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Verfasst: Di 3. Jun 2008, 23:46
von David G. Whitman
Original von Montgomery Scott

Sie hat bestenfalls letzteres getan.
Nein, sie hat beides getan.

Man kann zu der DDR stehen wie man will, dazu sag ich gar nichts, weil ich keinen Nutzen darin sehe (Wäre die DDR so toll gewesen, würde sie vielleicht noch existieren... aber sie ist nunmal ein gescheiterter, diktatorischer Staat gewesen, was in der Faktenlage nicht schönredbar ist, trotz einiger, sicherlich findbarer, Vorteile, aber das bestreitet doch niemand). Aber eine solche Perversion, wie hier geäußert, kann man nicht stehen lassen. Es ist völlig legitim, konsumgeil zu sein. Was spricht dagegen? Nichts. Es spricht auch nichts dagegen, einen Zustand anzustreben, in dem dieses Bedürfnis umsetzbar ist. Nun sagt die gute rätselhafte Person, diese Menschen sind "wegen" dieser Konsumgeilheit (= individuelles Interesse) gestorben. Genauso, wie man "wegen" einer Krankheit stirbt. Ihre Konsumgeilheit hat sie aber nicht getötet. Es waren Kugeln. Was für Motive die Menschen hatten, als sie versuchten, der DDR zu entkommen, ist doch völlig unerheblich. Es gehört nur aber zum anständigen Menschenverstand, zu akzeptieren, dass man Menschen an Grenzen nicht abknallt, nur weil sie das Land verlassen wollen. Klar, sie wussten um das Risiko. Aber das macht es nicht besser.

Widerwertigen Mord zu rechtfertigen und gleichzeitig die Opfer zu beschuldigen ist unangebracht (für die geistige Adaptionshaltung der Ideologie muss man nur mal den Gebrauch des Wortes "wir" bei dieser Person anschauen - als ob alle DDR Bürger für die Mauer waren), und das will ich hier nicht sehen. Es macht mich krank, diese Menschenverachtung zu sehen.

Verfasst: Di 3. Jun 2008, 23:56
von Montgomery Scott
Sie hat niemanden beschuldigt, sie hat nur relativiert, was hier vorher über die durchweg politisch ehrenwerte Motive der Flüchtlinge geschrieben wurde. Und das ist so in der Tat ganz sicher nicht haltbar. Wer über die Grenze ging, wollte für sich persönlich ein besseres Leben. Daran ist nichts illegitim aber das ist nun mal auch ein rein egoistisches Motiv.

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 00:05
von Lady Enigma
Krank? Da bleibt mir nur, gute Besserung zu wünschen.
Mal Spaß beiseite, bewertet die damaligen Ereignisse nicht
nach heutigen Vorstellungen.
Immerhin haben sich unsere lieben Demokraten im kalten Krieg z.B. auch dem Kaiser Bokassa angedient( der mit den selben Speisegewohnheiten, wie Enigma simon)War kein Geheimnis, man störte sich nur nicht dran...

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 00:16
von Lady Enigma
Original von Montgomery Scott

Du triffst den Nagel auf den Kopf.

Ulbricht war zweifellos ein cleveres Kerlchen. Sonst hätte er weder bei den Kommunisten eine derartige Laufbahn hinlegen noch nach dem Zweiten Weltkrieg so kaltblütig sein Ding durchziehen können. Der Stuhl wurde ihm schließlich auch erst an dem Punkt abgesägt, als er cleverer als der große Bruder in Russland wurde und er abweichend von der Moskauer Linie eine leistungsfähige Volkswirtschaft hinbekommen wollte. Ulbricht war nämlich ironischerweise "der Wirtschaftsliberale unter den Stalinisten" ;)
Ganz genau!!! :]
Nur hat Ulbricht sich vom Stalinismus abgewandt.
Das NÖSPL wäre sonst nicht möglich gewesen.
Gescheitert ist das Ganze an einem Gemenge von persönlichen Differenzen und ideologischen Bedenken.

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 00:27
von David G. Whitman
Original von Montgomery Scott
Sie hat niemanden beschuldigt, sie hat nur relativiert, was hier vorher über die durchweg politisch ehrenwerte Motive der Flüchtlinge geschrieben wurde. Und das ist so in der Tat ganz sicher nicht haltbar. Wer über die Grenze ging, wollte für sich persönlich ein besseres Leben. Daran ist nichts illegitim aber das ist nun mal auch ein rein egoistisches Motiv.
Was zur Hölle, frag ich dich nun, macht das für einen Unterschied? Wenn es legitim ist, dann ist es legitim. Und es ist legitim, ein Land verlassen zu wollen.

Wenn ein Flüchtling über die Grenze wollte, weil er sich unterdrückt fühlte, oder um Geld zu machen, ist das genauso okay, wie wenn er über die Grenze wollte, um einmal in den Rhein zu spucken. Das relativiert überhaupt nichts von der Tatsache, dass diese Menschen aus niederträchtigen und menschenverachtenden Gründen umgebracht wurden. Da gibt es nichts zu relativieren. Wer in der Sache relativiert, der begibt sich in ganz gefährliches Fahrwasser.

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 00:35
von David G. Whitman
Original von Lady Enigma
Mal Spaß beiseite, bewertet die damaligen Ereignisse nicht
nach heutigen Vorstellungen.
Ich verstehe, warum es die Mauer geben musste, um den Bestand der DDR zu gewährleisten. Ich verstehe auch, warum Kaiser Wilhelm irgendwann mal einen Blankocheck ausstellte, der die Urkatastrophe des letzen Jahrhunderts auslöste. Aber nur weil ich die damaligen poltischen Notwendigkeiten verstehe, heißt das nicht, dass ich sie nicht bewerten darf. Wie soll man sonst aus der Geschichte lernen (und gerade darauf sind wir hierzulande doch so stolz...)?
Immerhin haben sich unsere lieben Demokraten im kalten Krieg z.B. auch dem Kaiser Bokassa angedient( der mit den selben Speisegewohnheiten, wie Enigma simon)War kein Geheimnis, man störte sich nur nicht dran...
Immer dieses relativieren... Wer sagt denn hier, dass er sowas gut findet? Wohl kein Mensch. Es bestreitet auch niemand, dass es in diesem unserem Lande, also der BRD, durchaus Schattenseiten gibt. Aber allein daran, dass Du dieses Land ohne Passkontrolle oder Rechtfertigung verlassen kannst, zeigt Dir schon, dass irgendwas hier anders und normativ gesagt: besser sein muss.

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 00:47
von Lady Enigma
Oh Gott, dieses böse relativieren...
Und, die Leute lernen nix aus der Geschichte, das lehrt die Geschichte...

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 00:48
von Montgomery Scott
Original von Lady Enigma
Nur hat Ulbricht sich vom Stalinismus abgewandt.
Das würde ich so wiederum auch nicht sagen. Was die Niederschlagung oppositioneller Bewegungen und den Führerkult anging, war Ulbricht knallharter Stalinist.

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 01:05
von David G. Whitman
Original von Lady Enigma
Oh Gott, dieses böse relativieren...
Und, die Leute lernen nix aus der Geschichte, das lehrt die Geschichte...
Irgendwie fällt mir diese StudiVZ Gruppe mit dem "geistig duellieren" ein...

Aber ich habe es versucht, mehr kann ich nicht machen, daher wars das von mir aus in diesem Thread.

Verfasst: Mi 4. Jun 2008, 01:06
von Lady Enigma
Was Ende der sechziger in der DDR ablief, sollte genau davon wegführen. NÖSPL, intensive Reproduktion, Nutzbarmachung individueller Interessen...Eine wohl schöne, aber kurze Zeit...
Manche behaupten, Ulbrichts Ideen waren die letzte Chance für den Sieg des Sozialismus. Es ist egal, es ist vorbei.
Ich bin eben anders sozialisiert worden, was ich für selbstverständlich halte, ist für die meisten hier wohl die Hölle. Aber die Zeiten waren damals halt anders. Ich möchte nur alle hier, die sich so aus dem Fenster gelehnt haben, bitten, sich genau zu überlegen, ob sie sich das auch bei uns getraut hätten.