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Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 17:04
von Nikolai Vovocka
Original von Rainer Zufall
In praxi ist es doch wirklich vollkommen unwichtig, ob der Altruismus in re existiert, oder nur ein Hirngespinst ist - oder ist es falsch so zu denken?
Es heißt immer wieder, es sei Tradition in Deutschland, hinter allem den Sinn zu suchen und die Wahrheit, das Echte etc. Gleichzeitig gibt es bei uns auch massenweise Schundromane, volkstümliche Schlager-Sendungen und Herz-Schmerz-Filme, die eine heile Welt vorgaukeln.

Aber zum Thema: Ob es Altruismus tatsächlich geben kann oder nicht spielt schon auch praktisch - nicht nur wissenschaftlich-theoretisch - eine Rolle. Wenn ich weiß, dass alle Menschen, nicht nur die angeblich bösen Egoisten aus Egoismus und Eigenantrieb handeln, kann ich deren Angebote und die "selbstlosen" Taten der selbsternannten Selbstlosen und ihren "altruistisch" erworbenen Heiligenschein besser einschätzen.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 17:05
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Das ist selbstwidersprüchlich. Was macht die Bezeichnung "Egoismus" denn wahrhaftiger? Beides sind immaterielle Denkmodelle, die wir auf die Wirklichkeit anwenden, um das Handeln der Menschen für unseren Verstand fassbar zu machen.
Ist es nicht, denn es ist nachprüfbar, dass alles in der Natur sich egoistisch verhält. Wenn Du selbst hinterfragst, warum Du etwas scheinbar altruistisches tust, dann wirst Du merken, dass es das gute Gefühl BEI DIR ist, dass es Dich tun lässt. Zu behaupten, Du hättest es in Wirklichkeit um das Wohlergehen des Gegenstands Deines Altruismus getan ist Nonsens. Und in der Natur ist es das gleiche. Friss oder werde gefressen, das ist das Spiel des Lebens.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 17:07
von Konrad Grimm
Nachtrag noch zu meiner Antwort auf Sascha:

Tauschangebot - "Geld oder Leben?"
Welch Harmonie der Interessen!

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 17:08
von Nikolai Vovocka
Original von Montgomery Scott
Das ist selbstwidersprüchlich. Was macht die Bezeichnung "Egoismus" denn wahrhaftiger?
Ich handle, ich denke, ich fühle, von Natur aus ist man Person, nicht Gesellschaft. Dass der Mensch trotzdem ein soziales Wesen ist liegt auch nicht an seinem Altruismus, sondern in seiner Natur und dort wieder in seinem egoistischen Antrieb.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 17:31
von Kreittmayr
Original von Konrad Grimm
Tauschangebot - "Geld oder Leben?"
Welch Harmonie der Interessen!
Wo physischer Zwang involviert ist, kann man nicht mehr von einem freien und freiwilligen Tausch sprechen. Du vermischt die Kategorien.

Ein freier und freiwilliger Tausch zeichnet sich dadurch aus, dass die Interessen beider Parteien dadurch gleichermaßen bedient sind. Interessenharmonie.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 17:37
von Konrad Grimm
Original von Kreittmayr
Wo physischer Zwang involviert ist, kann man nicht mehr von einem freien und freiwilligen Tausch sprechen. Du vermischt die Kategorien.
Das ist eine willkürliche Einteilung, der es an wissenschaftlicher Wertfreiheit fehlt. Es ist eine normative Einteilung.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 17:49
von Nikolai Vovocka
Original von Konrad Grimm
Das ist eine willkürliche Einteilung, der es an wissenschaftlicher Wertfreiheit fehlt. Es ist eine normative Einteilung.
Naja, freiwillig ist definiert durch eine willentliche Entscheidung. Dass freiwillige und freie Entscheidungen besser sind als Zwang ist eine normative Definition.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 18:03
von Montgomery Scott
Original von Nikolai Vovocka
Ich handle, ich denke, ich fühle, von Natur aus ist man Person, nicht Gesellschaft. Dass der Mensch trotzdem ein soziales Wesen ist liegt auch nicht an seinem Altruismus, sondern in seiner Natur und dort wieder in seinem egoistischen Antrieb.
Der Mensch handelt von Natur aus nicht egoistisch. Er handelt nach den Anlagen, die ihn - auch im sozialen Kontext - evolutionär überlebensfähig macht. Das ist von vorn herein weder egoistisch noch altruistisch, es kommt auf den Zusammenhang an.

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 18:13
von Nikolai Vovocka
Original von Montgomery Scott
Der Mensch handelt von Natur aus nicht egoistisch. Er handelt nach den Anlagen, die ihn - auch im sozialen Kontext - evolutionär überlebensfähig macht. Das ist von vorn herein weder egoistisch noch altruistisch, es kommt auf den Zusammenhang an.
Na gut, wenn man jegliche Begriffsdefinition beseite lässt ist der Antrieb "eigenes Überleben und Weitergeben der eigenen Gene" weder egoistisch noch altruistisch. ;)

Verfasst: Sa 20. Sep 2008, 20:26
von Montgomery Scott
Nicht nur das, Egoismus ist eine bestimmte Form des Willens und Altruismus ist eine andere. Wille ist nicht per se egoistisch.