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Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:09
von Konrad Grimm
Original von Kathryn Janeway
Staatsanwälte haben in den USA schon oft genug entlastende Beweise zurückgehalten, weil sie sich soooo sicher waren, dass der Angeklagte es war. Aber auch die Geschworenen und ja, auch die Richter sind nicht besser.
Was haben die Unzulänglichkeiten des US-Prozessrechts mit der Todesstrafe zu tun?
Das US-Strafrechtssystem ist Müll. Das kontradiktorische Modell, Anklage und Angeklagten als Gegner antreten zu lassen, ist ein bescheuertes Relikt, das der europäischen Inquisitionsmaxime (die Staatsanwaltschaft ermittelt sowohl be-, als auch entlastend, das Gericht sucht selbstständig und unabhängig vom Parteivortrag nach der Wahrheit) weit unterlegen ist.
Das hat aber mit der Todesstrafe nichts zu tun.
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:13
von Lady Enigma
Zitat:
Original von Montgomery Scott
Wie denn sonst? Jeder metaphysische oder rationale Gerechtigkeitsbegriff wird doch durch den offensichtlichen Verstoß gegen die Menschenrechte ad absurdum geführt.
Was bitte sind denn Menschenrechte? Auch nur eine Vereinbarung. Und die trifft jede Gesellschaft für sich.
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:22
von Konrad Grimm
Original von Graf von Düsterstein
Wäre dann ein Argument gegen die Todesstrafe. Zwischen Todesstrafe und ansteigender Mordrate besteht Korrelation ohne nachgewiesene Kausalität, aber immerhin der Möglichkeit einer Ursache-Wirkung. Zwischen Todesstrafe und abschreckender Wirkung besteht nicht einmal Korrelation.
Ich frage mich immer, warum ich mir die Mühe mache und den aktuellen Forschungsstand zitiere, wenn das schlicht ignoriert wird. Die Mehrzahl und vor allem die aktuelleren Studien* belegen eine Abschreckungswirkung der Todesstrafe.
* namentlich:
Dezbakhsh/Rubin/Shepherd, Does Capital Punishment Have a Deterrent Effect?, Clemson and Emory University, American Law and Economics Review, 2003
Berk, New Claims about Executions and General Deterrence, University of California Los Angeles, 2005
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:26
von Konrad Grimm
Original von Kintaro Bergmann
Das ist ja der Grund warum ein Moderner Rechtsstaat eine Todesstrafe in dieser form nicht befürworten kann. Ein Rechtsstaat kann nicht Vergeltung üben wie man es bei den Amis macht denn dann würde er sich mit dem Mörder gleichsetzen und sich selbst außer kraft setzen.
Ich Möchte meinen das eine Lebenslängliche Freiheitsstrafe wesentlich bestrafende ist als eine Hinrichtung. Der Mensch verbringt wenn er Sicherheitsverwahrung hat mit Höchster Wahrscheinlichkeit den Rest seines Lebens in Unfreiheit verbringen.
Ich finde es immer höchst interessant, dass Gegner der Todesstrafe deren Grausamkeit geißeln und gleichzeitig betonen, dass die Haftstrafe doch viel grausamer sei.
Schizophren.
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:31
von Lady Enigma
Der "aktuelle Forschungsstand"?
Ich geh mal davon aus, daß das eni Witz war....
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:35
von Konrad Grimm
Original von Lady Enigma
Der "aktuelle Forschungsstand"?
Ich geh mal davon aus, daß das eni Witz war....
Nein, wieso? Es ist nunmal derzeit die herrschende Meinung in der Rechtsökonomie, dass die Todesstrafe eine Abschreckungswirkung besitzt. Dass es eine gegenteilige Mindermeinung gibt, bestreite ich nicht. Wohl aber behaupte ich, dass deren Studien methodische Mängel aufweisen und ich sie somit als widerlegt betrachte.
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:41
von Kathryn Janeway
Sowohl Todesstrafe als auch Lebenslang sind grausam und verwerflich.
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:43
von Lady Enigma
Ich hab schon Probleme mit dem Begriff "Rechtsökonomie". Wenn ich ihn denn recht verstehe.
Du "behauptest" und "betrachtest"....
Ein wahrhaft unabweisbares Argument....
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:49
von Konrad Grimm
Original von Lady Enigma
Ich hab schon Probleme mit dem Begriff "Rechtsökonomie". Wenn ich ihn denn recht verstehe.
Law and Economics alias Rechtsökonomie sind eine Mischung aus Ökonomie und Rechtswissenschaft. Hauptfragestellung ist hierbei die Effizienz von gesetzgeberischen Gestaltungsmöglichkeiten.
Du "behauptest" und "betrachtest"....
Ein wahrhaft unabweisbares Argument....
Ich habe ja meine Einwände gegen die Methodik weiter oben bereits genannt, also was bei diesen Studien nicht beachtet wurde.
Verfasst: Sa 25. Apr 2009, 20:52
von Lady Enigma
Also nicht finanzielle sondern sozusagen Wirkungsökonomie?