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Verfasst: Do 5. Feb 2009, 12:23
von Konrad Grimm
Original von Baudouin de Billancourt
Ich weiß nicht, warum Du ein Problem damit hast, dass es ohne Bewusstsein so etwas wie "Sinn" nicht gibt. Das ist eine selbstverständliche Tatsache, deren Tragik sich mir nicht erschließt.
Ja wenn Du das Bedürfnis nach einem Sinn nicht hast, dann kannst Du es natürlich auch nicht nachvollziehen.
Verfasst: Do 5. Feb 2009, 14:47
von Kreittmayr
Das Problem ist, dass Du völlig den Kontext ausblendest, in dem das Wörtchen Sinn überhaupt Sinn macht. Sinn gibt es nur für ein Bewusstsein; Nichtbewusstseiendes hat keinen Sinn, kein Warum-Willen, es ist einfach. Und der Punkt ist auch nicht, dass da bei meiner Position etwas wegrationalisiert würde, sondern dass die Art und Weise, wie Du Deinen Verstand benutzt, wenn Du diese Frage stellt, eine illegitime und unnatürliche ist, weil Du den Kontext missachtest. Das ist in etwa so, als würdest Du fragen: Was ist die Ursache des Universums? Ebenso eine ungültige Frage.
Der Punkt ist, dass Du Dir konkret klar machen musst, dass es _für Dich_ ausserhalb Deines Gewahrseins nichts gibt. Die Welt ist nur _für Dich_ da, weil Du eine Perspektive auf sie hast, ein Bewusstsein. Erlischt diese Perspektive, erlischt für Dich auch die Welt: It's not I who will die, it's the world that will end. Und weil das so ist, ist es völlig illegitim, Deine Perspektive, Deine Subjektivität zu abstrahieren und so zu tun, als wäre sie nicht da, als spielte Dein Bewusstsein bei allem keine Rolle, als könntest Du bei Deiner Welterfahrung über die Perspektive hinaustreten, die Dir die Welterfahrung erst möglich macht. Das ist nicht der Fall. Die Welt gibt es _für Dich_ nur, solange Du ihrer gewahr bist. Warum solltest Du dich in irgendeiner Form darüberhinausgehend mit ihr befassen?
Verfasst: Do 5. Feb 2009, 14:54
von Konrad Grimm
Weil mich das rational überzeugt, emotional aber nicht. Die Sehnsucht bleibt.
Verfasst: Do 5. Feb 2009, 15:41
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
Weil mich das rational überzeugt, emotional aber nicht. Die Sehnsucht bleibt.
Dass Du es nicht fühlst, liegt daran, dass Du es vrmtl noch nicht richtig verinnerlicht hast, dass es Dir noch nicht konkret genug geworden ist. Im Endeffekt ist das eine Parallele zu meiner Erfahrung mit Angst vor dem Tod, die mich in Vergangenheit sehr oft überfallen hat, bis ich das verstanden hatte, was ich hier erklärt habe: dass der Tod für mich inexistent und daher insignifikant ist. Und immer, wenn mich so eine Attacke existentiellen Terrors befallen hat, habe ich versucht mir das wieder klar und konkret zu machen, mit dem Resultat, dass der Terror irgendwann aufhörte und ich ruhig und konzentriert wurde, und auch die Attacken inzwischen an Intensität und Häufigkeit weniger werden. Es braucht seine Zeit, bis man feststehende Prämissen deautomatisiert und neue gefestigt hat.
Wenn Du es nicht fühlst, dann verstehst du es nur auf einer abstrakten Ebene, und hast es Dir noch nicht in seiner konkreten Fülle zu eigen gemacht. Du bist letztlich nicht _völlig_ überzeugt.
Verfasst: Do 5. Feb 2009, 17:10
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Wenn Du es nicht fühlst, dann verstehst du es nur auf einer abstrakten Ebene, und hast es Dir noch nicht in seiner konkreten Fülle zu eigen gemacht. Du bist letztlich nicht _völlig_ überzeugt.
Das stimmt. Aber ist Deine Autosuggestion nicht letztlich auch irgendwie der Verdrängung gar nicht unähnlich? Die einen verdrängen den Gedanken, die anderen das Gefühl. Das soll jetzt keine Provokation sein. Ich habe ein ungutes Gefühl bei solchen Formen von willentlicher "Manipulation" der eigenen Einstellungen (Autosuggestion, Hypnose, NLP etc)
Verfasst: Do 5. Feb 2009, 20:07
von Kreittmayr
Ich bin der Auffassung, dass unsere Gefühle letztlich ein Produkt der Überzeugungen, Werturteile und Prämissen sind, die wir haben. Und entsprechend kann man die Ausformung seiner Gefühlswelt über die eigenen Überzeugungen auch mitgestalten. Was ich tue, ist strenggenommen keine Autosuggestion, da ich mir ja nichts grundlos einrede, indem ich es stumpf vor mich hersage, bis ich "daran glaube", noch ist es Repression von Gefühlen, da ich die Angst ja nicht aus dem Bewusstseinsfeld zwinge. Vielmehr ist es folgendes: Ich versuche mir in jedem Fall, in dem mich die Angst überkommt, diese Argumentation ins Gedächtnis zu rufen und sie mir möglichst zu konkretisieren. Letztlich arbeite ich introspektiv also den Fehler heraus, der dem Angstgefühl unterliegt, und korrigiere ihn durch rationale Argumentation. Es ist nun so, dass Überzeugungen sich sehr festsetzen und sehr gewiss sein können, weshalb man sich manchmal mehrfach von der Richtigkeit eines gewissen Punktes überzeugen und ihn sich in Erinnerung rufen muss, damit er sich festsetzt. Das hat mit Autosuggestion nichts zu tun, da erstens eine tatsächliche faktenbasierte Argumentation stattfindet, statt eines platten Vorsichhersagens und Sichselbsteinredens, und zweitens auch weil ich nicht ständig hergehe und über diese Dinge nachdenke, um sie mir aufs Gemüt zu pressen, sondern dieses Verfahren nur anwende, wenn tatsächlich so eine Angstattacke stattfindet. Ich sehe da kein Problem, gebe Dir aber Recht, dass die von Dir genannten Verfahren problematisch sind.
Verfasst: Do 5. Feb 2009, 22:00
von Montgomery Scott
Original von Kreittmayr
Staatliche Eingriffe schaffen einen Rahmen, in dem es für diese Unternehmen notwendig ist, so zu handeln, entweder weil sie sonst staatliche Repressionen und Strafen zu fürchten haben (wie im Falle des CRA), oder weil sich so der beste Gewinn erzielen lässt und man so handeln muss, wenn man konkurrenzfähig bleiben will. Das kann man nicht den Unternehmern vorwerfen, da Gewinnstreben ein völlig legitimes Motiv ist und allein schon durch unsere Natur als Lebewesen gefordert, sondern das muss man dem Staat vorhalten, weil er einen widernatürlichen, irrationalen Rahmen setzt, in dem das Verfolgen des Selbstinteresses der Akteure sich letztendlich (selbst)zerstörerisch auswirkt, weil um der Konkurrenzfähigkeit willen Dinge getan werden, die sich als objektiv schädlich herausstellen. Hier wurde als ein Rahmen geschaffen, in dem die Unternehmen, überspitzt gesagt, die Wahl zwischen Verlust oder Verlust, zwischen Pleite oder Pleite hatten. In so einem Rahmen gibt es im Endeffekt keine richtigen Geschäftsentscheidungen mehr.
Ich gestehe auch gerne zu, dass die Banken etc. hier völlig kurzsichtig und nur durch kurzfristige Profite motiviert gehandelt haben. Das ist natürlich falsch und nicht wünschenswert, da objektives Eigeninteresse eben nur durch eine langfristige, risikobewusste Planung gesichert werden kann. Aber dann muss man eben auch fragen, was die Gründe dafür sind, dass so gehandelt wird und wurde, und dann muss man eben auch einräumen, dass neben einer verqueren Philosophie und einer verqueren Vorstellung von Profit (nämlich ohne Rücksicht auf die Zukunft kurzfristig möglichst viel rausholen) eben zu einem ganz wesentlichen Teil auch die staatliche Rahmensetzung daran Schuld ist, die verstärktes Risikoverhalten und Denken in kurzfristigen Profiten begünstigt.
Ok, da könnte ich fast zustimmen. Die Lehre ist jetzt aber (und da sind sich Leute wie Oscar Lafontaine und der Chefvolkswirt der Dresdner Bank einig), dass man in der Politik fatalerweise davon ausgegangen sei, dass sich der Finanzmarkt ganz von alleine selbst reguliert, was er aber eben nicht tut. Nur hat Lafontaine es schon 1998 gesagt, während man in anderen Kreisen erst Ende 2008 auf den Geschmack gekommen ist.
Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 00:07
von Kreittmayr
Original von Montgomery Scott
Ok, da könnte ich fast zustimmen. Die Lehre ist jetzt aber (und da sind sich Leute wie Oscar Lafontaine und der Chefvolkswirt der Dresdner Bank einig), dass man in der Politik fatalerweise davon ausgegangen sei, dass sich der Finanzmarkt ganz von alleine selbst reguliert, was er aber eben nicht tut. Nur hat Lafontaine es schon 1998 gesagt, während man in anderen Kreisen erst Ende 2008 auf den Geschmack gekommen ist.
Ehrlich gesagt musste ich eben lachen, denn ganz ehrlich, ich weiß langsam nicht mehr, was diese Dreschphrase in so einem Kontext noch bedeuten soll. So, wie Du den Satz benutzt hast eben, scheint er mir zu bedeuten: Wir machen Vorschriften wie wir wollen und etablieren einen rechtlichen Rahmen für die Wirtschaftstätigkeit, dass die Banken im Endeffekt tatsächlich nur die Wahl zwischen Bankrott und Bankrott haben, und dann erwarten wir,
dass sich der Finanzmarkt schon von alleine selbst reguliert, d.h. trotzdem Gewinne macht und alles problemlos weiterläuft als wären die Banken nicht vor der einzigen Alternative von Pest oder Cholera. Das ist selbstverständlich absurd; wie soll das gehen? Wer sowas erwartet, der spinnt meines Erachtens.
Aber das ist auch nicht, was mit dem Satz eigentlich ursprünglich gemeint war, und wer ihn mit dieser untergeschobenen Bedeutung benutzt, der ist meines Erachtens entweder geistig behindert oder intellektuell derart unaufrichtig, dass er den Leuten hier versucht bewusst etwas unterzuschieben und das Element an freier Marktwirtschaft bewusst zu diskreditieren, um die willkürliche Macht des Staates (und so wie es in den meisten Fällen steht: seine eigene) aggressiv weiter auszudehnen.
Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 00:30
von Montgomery Scott
Ich weiß nicht, wie Du darauf kommst. Es waren ganz offensichtlich Regulierungen nötig, die im Laufe der 90er Jahre aufgegeben wurden. Die Banken sind in früheren Jahrzehnten auch nicht bankrott gegangen, nur weil sie ihre Kredite nicht an Hedgefonds und SPV verkaufen durften.
Verfasst: Fr 6. Feb 2009, 02:31
von Kreittmayr
Original von Montgomery Scott
Ich weiß nicht, wie Du darauf kommst. Es waren ganz offensichtlich Regulierungen nötig, die im Laufe der 90er Jahre aufgegeben wurden.
1) Wenn man einmal vergleicht, was aufgehoben wurde, und was noch immer auf den Banken lastet, dann stellt es sich als purer Unsinn heraus von einem deregulierten Finanzmarkt zu sprechen. Ich habe gelesen, dass gerade der US Finanzmarkt einer der reguliertesten in den USA überhaupt ist. Man kann wohl kaum davon sprechen, dass hier die Selbstregulierung versagt hat, wenn man eine solche effektiv gar nicht zugelassen hat.
2) Regulierungen, die wesentlich mitschuld an der heutigen Misere haben, wurden u.a. in den 90ern eingeführt, so bspw. die spezifische Reform des CRA.