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Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 00:52
von Montgomery Scott
Original von Franz Sendlhofer
Wieso ist es diskriminierend, wenn die Türkei eben nicht dazu passt?
Du sagst es mit Deiner Formulierung eigentlich schon selbst...
Aber okay, du sagst, jedes Nachbarland sollte dazu kommen dürfen. Käme die Türkei irgendwann dazu, wären der Iran, Syrien und der Irak plötzlich Nachbarländer. Dürften die auch dazu? Über Syrien ist der Weg nach Israel und Afrika ja auch ned weit...
Das wird nicht passieren, weil sich geopolitische Gegenpole bilden werden. Bis dahin ist es aber absurd und wie gesagt diskiminierend und anfeindend, ein anderes Land kategorisch aufgrund von Religion, Kultur, Rasse oder was auch immer auszuschließen.
Und nur weil die dazu wollen? Kinder wollen auch viel, und kriegen se ned.
Da gibt es ja auch einen Grund, ihnen etwas zu verweigern.
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 00:58
von Franz Sendlhofer
Original von Montgomery Scott
Bis dahin ist es aber absurd und wie gesagt diskiminierend und anfeindend, ein anderes Land kategorisch aufgrund von Religion, Kultur, Rasse oder was auch immer auszuschließen.
Achso, also jeder der Interesse zeigt, darf dazu?
Würdest du als Schulleitung einen Sitzenbleiber/Neuankömming o.ä. in eine Klasse zuordnen, bei dem ein nicht unerheblicher Teil der Schülerschaft diesen ablehnt?
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 01:39
von Montgomery Scott
Original von Franz Sendlhofer
Achso, also jeder der Interesse zeigt, darf dazu?
Prinzipiell ja.
Würdest du als Schulleitung einen Sitzenbleiber/Neuankömming o.ä. in eine Klasse zuordnen, bei dem ein nicht unerheblicher Teil der Schülerschaft diesen ablehnt?
Erstens würde ich dem Schüler ganz sicher nicht den Zugang zur Schule verweigern, weil er aufgrund seiner Herkunft dort skeptisch beäugt wird und zweitens ist der Vergleich unsinnig.
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 10:33
von Hajo Poppinga
Original von Montgomery Scott
Und jetzt kommt der nächste Witz: Europa ist noch nicht mal eine "historisch gewachsene Wertegemeinschaft". Noch im Ersten Weltkrieg standen sich Nationen gegenüber, die in Anbetracht ihrer geographischen Nähe und gemeinsamen Religion überraschend wenig gemeinsam hatten.
Und noch ein Witz: Deine Aussage stimmt nicht! Nicht nur, daß man sich allein durch die gemeinsame Religion tatsächlich eine Wertegrundlage teilte, nein, auch ziehen sich durchaus gemeinsame Konzepte durch die Rechtssysteme aller westeuropäischen Länder, gemeinsame historisch-wirtschaftliche Entwicklungen, die in allen Ländern gleichermaßen abliefen und sogar die politischen Entwicklungen liefen und laufen in diesen Ländern vielfach parallel. Noch dazu andere historische Gemeinsamkeiten.
Und ein angrenzendes Land trotz offen bekundetem Beitrittsinteresse aus was für Gründen auch immer kategorisch auszuschließen, ist ganz einfach unvernünftig und diskriminierend.
Wenn Du es hier schon auf die EU beziehst - wir können doch nicht jeden aufnehmen, der das Interesse hat. Es müßen doch gewisse Bedingungen erfüllt sein, daß gehört die gemeinse Wertegrundlage und eben auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, wie die Achtung der Menschenrechte. Das erfüllt die Türkei schonmal gar nicht, und Bulgarien und Rumänien haben da auch etliche Defizite.
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 15:35
von Rainer Zufall
Original von Hajo Poppinga
nein, auch ziehen sich durchaus gemeinsame Konzepte durch die Rechtssysteme aller westeuropäischen Länder, gemeinsame historisch-wirtschaftliche Entwicklungen, die in allen Ländern gleichermaßen abliefen und sogar die politischen Entwicklungen liefen und laufen in diesen Ländern vielfach parallel. Noch dazu andere historische Gemeinsamkeiten.
Dann müßte man aber auch - wenn es nur um Kultur- und Rechtsverständnis geht, die USA, Kanada, Australien, Neuseeland und auch Japan (!) einladen. Gerade die Türkei nimmt seit Atatürk Kurs auf Europa; die haben in den 20ern vom Schriftsystem bis zu der Namensgebung alles über den Haufen geworfen, um sich Europa zuzuwenden. Die Türkei ist dabei übrigens noch laizistischer als so mancher europäische Staat. Sobald sie die Bedingungen erfüllen, sollen sie auch beitreten dürfen. Es gibt genug muslimische Völker klar europäischer Identität, etwa die Albaner. Das dürfte keinen Hinderungsgrund darstellen.
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 16:02
von Hajo Poppinga
Original von Rainer Zufall
Dann müßte man aber auch - wenn es nur um Kultur- und Rechtsverständnis geht, die USA, Kanada, Australien, Neuseeland und auch Japan (!) einladen.
Nur darum geht es aber nicht, wie ich auch geschrieben habe. Es geht auch um historisch-politische Zusammenhänge und auch um Wirtschaft und in diesem Zusammenhang natürlich auch Geographie.
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 16:23
von Montgomery Scott
Original von Hajo Poppinga
Und noch ein Witz: Deine Aussage stimmt nicht! Nicht nur, daß man sich allein durch die gemeinsame Religion tatsächlich eine Wertegrundlage teilte, nein, auch ziehen sich durchaus gemeinsame Konzepte durch die Rechtssysteme aller westeuropäischen Länder, gemeinsame historisch-wirtschaftliche Entwicklungen, die in allen Ländern gleichermaßen abliefen und sogar die politischen Entwicklungen liefen und laufen in diesen Ländern vielfach parallel. Noch dazu andere historische Gemeinsamkeiten.
Wie groß die Gemeinsamkeiten sind, ist aber im Endeffekt subjektiv. Und die Einsicht, dass es sich bei Europa um eine Gemeinschaft handelt, die zusammengehört, ist dafür, dass sie so objektiv und faktisch ist, den europäischen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. nach dem Ende des Ostblocks ganz schön überraschend gekommen.
Wenn Du es hier schon auf die EU beziehst - wir können doch nicht jeden aufnehmen, der das Interesse hat. Es müßen doch gewisse Bedingungen erfüllt sein, daß gehört die gemeinse Wertegrundlage und eben auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, wie die Achtung der Menschenrechte. Das erfüllt die Türkei schonmal gar nicht, und Bulgarien und Rumänien haben da auch etliche Defizite.
Natürlich müssen sie Bedingungen erfüllen, das ist doch völlig klar. Wovon ich aber redete, war ein kategorischer Ausschluss und genau den will das rechtskonservative Lager in Deutschland in Bezug auf die Türkei praktizieren. Natürlich muss sich für eine Aufnahme die EU dort noch einiges ändern. Aber das wird eben nicht passieren, wenn Frau Merkel und Konsorten sagen, dass es sich bei Mitteleuropa und der Türkei und zwei Staaten handelt, die grundsätzlich aus irgendwelchen bestenfalls metaphysischen Überlegungen nicht zusammengehören.
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 16:30
von Rainer Zufall
Es ist i.Ü. ein westeuropäischer Irrglaube, die Türkei könne sich in 10 Jahren auf EU-Standard katapultieren, das hätten die Spanier in den 70ern ohne EU auch nicht geschafft. Lassen wir es weiter laufen, haben wir in der Türkei zwei realistische (!) Möglichkeiten:
1. Ein vom Militär weitestgehend kontrolliertes politisches und öffentliches Leben im Sinne des Kemalismus, sprich eine weniger demokratische, sehr nationalistische Türkei (Leugnung des Genozids an den Armeniern und Griechen, sowie Türkentumsparagraph bleiben bestehen), die jedoch pro-westlich orientiert ist, weiterhin Kopftücher an Universitäten verbietet und mit der EU kooperieren wird oder
2. Eine Türkei, die sich mehr und mehr dem Islam zu und dem kemalistisch-laizistischen Militär abwendet, hin zu einem durch die AKP, resp. deren Nachfolger geprägten, populistischen und den Turkstaaten Zentralasiens zu-, Europa jedoch abgewandten Staat.
Oder aber, wir schaffen es, die Türken in die europäische Ordnung zu integrieren um beiden Richtungen das Wasser abzugraben.
Verfasst: Mi 18. Jun 2008, 20:00
von joukersendler
gibts heir auch so ne funktion wo man ein Thread trennen kann ?(
wäre mal sinvoll

Verfasst: Do 19. Jun 2008, 11:17
von Fabian Montary
Original von joukersendler
gibts heir auch so ne funktion wo man ein Thread trennen kann ?(
wäre mal sinvoll
Pfft, keine Lust, zu viel Gepfriemel...