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Verfasst: So 1. Feb 2009, 15:40
von Konrad Grimm
Der allerdings was nicht verstanden hat, nämlich Ackermanns Renditeziel. Die 25 % Rendite sind Eigenkapitalrendite. DAS ist aber für eine Bank nicht schwer, weil die Banken nur in einer Größenordnung von 3 % Eigenkapital besitzen. Denn Banken sammeln ja Kapital und vergeben es; also, bei den Banken erwirtschaftet notwendig das Fremdkapital die Rendite, nämlich die Marge aus Kreditzins minus Guthabenzins. Und der enorme Hebel, den die hohe FK-Quote mit sich bringt, sorgt dann problemlos für eine EKR vor 25 %. Wer diese Zielvorstellung kritisiert, hat keine Ahnung von BWL.
Verfasst: So 1. Feb 2009, 16:25
von Montgomery Scott
So so, wenn ein Versprechen von 25% Eigenkapitalrendite keine besonders hoch gegriffene Zahl sein soll, wie erklärst Du dir dann, dass die Eigenkapitalrendite noch 2003 bei 9,5 % (vor) bzw. 4,7% (nach Steuern) lag und sich die Dividende pro Aktie von 1,30 € (2003) auf 4,00 € (2007) erhöht hat?
Verfasst: So 1. Feb 2009, 16:26
von Rafael van der Linden
Original von Konrad Grimm
Wer diese Zielvorstellung kritisiert, hat keine Ahnung von BWL.
Wer es ideologisch "gut meint" und sich für moralisch agitierend hält braucht keine ökonomischen oder sonstigen naturgegebenen Grundregeln zu beachten.

Verfasst: So 1. Feb 2009, 16:27
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
So so, wenn ein Versprechen von 25% Eigenkapitalrendite keine besonders hoch gegriffene Zahl sein soll, wie erklärst Du dir dann, dass die Eigenkapitalrendite noch 2003 bei 9,5 % (vor) bzw. 4,7% (nach Steuern) lag und sich die Dividende pro Aktie von 1,30 € (2003) auf 4,00 € (2007) erhöht hat?
War 2003 nicht Tiefpunkt der letzten Rezession?
Außerdem hat sich - ich hab das mal nachgerechnet - in der gleichen Zeit die Eigenkapitalquote halbiert (3,4 % 2003 auf 1,8 % 2007); das ist natürlich ein recht einfacher Weg, den Hebel zu erhöhen. Ist das Irrsinn? Naja. Wir raten unseren Kunden regelmäßig davon ab, Anleihen eines gewissen Unternehmens zu kaufen, das eine EK-Quote von "lediglich" 10 % hat. Ist aber halt auch keine Bank. Banken sind nunmal Kapitalsammelstellen.
Es gibt gute Gründe dafür, Banken als staatliche Monopolaufgabe zu sehen. Es gibt auch gute Gründe dagegen. Hätte ich nicht ohnehin eine mephistophelische Freude am Niedergang von Wirtschaft und Gesellschaft, ich würde tendenziell eine Verstaatlichung des Bankensektors vorschlagen*.
Aber solange Banken privatwirtschaftlich arbeiten, ist die EKR 25 % nicht unrealistisch, sondern eine in der Natur von Banken liegende Folge des
Leverage-Effektes.
* Ich bin nebenbei bemerkt generell der Meinung, dass eine komplexe, gemeinwohlorientierte Volkswirtschaft am besten in einer Art "Konkurrenzsozialismus" zu organisieren wäre. Ich lehne das nichts desto trotz ab, weil ich gegen das Gemeinwohl bin

Verfasst: So 1. Feb 2009, 17:14
von Montgomery Scott
Stimmt allerdings. Wenn man sich die 90er anschaut, scheinen 25% nicht so ungewöhnlich zu sein.
Verfasst: So 1. Feb 2009, 17:25
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Stimmt allerdings. Wenn man sich die 90er anschaut, scheinen 25% nicht so ungewöhnlich zu sein.
Ja. In den Medien wird aber alberner Weise immer diese Rendite verglichen mit dem, was ein Sparer so an Rendite kriegt. Der Sparer kann diese Rendite auch erzielen, wenn er es hinkriegt, ein hohes, nicht besichertes Darlehen zu meinetwegen 4 % aufzunehmen (wäre es besichert, z.B. Grundschuld auf's Haus, würde das ja wieder Eigenkapital, namentlich: ein eigenes Haus, verlangen) und die Darlehenssumme zu 5 % zu verleihen. Das ist nunmal, was Banken so tun. Oma bringt Geld auf's Sparbuch zu 0,5 % Guthabenszins bei der Spaßkasse, Spaßkasse gibt Dispokredit an irgendnen Proll, der sich damit nen neuen Flachbildfernseher kauft und 18 % Dispozins zahlt. Ist natürlich n toller Hebel für die Spaßkasse.
Aber der momentane Umgang mit diesen 25 % ist ein weiterer Beleg dafür, wie kreuzdämlich unsere Medien sind und wie unverfroren die Politik mit solchen Halbwahrheiten spielt.
Banken sind höchst sonderbare Wirtschaftssubjekte. Ich kenne kein anderes Unternehmen, bei dem die Lieferanten ("Sparer") mehr umworben werden als die Käufer ("Kreditnehmer"; dabei erwirtschaftet die Bank ihre Gewinne im Kreditbereich - und trotzdem zitiere ich einen Trainee bei uns: "ich bin froh, wenn ich hier aus der Anlage weg bin und wieder im Kredit drüben - da muss ich zu den Kunden nicht mehr freundlich sein!") [Lösung des Rätsels, warum es doch ganz normal ist: Nicht der Kunde ist in Wahrheit König, sondern sehr viel richtiger, Zitat Mr Crabs aus Spongebob: "Das GELD hat immer recht!" Cash, not costumer, is king!]. Und es gibt eben auch kein anderes Unternehmen, das so wenig Eigenkapital hat und damit so einen extremen Hebeleffekt. Banken sind besondere Unternehmen, vielleicht sind sie auch überhaupt keine.
Verfasst: Di 3. Feb 2009, 19:11
von Damian Fuller
Original von Konrad Grimm
* Ich bin nebenbei bemerkt generell der Meinung, dass eine komplexe, gemeinwohlorientierte Volkswirtschaft am besten in einer Art "Konkurrenzsozialismus" zu organisieren wäre. Ich lehne das nichts desto trotz ab, weil ich gegen das Gemeinwohl bin
Das heißt, für den Fall, dass Du mal wieder auf den Idealismus kommst können wir damit rechnen, dass Du als Mitglied der Linken Liste oder gar als RL-Sozialist wieder auftauchst?

Verfasst: Di 3. Feb 2009, 22:01
von Konrad Grimm
Original von Damian Fuller
Das heißt, für den Fall, dass Du mal wieder auf den Idealismus kommst können wir damit rechnen, dass Du als Mitglied der Linken Liste oder gar als RL-Sozialist wieder auftauchst?
Wer weiss
Eigentlich weiss ich auch gar nicht, ob ich das mit dem Konkurrenzsozialismus ernst meine. Staat und Gesellschaft fahren auch ohne meine klugen Ideen zur Hölle.
Die Welt ist ein Haufen Sch*** - warum soll ich mir Gedanken über das beste Aufstapeln machen?