Original von Lady Enigma
Du sagtest mal, es wäre Zahltag. Stimmt, fürchte ich. Nur in wesentlich größerem Ausmaß als nur auf die Wirtschaft bezogen.
Dafür bin ich mir da nicht mehr sicher. Ich habe inzwischen das Gefühl, dass gar nicht so viel passieren wird. Letztlich hat am Zusammenbruch niemand ein Interesse. Wir haben ja nichtmal eine Gegenelite oder eine Reserveideologie. Was sollen wir denn schon machen, wenn nicht irgendwie "weiter so"? In den 30ern, bei der letzten Weltwirtschaftskrise, war das anders. Da hatten wir mal locker drei Gegenmodelle, namentlich die Monarchie - die allerdings, wie heute der Marxismus-Leninismus, als Alternative diskreditiert war -, den Sozialismus sowjetischer Prägung und den Faschismus einschließlich seiner besonderen deutschen Form. Heute? Nix. Weit und breit. Alles Konsens auf irgendwie Demokratie, irgendwie Marktwirtschaft, irgendwie Interventionismus. Die einen wollen hiervon mehr, die anderen davon. Alles irgendwie Sozialdemokraten.
Und deswegen wird unsere Elite als solche nicht entthront werden und wird das Spiel irgendwie wieder zum Laufen gebracht werden.
Jared Diamond identifiziert in seinem Buch "Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen" verschiedene Gründe für die genannte Frage. Er sagt dabei, dass eine Gesellschaft u.a. umso stabiler ist, je weniger sich die Eliten den Folgen eines Untergangs entziehen können. Und das können sie diesmal absolut nicht.
Ich habe immer noch nicht wirklich eine Ahnung, was kommen wird. Das mit der Hyperinflation ist mir zu einfach, und es ist auffällig, dass es immer mehr zum Mainstream-Glauben wird. Was alle glauben, ist selten ein verlässlicher Kompass.
Die deflationäre Depression wird auch nicht kommen. Sie setzt eine große Illusion voraus, nämlich dass die Schulden zurückgezahlt werden müssten. Nichts da. Sowas funktioniert eben nur im Normalfall, nicht im Ausnahmefall.
Ich halte es inzwischen für die wahrscheinlichste Lösung, dass wir eine Währungsreform bekommen. Ich habe etwas gebraucht, um das zu verstehen, weil mir der Sinn erst nicht klar war. Wir haben ja alle schon eine Währungsreform erlebt, DM zu Euro. So eine würde das Problem nicht lösen, weil wir mit 1,95583 nur einen Umrechnungskurs hatten. Der Sinn einer Währungsreform erschließt sich, wenn man sich die Umstellungen M / DM 1990 und die Umstellung RM / DM 1948 anschaut. Da gab es nämlich nicht einen Umrechnungskurs, sondern viele - einen für Bestandsschulden, einen für laufende Schulden, einen für Spareinlagen, einen für Aktienkurse etc.
Tolles Spielzeug, lässt nämlich die TOTALE Umverteilung nach politischem Gusto und den Systemneustart zu. Und ist auch noch total sozialverträglich, weil es unsere Eliten nicht besonders schädigt (denn die großen Vermögen sind regelmäßig mehr in Sach- denn in Geldwerten investiert), die Transferempfänger nicht weiter juckt (Hartz-IV'ler hatten vorher nix und nachher nix, den durchschnittlichen Rentner und Pensionär trifft es auch eher weniger). Wer zahlt dann die Quittung dieser klugen Idee? Na, diejenigen, die eh keine Revolution machen: Der Mittelstand. Was sollen die am Ende schon dagegen tun, dass sie jetzt halt zehn Jahre länger arbeiten müssen, um die Hypothek zurückzuzahlen? Dass halt erstmal Schluß ist mit Urlaub auf den Malediven? Und mit dem Zweitwagen? Deren revolutionärster Akt ist doch schon, statt CDU mal SPD zu wählen, und wenn das - wie zu erwarten wäre - von allen Parteien beschlossen worden ist, passiert am Ende gar nix.