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Verfasst: Di 13. Okt 2009, 19:14
von Kathryn Janeway
Original von Heinrich Julius von Jagonburg

Ich habe Leute kennengelernt, die voll integriert waren und seit Jahren in Deutschland gearbeitet und gelebt haben und dennoch keine Staatsbürgerschaft beantragt haben, obwohl es für sie selbst finanziell und auch vom Lebensstandard her besser gewesen wäre. Rein aus einer Nostalgie heraus. Deswegen kann ich deine starre Gleichung so nicht unterschreiben.
Das ist dann eben dumm.

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 19:56
von Heinrich Julius von Jagonburg
Original von Kathryn Janeway
Das ist dann eben dumm.
Dumm ist es, anderen Leuten vorzuschreiben was sie zu tun und zu lassen haben.

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 20:33
von Kathryn Janeway
Original von Heinrich Julius von Jagonburg

Dumm ist es, anderen Leuten vorzuschreiben was sie zu tun und zu lassen haben.
Wer schreibt wem was vor? Nur muss man dann eben damit leben, schlechtere Karten zu haben, wenn man sich auch nach Jahrzehntelangem Aufenthalt nicht einbürgern lassen will.

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 20:37
von Heinrich Julius von Jagonburg
Original von Kathryn Janeway
Wer schreibt wem was vor? Nur muss man dann eben damit leben, schlechtere Karten zu haben, wenn man sich auch nach Jahrzehntelangem Aufenthalt nicht einbürgern lassen will.
Und wenn man das in Kauf nimmt, dann finde ich kann auch niemand darüber meckern.

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 21:58
von Amber Marie Ford
Original von Heinrich Julius von Jagonburg
Dumm ist es, anderen Leuten vorzuschreiben was sie zu tun und zu lassen haben.
Eine selten dumpfe und völlig unsachgemäße Vereinfachung. :rolleyes:

Man kann von Menschen, die dauerhaft ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland nehmen wollen billigerweise erwarten, dass die hiesigen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Gegenbenheiten nicht nur passiv akzeptieren, sondern aktiv bejahen und mittragen.

Dazu gehört auch, dass sie nach entsprechender Aufenthaltsdauer und dem endgültigen Entschluss, ihr Leben hier zu verbringen als vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft beitreten, indem sie die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen.

Wer sich dem verweigert, der ist und bleibt Gast, und kann angesichts seines Status nicht die gleichen Erwartungen an die Gemeinschaft stellen, wie deren Mitglieder.

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 22:18
von Heinrich Julius von Jagonburg
Wer sich dem verweigert, der ist und bleibt Gast, und kann angesichts seines Status nicht die gleichen Erwartungen an die Gemeinschaft stellen, wie deren Mitglieder.
Wie bereits gesagt: Wenn das jemand in Kauf nimmt, gibt es keinen Grund darüber zu meckern.

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 22:51
von Amber Marie Ford
Allerdings: wer sein Leben zwar in Deutschland verbringen möchte, aber entweder die Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit ablehnt oder sich bereits weigert, die dafür bestehenden Voraussetzungen zu schaffen, der ist nicht vollständig integriert.

Es steht natürlich jedem frei, sich etwas gesunden Stolz auf seine Herkunft oder Abstammung zu bewahren, und auch solche Traditionen zu pflegen, die zur hiesigen Wertordnung nicht im Widerspruch stehen.

Aber dennoch muss man sich entscheiden: will ich dazugehören, oder nicht?

Verfasst: Di 13. Okt 2009, 23:50
von Rafael van der Linden
Original von Amber Marie Ford
Aber dennoch muss man sich entscheiden: will ich dazugehören, oder nicht?
Deshalb habe ich damals angefangen zu rauchen. ;)

Verfasst: Mi 14. Okt 2009, 00:04
von Palin Waylan-Majere
Original von Amber Marie Ford
Allerdings: wer sein Leben zwar in Deutschland verbringen möchte, aber entweder die Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit ablehnt oder sich bereits weigert, die dafür bestehenden Voraussetzungen zu schaffen, der ist nicht vollständig integriert.

Es steht natürlich jedem frei, sich etwas gesunden Stolz auf seine Herkunft oder Abstammung zu bewahren, und auch solche Traditionen zu pflegen, die zur hiesigen Wertordnung nicht im Widerspruch stehen.

Aber dennoch muss man sich entscheiden: will ich dazugehören, oder nicht?
Warum die Leute, wo doch offenbar schon die Integration nicht klappt, gleich zur Assimilation zwingen? Zumal die doppelte Staatsbürgerschaft in der BRD nur mit Polen, Tschechien und der Slowakei zu haben ist. Sprich ein Türke müsste aufhören Türke zu sein, um Deutscher zu werden - und da wir ja alle wissen: ohne Herkunft keine Zukunft, werden das nicht sehr viele machen. Zumal ich mir gar nicht sicher bin, ob die Türkei (oder andere Staaten) die Leute so ohne weiteres aus der Staatsbürgerschaft entlassen.

Verfasst: Mi 14. Okt 2009, 09:47
von Amber Marie Ford
Noch mal: es geht hier nicht um Zwang, sondern um legitime Erwartungen an Menschen, die ihre Herkunftsländer verlassen und ihr Leben in Deutschland verbringen wollen.

Denn eine staatliche Gemeinschaft ist mehr als ein Arbeitsmarkt mit angeschlossenem sozialem Sicherungssystem. Sie ist auch eine Kultur-, Werte- und Anschauungsgemeinschaft. Die Entscheidung, seinen Lebensmittelpunkt endgültig und dauerhaft in Deutschland zu nehmen, muss mit dem Entschluss einhergehen, sich dieser anzuschließen und aktiv an ihr teilzunehmen.

Es kann keine Option geben, sich durch Zahlung von Steuern und Sozialabgaben - oder auch durch unternehmerische, d. h. Arbeitsplätze schaffende Tätigkeit - das Recht darauf zu erkaufen, in Deutschland in seiner eigenen Parallelgesellschaft zu leben. Denn auf Dauer kann eine staatliche Gemeinschaft ohne geistige Klammer nicht bestehen.

Darum halte ich auch die doppelte Staatsangehörigkeit für in vielen Fällen eher problematisch denn problemlösend. Zwischen z. B. Polen, Tschechen und Slowaken auf der einen und Deutschen auf der anderen Seite gibt es über die sprachliche Barriere hinweg entscheidende mentale und kulturelle Ähnlichkeiten und Verbindungen. Für die westlich orientierte türkische Oberschicht gilt das in einem gewissen Maße wohl auch noch.

Für die Masse der türkischstämmigen Migranten in Deutschland, deren Integration mit der doppelten Staatsangehörigkeit eigentlich gefördert werden soll, gilt das aber gerade nicht. Für sie ist ihre türkische Staatsangehörigkeit nämlich eben kein Ausdruck der Verbundenheit mit der abendländischen Wertordnung. Letztlich haben sie selbst mit den Prinzipien des modernen türkischen Staates nichts zu tun. Die Gemeinschaft, mit der sie sich durch den Erhalt ihrer türkischen Staatsangehörigkeit verbunden zeigen wollen, ist eigentlich gar nicht die Republik Türkei, sondern bestenfalls noch das Osmanische Reich, wenn nicht eigentlich das System vorstaatlicher Stammes- und Sippengesellschaften.