Ich glaube um ehrlich zu sein nicht, dass der derzeit im Unionsparlament vorliegende Verfassungsvorschlag auch nur im Ansatz geeignet ist, die DU dauerhaft am Leben zu erhalten.
Denn dieser erschüfe bloß einen Einheitsstaat mit Einkammerparlament und von diesem abhängiger Exekutive. Oder in anderen Worten: das so ziemlich simpelste politische System, das man sich denken kann. Wen soll das im Jahre 2016 noch hinter dem Ofen hervorlocken?
Demgegenüber sind in den letzten rund 15 Jahren höchst interessante Mikrokosmen innerhalb der DU entstanden:
Imperia, das gefallene Weltreich, das seiner ruhmreichen Vergangenheit nachtrauert. Roldem, die Adelsrepublik mit angelsächsischem Charme. Die klimatisch paradiesischen und multiethnischen, politisch aber alles andere als harmonischen Westlichen Inseln. Das kulturell eigensinnige Freistein als nicht minder stolzer Gegenpol gegen Imperia. Heroth, das Land wo sich südländisches Dolce Vita und radikaler politischer Aufbruch treffen. Das unter einer rauen und spröden Oberfläche eigentlich doch überaus kultivierte und anheimelnde Katista. Und Salbor - wo es eine Kultkneipe namens "Den Gamla Krog" gab.
Man kann das nun alles rasieren, um eine Art "Ratelon 1998" wiederzuerrichten, das auch mit einer einstelligen Anzahl Mitspieler leidlich funktionieren würde. (Wobei angemerkt werden sollte, dass es bei der ersten Parlamentswahl in Ratelon immerhin sogar 23 Wahlberechtigte gab!) Aber wie und warum sollte dieses "Ratelon 1998" in den Jahren 2016 ff. wieder wachsen und gedeihen?
Echte Spannung, die Wachtumspotenzial bietet, liegt in einem gänzlich anderen Modell:
Die Demokratische Unin wird von einem Bundesstaat zu einem Staatenbund umgewandelt.
Dessen oberste Organe sind:
- Ein Unionsrat als Versammlung von Delegierten der Mitgliedstaaten und gesetzgebende Gewalt;
- ein Unionspräsidium als vom Unionsrat bestellte ausführende Gewalt;
- ein vom Unionsrat gewählter Unionsgerichtshof als rechtssprechende Gewalt.
Dieses System braucht minimal nicht mehr als eine reale Person je Mitgliedsstaat. Sind es weniger, können die Sitze verwaister Mitgliedsstaaten auch vorübergehend vakant bleiben.
Die simulative Spannung entsteht aus folgendem: Die ethnisch, sprachlich, kulturell und religiös verschiedenen Mitglieder des Staatenbundes haben sich zu eben diesem - einer Verteidigungs-, Wirtschafts-, Währungsunion u. a. - zusammengeschlossen, weil sie wissen, dass sie allein nicht überlebensfähig wären. Nicht allen von ihnen schmeckt diese Erkenntnis, und sie sind auch nicht alle untereinander unbedingt Freunde. Aber sie brauchen einander, was sie wiederum nicht daran hindert, ihren Bund jeder für eigene Zwecke nutzen zu wollen.
Das erzeugt Spannung, die Lust macht, hier mitzuischen. Und nicht:
"Wir debattieren hier über allgemeine politische Themen, und wählen dabei regelmäßig einen Klassensprecher." So was war eben 1998.
