von Oliver von Palm
Also die Deutschfeindlichkeit in Polen mag ja bei wirklichen Opfern des Krieges nachvollziehbar sein (gerade diese Leute haben sie aber oftmals nicht), aber was diese Brüder abziehen, ist einfach nur peinlich. Mehr nicht. Das Polen mehr Einfluss will, ist schön und gut. Der kleine Fehler ist nur, dass Polen gerade mal 39 Millionen Einwohner. Und genau den dementsprechenden Einfluss soll es haben, aber nicht mehr. Deutschland hat 82 Millionen, das Vereinigte Königreich und Frankreich jeweils 60 Millionen, Italien 58 Millionen, Spanien 45 Millionen. Das mal nur als Vergleich. Dass die "Großen" in der EU auch den meisten Einfluss haben, mag Polen nicht schmecken, ist aber die einzige demokratische Lösung. Aber Polen hat das gewusst, als es in die EU wollte und es ist nicht ok, diese demokratischen Regeln jetzt zu attackieren. Wenn die Regeln Polen nicht gefallen, soll es eben austreten.
Wie schon oben gesagt: Das Paradoxe ist ja, daß Polen bei der Quadratwurzel WENIGER Einfluss hätte als bei der doppelten Mehrheit, halt nur relativ mehr im Vergleich zu Deutschland und den anderen Großen.

Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 21:55
von Pawlak
Original von Oliver von Palm
Also die Deutschfeindlichkeit in Polen mag ja bei wirklichen Opfern des Krieges nachvollziehbar sein [...]
Selbst bei dieser Generation ist die (berechtige) Wut über die Russen grösser.
Anders als meisten Deutschen die Polen, haben die meisten Polen einen sehr guten Eindruck von ihren Nachbarn im Westen.

Verfasst: Fr 22. Jun 2007, 21:58
von Pawlak
Merkel will Beschluss auf EU-Gipfel ohne Polen fällen
Freitag 22. Juni 2007, 21:42 Uhr

von AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will beim EU-Gipfel in Brüssel einen Beschluss ohne Polen erreichen. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft will nun ein gemeinsames Mandat der anderen 26 Mitgliedstaaten für eine Regierungskonferenz erhalten, die einen neuen EU-Vertrag ausarbeiten soll, wie Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Brüssel sagte. "Polen hat dann die Chance, sich in der Regierungskonferenz im Herbst dem europäischen Konsens anzuschließen."
Izolacja Polski.

Verfasst: Sa 23. Jun 2007, 11:17
von Damian Fuller
Original von Pawlak
Klingt aber auch ein wenig nach Erpressung. :(

Aber man will wohl an diesem Beispiel ein wenig von der einstimmigen Entscheidungsfindung auch bei wichtigen Fragen wegkommen.

Verfasst: Sa 23. Jun 2007, 14:58
von Marko Untrial
Original von Damian Fuller

Klingt aber auch ein wenig nach Erpressung. :(
Da schenken sich beide nichts. Mag nach Erpressung klingen, aber die polnische Regierung war da mit ihren Aussagen im Vorfeld des Gipfels auch nicht besser.