Original von Montgomery Scott
Unternehmerisches Know-How ist nur dann wichtig, wenn es im Wettbewerb mit anderem unternehmerischen Know-How steht.
Das ist nicht richtig. Wissen, wie etwas gemacht wird, ist auf jeder Stufe des Produktionsprozesses ganz zentral, vom autark lebenden Bauern, der seine Löffel selber schnitzt, bis hin zum Unternehmer in einer kapitalistischen Austauschwirtschaft, der aufgrund seines Wissens (entweder der Materie selbst oder wo er qualifizierte Experten auftreiben kann) hochkomplexe Massenproduktionsprozesse effizient zu organisieren vermag. Einen Weltkonzern erfolgreich zu leiten (und damit meine ich nicht das Herausschachern von Privilegien vom Staat) erfordert eine ganz ausserordentliche Intelligenzleistung und ein nicht geringes Wissen. Und dieses Wissen ist weitaus komplexer als das des Löffelschnitzers, und gesamtwirtschaftlich gesehen auch weitaus wertvoller als das Wissen, was ein einzelner Fließbandarbeiter von seiner spezifischen Tätigkeit haben mag, da das Wissen des Fließbandarbeiters in seiner Spezialisierung nur operativ werden kann, weil es überhaupt erst einen Bedarf an Fließbandarbeit gibt, wenn als dessen Voraussetzung der Unternehmer da ist mit seinem Wissen, wie ein massenhafter Produktionsprozess effizient zu organisieren sei. Und dieses Wissen wiederum erlangt seinen Wert daher, dass durch einen Massenproduktionsprozess die Bedürfnisse zahlreicher Menschen günstig befriedigt werden können. Daher ist der Unternehmer so reich, und allein deshalb verdient auch der Fließbandarbeiter etwas; und im Vergleich zu dem, was er geistig zur Produktion beiträgt, sogar eine ganze Menge.
Das ist übrigens der Grund, warum Fließbandarbeiter so leicht austauschbar sind, der Wechsel in der Konzerspitze aber über Wohl und Wehe des gesamten Unternehmens entscheiden kann: Es braucht nicht viel, um zu können, was ein Fließbandarbeiter kann. Bei dem, der den ganzen Prozess organisiert und koordiniert, aber schon.
Außerdem ist die Tatsache, dass es einen ungebildeten Arbeiter und einen gebildeten (oder wenigstens halbgebildeten) Unternehmer gibt, Ausdruck einer Arbeitsteilung, die ausschließlich zum Vorteil des Unternehmers praktiziert wird.
Wissen und Können sind keine Dinge, die vom Himmel fallen. Arbeitsteilung gibt es, weil manche Leute bestimmte Dinge besser können als andere. Und weil das so ist, macht jeder, was er am Besten kann, und man arbeitet dann zusammen, um die gegenseitigen Bedürfnisse kostengünstiger und reichlicher befriedigen zu können. Arbeitsteilung nützt allen Beteiligten, nicht nur dem Unternehmer. Der Unternehmer profitiert, wenn er gut ist, in besonderem Maße nur deshalb, weil er - aus der Perspektive der Käufer und Konsumenten - mehr und wichtigeres kann (und sich geistig hart angestrengt hat, es zu lernen), als der ungebildete Arbeiter.
So much for Economics 101.
Zuletzt geändert von Kreittmayr am Di 29. Jul 2008, 20:30, insgesamt 1-mal geändert.