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Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 10:01
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
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Ich will Dir da nicht widersprechen, wenn das Dein Weg ist, damit klar zu kommen. Mich überzeugt er nicht.

Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 10:09
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Ich weiß nicht, wie Du darauf kommst. Es waren ganz offensichtlich Regulierungen nötig, die im Laufe der 90er Jahre aufgegeben wurden. Die Banken sind in früheren Jahrzehnten auch nicht bankrott gegangen, nur weil sie ihre Kredite nicht an Hedgefonds und SPV verkaufen durften.
Nein, das stimmt nicht. Eigentlich hätte bereits seit den Achtzigern ein Crash kommen müssen, wenn man den Markt hätte machen lassen. Bereits die Savings and Loan-Krise, mehr noch die Asienkrise hätten eigentlich das große Schuldnersterben bringen müssen. Die Politik hat jedesmal volles Geschütz aufgefahren, um die notwendige Bereinigung zu verzögern, und dabei jedes mal alles schlimmer gemacht. Wenn wir diesmal den Crash hinausschieben können sollten, ist es das letzte mal. Wenn wir noch mal rauskommen ohne den großen Knall (was ich inzwischen glaube; ich denke, wir erleben nach der New Economy Blase und der Häusermarktblase als Schlußkapitel noch eine Staatsanleihenblase, und dann ist Ende), dann wird das nur noch eine Scheinblüte.
Die Demokratisierung* sowohl von Staat als auch Wirtschaft hat für eine enorme Verschiebung der Zeitpräferenzrate gesorgt. Politiker brauchen Ergebnisse in vier Jahren, Unternehmensvorstände in drei, Fondsmanager in einem Jahr. Da kann keiner mehr auf Nachhaltigkeit achten, sondern da werden Schuldscheine auf die Zukunft ausgeschrieben, was eben geht. Und irgendwann ist eben Zahltag.

* gemeint ist: Weder Staat noch Unternehmen liegen heute über Generationen in den Händen einer Dynastie (interessante Ausnahmen etwa Bayern wegen CSU-Dynastie, in der Wirtschaft Banken wie die Fürstlich Castellsche Bank - unbetroffen von der Krise). Damit interessiert sich auch keiner mehr für die langfristigen Folgen seines Handelns.

So ist das halt. Menschen handeln rational, wenn sie nach der Maxime "nach mir die Sintflut" agieren.

Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 10:53
von Montgomery Scott
1) Wenn man einmal vergleicht, was aufgehoben wurde, und was noch immer auf den Banken lastet, dann stellt es sich als purer Unsinn heraus von einem deregulierten Finanzmarkt zu sprechen. Ich habe gelesen, dass gerade der US Finanzmarkt einer der reguliertesten in den USA überhaupt ist. Man kann wohl kaum davon sprechen, dass hier die Selbstregulierung versagt hat, wenn man eine solche effektiv gar nicht zugelassen hat.
Natürlich gibt es noch Regulierungen aber Deine Formulierung ist irreführend. Es ist doch klar nachzuverfolgen, welche Regulierungen aufgehoben wurden und Freiräume für die jüngsten Entwicklungen geschaffen haben. Ich bin nun selbst absolut kein Wirtschaftswissenschaftler aber ich habe bis weit in die Ecke der Banker noch keinen Volkswirt gehört, der dem nicht zugestimmt hätte.
2) Regulierungen, die wesentlich mitschuld an der heutigen Misere haben, wurden u.a. in den 90ern eingeführt, so bspw. die spezifische Reform des CRA.
Hast Du dazu einen Link?

Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 11:56
von Jonathan Buren
Original von Montgomery Scott

Hast Du dazu einen Link?
"A 1995 strengthening of the Community Reinvestment Act required banks to find ways to provide mortgages to their poorer communities. It also let community activists intervene at yearly bank reviews, shaking the banks down for large pots of money." (Hervorhebung von mir)
http://www.nypost.com/seven/02052008/po ... htm?page=0

Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 12:24
von Montgomery Scott
Schön und gut aber die staatliche Regulierung zur Vermeidung von red-lining (nebenbei bemerkt einer der asozialsten Auswüchse des Finanzkapitalismus) gibt es dem Prinzip nach seit den 1970er Jahren. Die Krise ist aber erst seit dem Anfang dieses Jahrtausends entstanden, übrigens auch nicht seit 1995 sondern erst seit den Entwicklungen seit ca. 2000. Und der entscheidende Faktor in diesem Zeitraum war eben, dass die Subprime-Kredite kurzfristig immer attraktiv wirkten, weil die Immobilienpreise stiegen.

EDIT: Im Übrigen sagen empirische Untersuchungen etwas anderes (http://www.federalreserve.gov/newsevent ... 81203a.htm). Letztendlich scheint es sich bei diesen Behauptungen doch in erster Linie um Ideologie zu handeln.
Two key points emerge from all of our analysis of the available data. First, only a small portion of subprime mortgage originations are related to the CRA. Second, CRA- related loans appear to perform comparably to other types of subprime loans. Taken together, as I stated earlier, we believe that the available evidence runs counter to the contention that the CRA contributed in any substantive way to the current mortgage crisis.

Verfasst: Sa 7. Feb 2009, 19:31
von Konrad Grimm
Schau an, dass es sowas schon in die FAZ schafft...

Schade nur, dass dieser Traum, unsere sogenannte Elite samt und sonders zum Teufel zu jagen, immer ein Traum bleiben wird. Eigentlich gehört die ganze Bande an die Wand gestellt, samt und sonders.

Verfasst: Do 12. Feb 2009, 12:38
von Konrad Grimm
EU-Kommissionspräsident Barroso räumt ein, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise nach "Ausmaß und Geschwindigkeit" eine nie gekannte Dimension besitzt.

http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B1495 ... ntent.html

La la la... System futsch.

Verfasst: Do 12. Feb 2009, 18:55
von Damian Fuller
Was mit dem System passiert ist mir relativ egal. Wenn das System stürzt oder aktiv gestürzt wird könnte es aber zu großen Umwälzungen und Veränderungen kommen.
Wie stellt man sich am Besten auf verschiedene Eventualitäten ein?

Verfasst: Do 12. Feb 2009, 19:55
von Kreittmayr
Original von Damian Fuller
Wie stellt man sich am Besten auf verschiedene Eventualitäten ein?
Der Partei beitreten.

Verfasst: Do 12. Feb 2009, 23:30
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Der Partei beitreten.
So, und welcher?*

Ich hab mich zur Krisenvorsorge heute Abend wieder in den örtlichen Vorstand der bayerischen (Ex-? )-Staatspartei wählen lassen :D

* meine Prognose dazu übrigens: Wir erleben wie beim New Deal, dass die Krise nicht der extremistischen Opposition, sondern dem regierenden Establishment in die Hände spielt. Weder die Linke, noch die NPD haben ernsthaft das Zeug, eine Alternative darzustellen. Es gibt in Deutschland keinen Boden mehr für die Abschaffung der liberalen Demokratie, weder zugungsten einer kommunistischen Räterepublik, noch zugunsten eines faschistischen Führerstaates.