Seite 12 von 15

Verfasst: Mo 23. Feb 2009, 18:53
von Montgomery Scott
Rechtsradikale nehmen da sicher eine Sonderrolle ein. Mit rechts meinte ich jetzt aber zunächst mal Konservative und Rechtsliberale.
Original von Damian Fuller
"Nationalsozialismus und Kommunismus sind eine Art Geschwisterkinder".
Demnach war ersterer aber ein Brudermörder.

Verfasst: Mo 23. Feb 2009, 19:02
von Damian Fuller
Original von Montgomery Scott
Demnach war ersterer aber ein Brudermörder.
Ein Konkurrenzmörder. Von der verhassten bürgerlichen Rechten, den Konservativen und Liberalen, den ehemaligen obrigkeitstreuen Monarchisten etc. erwarteten die Nationalsozialisten keine Revolution und hatten vor diesen als gewaltsame Konkurrenz um die Macht auch keine Angst - bis 1944, aber da wurde kurzer Prozess mit den rechten Aufständlern gemacht.

Verfasst: Mo 23. Feb 2009, 19:50
von Lady Enigma
Rechts....links...irgendwelche gesellschaftlichen Schubladen.....
Ich sehe es so, daß man dem neuen Phänomen der Globalisierung nur
die alten Rezepte entgegenzusetzen hat.
Ich bin der Ansicht, all die alten Gesellschaftsmodelle sind zunehmend untauglich. War ja schon beim Ende der bipolaren Welt so. Man hat auf die
neue Situation mit den alten Mitteln reagiert und tut es noch heute...
Nun hat sich ja in großen gesellschaftlichen Krisen( und damit meine ich wirklich grundlegende Dinge) immer etwas neues gefunden. Leider ging es nie ohne große Leiden ab und es gab auch etliche Irrwege.
Die Hilflosigkeit der Eliten , ob sie nun untaugliche Strategien für oder Mittel gegen diese Entwicklung propagieren, ist schon ärgerlich bis beängstigend...

Verfasst: Di 24. Feb 2009, 12:57
von Konrad Grimm
Original von Lady Enigma
Die Hilflosigkeit der Eliten , ob sie nun untaugliche Strategien für oder Mittel gegen diese Entwicklung propagieren, ist schon ärgerlich bis beängstigend...
Es sind ja auch immer die Eliten der alten Ordnung.

Verfasst: Di 24. Feb 2009, 15:59
von Lady Enigma
Eben. Nur sollten sie flexibel sein. Bereit und fähig, neue Strategien zu entwickeln. Aber Fehlanzeige.
Du sagtest mal, es wäre Zahltag. Stimmt, fürchte ich. Nur in wesentlich größerem Ausmaß als nur auf die Wirtschaft bezogen.

Verfasst: Di 24. Feb 2009, 17:31
von Konrad Grimm
Original von Lady Enigma
Du sagtest mal, es wäre Zahltag. Stimmt, fürchte ich. Nur in wesentlich größerem Ausmaß als nur auf die Wirtschaft bezogen.
Dafür bin ich mir da nicht mehr sicher. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass gar nicht so viel passieren wird. Letztlich hat am Zusammenbruch niemand ein Interesse. Wir haben ja nichtmal eine Gegenelite oder eine Reserveideologie. Was sollen wir denn schon machen, wenn nicht irgendwie "weiter so"? In den 30ern, bei der letzten Weltwirtschaftskrise, war das anders. Da hatten wir mal locker drei Gegenmodelle, namentlich die Monarchie - die allerdings, wie heute der Marxismus-Leninismus, als Alternative diskreditiert war -, den Sozialismus sowjetischer Prägung und den Faschismus einschließlich seiner besonderen deutschen Form. Heute? Nix. Weit und breit. Alles Konsens auf irgendwie Demokratie, irgendwie Marktwirtschaft, irgendwie Interventionismus. Die einen wollen hiervon mehr, die anderen davon. Alles irgendwie Sozialdemokraten.
Und deswegen wird unsere Elite als solche nicht entthront werden und wird das Spiel irgendwie wieder zum Laufen gebracht werden.
Jared Diamond identifiziert in seinem Buch "Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen" verschiedene Gründe für die genannte Frage. Er sagt dabei, dass eine Gesellschaft u.a. umso stabiler ist, je weniger sich die Eliten den Folgen eines Untergangs entziehen können. Und das können sie diesmal absolut nicht.

Ich habe immer noch nicht wirklich eine Ahnung, was kommen wird. Das mit der Hyperinflation ist mir zu einfach, und es ist auffällig, dass es immer mehr zum Mainstream-Glauben wird. Was alle glauben, ist selten ein verlässlicher Kompass.
Die deflationäre Depression wird auch nicht kommen. Sie setzt eine große Illusion voraus, nämlich dass die Schulden zurückgezahlt werden müssten. Nichts da. Sowas funktioniert eben nur im Normalfall, nicht im Ausnahmefall.

Ich halte es inzwischen für die wahrscheinlichste Lösung, dass wir eine Währungsreform bekommen. Ich habe etwas gebraucht, um das zu verstehen, weil mir der Sinn erst nicht klar war. Wir haben ja alle schon eine Währungsreform erlebt, DM zu Euro. So eine würde das Problem nicht lösen, weil wir mit 1,95583 nur einen Umrechnungskurs hatten. Der Sinn einer Währungsreform erschließt sich, wenn man sich die Umstellungen M / DM 1990 und die Umstellung RM / DM 1948 anschaut. Da gab es nämlich nicht einen Umrechnungskurs, sondern viele - einen für Bestandsschulden, einen für laufende Schulden, einen für Spareinlagen, einen für Aktienkurse etc.

Tolles Spielzeug, lässt nämlich die TOTALE Umverteilung nach politischem Gusto und den Systemneustart zu. Und ist auch noch total sozialverträglich, weil es unsere Eliten nicht besonders schädigt (denn die großen Vermögen sind regelmäßig mehr in Sach- denn in Geldwerten investiert), die Transferempfänger nicht weiter juckt (Hartz-IV'ler hatten vorher nix und nachher nix, den durchschnittlichen Rentner und Pensionär trifft es auch eher weniger). Wer zahlt dann die Quittung dieser klugen Idee? Na, diejenigen, die eh keine Revolution machen: Der Mittelstand. Was sollen die am Ende schon dagegen tun, dass sie jetzt halt zehn Jahre länger arbeiten müssen, um die Hypothek zurückzuzahlen? Dass halt erstmal Schluß ist mit Urlaub auf den Malediven? Und mit dem Zweitwagen? Deren revolutionärster Akt ist doch schon, statt CDU mal SPD zu wählen, und wenn das - wie zu erwarten wäre - von allen Parteien beschlossen worden ist, passiert am Ende gar nix.

Verfasst: Do 26. Feb 2009, 23:10
von Konrad Grimm
Mein Namensvetter, EZB-Schattenrat Prof. Thorsten Polleit, sieht uns übrigens vor einer massiven Inflation und fordert für den Euroraum die Rückkehr zum Goldstandard.

http://www.finanzen.net/fonds-berichte/ ... agt-165532

Heisst dieser Schattenrat so, weil die Jungs nen Schatten haben...?

Verfasst: Do 26. Feb 2009, 23:16
von Palin Waylan-Majere
Gustav Horn vom IMK meint ja, dass die Deflationsgefahr deutlich größer als Inflationsrisiken ist.

Verfasst: Do 26. Feb 2009, 23:45
von Konrad Grimm
"Keine Regierung in Europa würde es schaffen, die EZB zum Gelddrucken zu bewegen, um über gezielte Inflation ihre Schulden zu reduzieren. Darauf vertraue ich", so Horn.

- Hö hö. Genau. Eine nicht. Alle schon.

Im Ernst: Deflationäre Depression ist das schlimmste, was wirtschaftlich passieren könnte. DeDe hieße reihenweise Unternehmenspleiten und Massenarbeitslosigkeit, hieße im Endeffekt Verelendung weiter Teile der Bevölkerung. Das politische System möchte ich sehen, das eine solche Wirtschaftskrise überlebt. Es zur Deflation kommen zu lassen hieße "fiat justitia, pereat mundus" - zwar muss es zu einer Deflation kommen, wenn die Regeln weiter gelten, aber Deflation ist die Hölle, für alle Beteiligten. Die Notenbanker, die das durchsetzen, müssten um ihr Leben fürchten.

Wenn dieser Weg eingeschlagen wird, ist das das Ende der Demokratie. Dann kriegen wir einen Polizeistaat oder schlimmeres.

Sicher: So, wie sich unsere Regierung verhält, dürfen wir drauf wetten, dass es dazu kommt. Unsere Regierung besteht aus völlig ahnungslosen Vollidioten, und Merkel wandert auf Brünings Spuren, die Lachnummer Konjunkturpaket II hin oder her. Merkel und Steinbrück sind sogar zum Inflationieren zu blöd, diese Erbsenzähler mit einer Weitsicht bis zur Nasenspitze, und ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, bei der BTW die Linke zu wählen.*
Aber zumindest die Regierungen der USA und Frankreich haben begriffen, was die Stunde geschlagen hat, und Amerika wird zur Not die Welt in Dollars ersäufen, um eine Deflation zu verhindern.

* Boah, ich nehm's zurück. Wir haben Weltwirtschaftskrise, und bei der Linkspartei arbeiten sie sich an der DDR-Vergangenheit auf. Mann oh Mann...

Verfasst: Fr 27. Feb 2009, 03:04
von pjotr
Original von Konrad Grimm
* Boah, ich nehm's zurück. Wir haben Weltwirtschaftskrise, und bei der Linkspartei arbeiten sie sich an der DDR-Vergangenheit auf. Mann oh Mann...
Keine Angst, die CSU wird sicher bald auch noch dran zweifeln ;)