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Verfasst: So 6. Jul 2008, 21:55
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Was die Frage nicht beantwortet, warum Du Dich auf ihre Seite stellst.
Mag ja sein, dass viele zu Sklaven sozialisiert werden - aber das macht doch nichts. Warum fühlst Du Dich berufen, ihre Ketten zu lösen?
Naja, wirklich begründen kann und muss man das denke ich nicht, dass man bestrebt ist, die Welt positiv zu verändern.
Ach, die Oberschicht... das sind doch selbst so oft nur die eifrigsten der Sklaven!
Stimmt aber man ist eben immer beides in einem gewissen Maße: Sklavenhalter und Versklavter. und bei den Unteren liegt das Gleichgewicht sehr stark auf letzterem, bei den Oberen auf dem ersteren Aspekt.
Dass die Schafe nicht merken, dass sie Schafe sind, beweist letztlich doch am besten - ihr Schafsein.
Noch viel mehr beweist es, dass sie wie Schafe gehalten werden.
Wir sind auch von Natur aus ungleich, ungleich begabt, stark, intelligent. Wir sind von Natur aus mit ungleichem Vermögen ausgestattet. Ja: Die Sozialisation verstärkt das noch. Aber was soll's, da Gleichheit doch per se nicht erreichbar ist.
Wir sind nicht völlig gleich, nichts ist völlig gleich. Quantitativ wie qualitativ. Die Frage ist aber, ob wir uns als
gleichwertig begreifen.
Ja, das sagt ja Stirner eben auch. Ebenso wie die ganz richtige Aussage, dass Reichtum die Schuld der Armen ist, die ihn dulden.
Letztendlich ja. Aber die Ideologie einer Gesellschaftsform dringt eben in die Köpfe der Menschen ein und benebelt sie, um es mal überspitzt zu sagen.
Allein: Was schert mich denn die Sache der Armen? Und warum machst Du Dich zum Anwalt der Lämmer? Sei doch lieber selbst Löwe!
Dafür kann es natürlich keine letzte Begründung geben. Gegen Asozialität kann man nicht argumentieren.
Verfasst: So 6. Jul 2008, 22:21
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Naja, wirklich begründen kann und muss man das denke ich nicht, dass man bestrebt ist, die Welt positiv zu verändern.
Mich würde auch mehr eine psychologische als eine ethische Begründung interessieren.
Außerdem ist Dein Streben in dieser Hinsicht vergeblich. An den Grundtatsachen von Ungleichheit, Herrschen und Beherrschtwerden, an der "Unvermeidbarkeit von Herrschaft" (Dahrendorf) wirst Du nichts ändern. Ich meine - tu, was Du nicht lassen kannst.
Verfasst: So 6. Jul 2008, 23:00
von Montgomery Scott
Original von Konrad Grimm
Mich würde auch mehr eine psychologische als eine ethische Begründung interessieren.
Ein intersubjektives Verständnis von Werten ist das grundlegende Zeichen von Kultur.
Außerdem ist Dein Streben in dieser Hinsicht vergeblich. An den Grundtatsachen von Ungleichheit, Herrschen und Beherrschtwerden, an der "Unvermeidbarkeit von Herrschaft" (Dahrendorf) wirst Du nichts ändern. Ich meine - tu, was Du nicht lassen kannst.
Das ist schlicht falsch, so wie Du es ausdrückst. Es ist eine Tatsache, dass die Welt für den Menschen fairer und lebenswerter wird. Vergleiche mal das Leben eines Leibeigenen im Mittelalter mit dem eines Durchschnittsbürgers heute. Und da willst Du mir sagen, es ändert sich nichts?
Verfasst: So 6. Jul 2008, 23:18
von Konrad Grimm
Ich habe von den Grundtatsachen gesprochen. Und nein, die haben sich nicht geändert. Wobei ein Leibeigener vielleicht noch das lebenswertere Leben hatte im Vergleich zum heutigen Hartzi.
Verfasst: So 6. Jul 2008, 23:37
von Montgomery Scott
Du möchtest sagen, insbesondere durch die Entstehung des bürgerlichen Verfassungsstaates hat sich die Intensität, mit der Unterwerfung und Ausbeutung von statten geht, nicht verringert?
Verfasst: Mo 7. Jul 2008, 00:22
von Konrad Grimm
Was hat sich denn verändert?
Verfasst: Mo 7. Jul 2008, 00:44
von Montgomery Scott
Das Bürgertum hat sich emanzipiert, indem es die Rechte eingefordert hat, die ihre Unterdrückung durch den Adel beendeten. Als Ergebnis ist der Adel langfristig praktisch verschwunden.
Verfasst: Mo 7. Jul 2008, 00:51
von Konrad Grimm
Das sehe ich nicht so. Richtig ist, dass sich die Herrschaftsstrukturen verändert haben. Haben sie in der Geschichte immer mal wieder, aber vom Grundsatz bleibt alles, wie es ist.
Verfasst: Mo 7. Jul 2008, 01:59
von Montgomery Scott
Das denke ich wiederum nicht. Natürlich wiederholt sich die Geschichte immer irgendwie. Aber dass sich bestimmte Dinge verändern, ist doch unübersehbar. Nach Deiner These dürfte so etwas wie Emanzipation gar nicht stattfinden.
Verfasst: Mo 7. Jul 2008, 08:41
von Konrad Grimm
Original von Montgomery Scott
Nach Deiner These dürfte so etwas wie Emanzipation gar nicht stattfinden.
Richtig.