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Original von Kreittmayr
Abgesehen davon, dass es ohne vorherige staatliche Intervention in das Geldwesen und den Immobilienkreditmarkt ohnehin nicht soweit gekommen wäre, heilt man eine Vergiftung sicherlich nicht dadurch, dass man dem Patienten noch mehr Gift verabreicht.
Diese Behauptung hätte ich doch gerne noch etwas ausgeführt. Inwiefern ist denn staatliche Intervention für die Finanzkrise verantwortlich?
Die Wirtschaft hat sich nun einmal künstlich und ungesund aufgebläht, und nun müssen die ganzen kranken Strukturen liquidiert werden. Und das ist eben schmerzhaft.
Willst Du sagen, jedes Unternehmen, dass Bankkredite in Anspruch nimmt, sei künstlich aufgebläht?
 

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Geldpolitik ist auch Politik ;) und spielt nicht nach Idealen oder Prinzipien.

Dazu eine interessante Einschätzung des Vermögensberaters Peter Boehringer:
Preisfrage: Von wem stammt folgendes Zitat? „Die Moral hazard Gefahr [von Bankenrettungsaktionen] ist offensichtlich. Aber wenn die Wahl zwischen marktnahen Bewertungsansätzen und dem Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze zu treffen ist, ist diese Wahl u.E. einfach.“ Nein – dies schreibt kein chronischer Interventionist wie z. B. der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und auch nicht die Presseabteilung von Bear Stearns. Den Satz findet der erstaunte Beobachter in der neuen Researchstudie der Investment Bank Dresdner Kleinwort vom April 2008 zur Lage des Bankensystems.



Seit Keynes wissen wir alle, dass man kurzfristig Jobs schaffen (oder besser: retten) kann, wenn man die Wirtschaft (oder besser: die Banken) mit Liquidität überflutet. Vermutlich denkt zwar DK beim „Verlust Hunderttausender Jobs“ eher an gefährdete Bankerjobs als an die in der Realwirtschaft – aber sei’s drum. DK hätte auch „viele Millionen Jobverluste“ schreiben können – denn das wäre bei einem Bankenkollaps die Größenordnung in der Realwirtschaft. Und da ist es keine sehr gewagte Prognose, dass die durchgängig und seit Jahrzehnten vulgär-keynesianisch denkenden Politiker natürlich den Geldhahn aufdrehen werden. Warum vulgär-keynesianisch? Weil Keynes vor 70 Jahren eben auch davon gesprochen hat, dass die Stimulus-Gelder aus der Druckerpresse in besseren Zeiten wieder eingesammelt werden müssen. Bei derzeit historisch hohem Geldmengenwachstum (US-M3 +19% p. a.!) ist jedoch nicht zu erwarten, dass wir irgendwann „in besseren Zeiten“ wieder mal -15% oder so sehen werden, wie Keynes es gefordert hat.



Systemresistenz durch unkonventionelle Maßnahmen
Wer aber genau beobachtet, muss die neue Qualität der Notenbankaktionen seit Juli 2007 erkennen:
- Minimalzinssätze trotz ausufernder Inflation
- direkte Geldspritzen an illiquide Banken über „unkonventionelle“ Maßnahmen und neue dauerhaft monetarisierende, de facto Eigenkapital ersetzende Maßnahmen
- Einführung neuer, die beanspruchende Bank anonym haltender Instrumente (Term Auction Facility, Term Securities Lending Facility)
- Akzeptierung von weltfremder „fair value“-Schuldenbilanzierung, die formal die Gewinne erhöht
- Direkthilfen der Fed an Nicht-Banken
- massive Herabsetzung der Qualität der Sicherheiten
- sogar direkter Tausch von Ramschanleihen gegen Staatsanleihen (Fed) bzw. direkte Beleihung von spanischen, italienischen, griechischen und britischen Immobilienkrediten (EZB). Dies geschieht nicht zu marktgerechten Konditionen und übrigens auch aus politischen Gründen (der Euro wäre ohne diese Transferzahlungen längst zerbrochen und mit ihm sofort auch die EU!).



Viele der Maßnahmen wären für Ökonomen noch vor einem Jahr völlig undenkbar gewesen! Einzig offene Verstaatlichungen oder offene Monetarisierungen der Schulden oder offene Konkurse bzw. Übernahmen von Geschäftsbanken durch Fed und EZB wurden rein technisch nochmals vermieden! De facto wird mit dem Tausch von Ramschanleihen gegen Staatsanleihen nun aber sogar die Währungsbasis massiv verschlechtert und die Zentralbanken haben auch erstmals begonnen, das Kreditausfallrisiko dieser Anleihen zumindest zeitweise auf die eigenen Bücher zu nehmen! Der geldpolitische Dammbruch ist erfolgt und die moralische Hemmschwelle wird nach diesen Präzedenzfällen beim nächsten Mal geringer sein.
 

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Rafael van der Linden, Kellner im Café Sonderbar Manuri
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Original von Rafael van der Linden
Geldpolitik ist auch Politik ;) und spielt nicht nach Idealen oder Prinzipien.
Wenn das eine Antwort auf meine Frage sein soll: Geldpolitik alleine, die sicher einen gewissen Anteil an der Krise hat, ist aber zunächst mal Ordnungspolitik. Unter Interventionen verstehe ich (und wohl auch die meisten Monetaristen) durchaus etwas anderes als niedrige Leitzinsen.
 

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Beitrag von Konrad Grimm »

Warum die Sozialpolitik schuld an der Finanzkrise ist

(So: Jetzt wird erstmal wieder über die Quelle gemotzt...)
 

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Original von Konrad Grimm
Warum die Sozialpolitik schuld an der Finanzkrise ist

(So: Jetzt wird erstmal wieder über die Quelle gemotzt...)
Da haste Dir ja eine schöne Quelle gesucht ;)

Da hat der Herr Dr. Fest sich aber große Mühe gegeben, die bösen Sozialisten als Verursacher der Krise hinzustellen. Die Sache ist aber schon noch etwas komplizierter. Es ging bei der sog. Immobilienkrise nicht nur um Immobilienfinanzierung sondern auch um andere Kredite bis hin zu Kreditkartenrechnungen. Diese faulen Kredite haben in den letzten zehn Jahren für eine halbwegs stabile Binnennachfrage bei aufgrund hemmungslosem Lohndumping sinkenden Reallöhnen in den mittleren und unteren Schichten gesorgt. Nun liegt einerseits auf der Hand, dass die Politik keinesfalls für die großzügige Kreditvergabe im Ganzen verantwortlich war. Im Übrigen liegt das Grundproblem bei der Lohnentwicklung und den Besitzverhältnissen in den USA. Erst dadurch sind so breite Schichten der US-amerikanischen Gesellschaft von Krediten abhängig geworden

Im Übrigen haben ja auch noch einige andere Faktoren zur Krise beigetragen: Da wären einmal die hohen Immobilienpreise, die sich seit Anfang des Jahrzehnts in den USA als Folge der letzten Börsenblase gebildet hatten. Und andererseits sind die faulen Kredite ja widersinnigerweise auch noch von Instituten, die an sich nichts mit Immobilienfinanzierung am Hut hatten, angekauft worden.
 

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Doppel-As
Original von Montgomery Scott
Da hat der Herr Dr. Fest sich aber große Mühe gegeben, die bösen Sozialisten als Verursacher der Krise hinzustellen.
Hab mir genau das selbe gedacht :D

Was man mit einem Banken-Rettungspaket alles anstellen kann!
 

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Leif Kyrkogård
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Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Montgomery Scott
Und andererseits sind die faulen Kredite ja widersinnigerweise auch noch von Instituten, die an sich nichts mit Immobilienfinanzierung am Hut hatten, angekauft worden.
Ja, von deutschen Staatsbanken mit Vorliebe.

Und unter anderem deswegen, weil alle Marktteilnehmer davon ausgegangen sind, dass Fannie und Freddie nicht pleite gehen können, weil der Staat dahinter steht.

Außerdem muss man bedenken, dass die Finanzbranche eine der staatsnähsten Branchen überhaupt ist. Banken sind monopolisierte Lizenznehmer.
 

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Original von Konrad Grimm
Ja, von deutschen Staatsbanken mit Vorliebe.
Nein, mit Vorliebe von im Deregulierungswahn zugelassenen Hedgefonds und SIVs.
Und unter anderem deswegen, weil alle Marktteilnehmer davon ausgegangen sind, dass Fannie und Freddie nicht pleite gehen können, weil der Staat dahinter steht.
Nein, gekauft wurden die Kredite, weil die Kredite durch die bis zuletzt hohen Immobilienpreise gesichert erschienen. Und verkauft wurden sie, weil man dadurch die Eigenkapitalanforderungen umgehen konnte.
 

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Original von Montgomery Scott
Da hat der Herr Dr. Fest sich aber große Mühe gegeben, die bösen Sozialisten als Verursacher der Krise hinzustellen. Die Sache ist aber schon noch etwas komplizierter.
Sollte das ein Ausdruck der Erkenntnis sein, dass man mit gegenseitigem Schlagwörter-Austausch nicht sachlich über die Ursachen diskutiert, gebe ich Dir gerne recht. ;)

Dieses Zitat trifft auf die Verschuldungs-/Finanz-/Kredit-/Inflationskrise meiner Einschätzung nach auch gut zu:

Unsere Fantasie neigt recht gern zur Übertreibung, und dann lasten wir es anderen an, uns um unsere Erwartungen betrogen zu haben.
(Jósef Bohdan Dziekónski)
 

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Rafael van der Linden, Kellner im Café Sonderbar Manuri
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Kaiser

Beitrag von Konrad Grimm »

Original von Montgomery Scott
Nein, mit Vorliebe von im Deregulierungswahn zugelassenen Hedgefonds und SIVs.
Auch De-Regulierung ist Regulierung, womit die Verantwortung wieder bei der Politik liegt.

Für mich ist die Krise ein Versagen der Demokratie. Ausweg bietet nur eine neue Aristokratie. Mit Pareto gesprochen: Dies ist die Zeit, da die Elite der Füchse gestürzt und von einer Elite der Löwen ersetzt werden muss.
 

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