Seite 2 von 2
Verfasst: Mi 4. Mai 2011, 12:34
von Carmen I.
Du vergisst, dass ich in zweierlei Hinsicht involviert bin und mich gegen die Pauschalierung gewehrt habe, dass das Elternhaus versagt hat, wenn die Kinder nicht so sind, wie man oder die Gesellschaft sich das vorstellt.
Was ist denn "Erziehung" eigentlich? Gibt es dafür eine praktische Anleitung? Welchen und wie viel Einfluss hat das Umfeld auf die Erziehung? Wann hat sie versagt?
Das ist wirklich ein Thema, über das man sich tot debattieren kann und man letztendlich doch immer nur den Einzelfall sehen muss. Zitate aus Statistiken, wissenschaftlichen Erhebungen sind da wenig hilfreich.
Verfasst: Mi 4. Mai 2011, 16:38
von Tony Gold
Ich sehe leider auch immer öfter, dass immer mehr Eltern nicht in der Lage sind, ihre Sprösslinge unter Kontrolle zu halten. Wenn ich 13jährige, die sich im wahrsten Sinne des Wortes "ins Koma" gesoffen haben, sehe, und ihre 12jährigen Freundinnen, für die das schon regelrechter Alltag geworden zu sein scheint, muss ich mich wirklich fragen, was teilweise abgeht. Ich bin ja nun selbst erst 18, habe dadurch einen ganz guten Blick auf die "Kids" (sowohl in der Schule als auch durch meine Tätigkeit in der Notfallrettung dann, wenn die eben nicht mehr aufstehen können) und muss schon sagen es ist schockierend wohin sich unsere Jugend entwickelt. Aber da kann man nichtmal ein "Versagen der Eltern" verantwortlich machen - viel eher den verdammt großen Einfluss der Medien, in denen Alkoholkonsum als "cool" gilt, der ständige Wechsel von Geschlechtspartnern als Standard und das "Ausprobieren" von Drogen als zur Jugend gehörig. Und die Kids, die das was sie in den Medien sehen für gut befinden, landen letzlich bei mir, mit ner Nadel im Arm durch die Salzwasser in ihre Venen fließt und in einem Auto mit blinkendem blauen Licht auf dem Weg ins Krankenhaus. Und die Zahl dieser Kids steigt immer weiter, das Alter sinkt dagegen. Wirklich bitter, aber absolut nicht die Schuld der Eltern, dass die Jugend immer weiter entgleist.
Verfasst: Mi 4. Mai 2011, 18:14
von Heinrich Julius von Jagonburg
Wirklich bitter, aber absolut nicht die Schuld der Eltern, dass die Jugend immer weiter entgleist.
Es geht hierbei gar nicht ums entgleisen. Es geht darum, dass der Transfer von Erziehungsleistungen nicht wegzuerklären ist. Aber bleiben wir bei deinem Alkoholbeispiel. Die Jugend soll einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol erlernen, ob die Eltern in der Lage sind ihnen denen zu vermitteln, sei mal dahingestellt. Also was macht man? Alkohol- und Drogenprävention! Und wo? Natürlich in der Schule.
Und ich frage mich einfach: Warum zur Hölle sollte die Schule Jugendlichen den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol oder Drogen beibringen? Was sollen wir denn noch alles übernehmen, das darf einfach nicht Aufgabe der Schule werden. Ich fände es ja sogar noch vom Erziehungsauftrag der Schule gedeckt, wenn man einzelnen Ausscherern, die da vom Elternhaus so gar nichts mitbekommen haben diesbezüglich "Nachhilfe erteilt", aber gleich ALLE?
Verfasst: Mi 4. Mai 2011, 18:53
von Hajo Poppinga
Ein Kind gehört durch die Eltern erzogen, die Schule hat einen Bildungs- und keinen Erziehungsauftrag. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
Problematisch ist es nur dann, wenn die Eltern dieser Pflicht nicht nachkommen und ihr Recht nicht wahrnehmen; es ist fast unmöglich Modelle zu finden, mit denen man die Defizite einiger Elternhäuser (oft, um im Bild zu bleiben, kein Haus mehr, sondern nur noch eine Haushälfte) auffängt ohne diejenigen einzuschränken, die ihr Recht und ihre Pflicht gewissenhaft ausfüllen.
Verfasst: Do 5. Mai 2011, 08:20
von Heinrich Julius von Jagonburg
die Schule hat einen Bildungs- und keinen Erziehungsauftrag.
Das ist - zumindest rechtlich - nicht richtig. Es ist einfach nur die Frage wie umfassend man den schulischen Erziehungsauftrag auslegt. Und ich bin der Meinung, dass man ihn so eng wie möglich fassen sollte.
Verfasst: Sa 7. Mai 2011, 02:07
von Carmen I.
:rolleyes:
Nee, das ist keine Diskussion für mich, schon gar nicht mit Leuten, die keine praktische Erfahrung mit "Erziehung von Kindern" haben. Das ist nämlich in der Theorie alles schön und gut, aber praktisch......
Ich weiß, dass wir als Eltern unseren "Auftrag wahr und ernst genommen" haben, aber leider ist da auch nicht alles so gelaufen, wie wir uns das gewünscht und erhofft und eigentlich auch drauf hin gearbeitet haben. Es ist also auch problematisch, wenn die Eltern ihrer Pflicht nachkommen, Herr Poppinga.

Verfasst: Sa 7. Mai 2011, 15:56
von Hans Sack
Allgemein denke ich das es schwer ist Erziehung zu definieren und bin der Meinung das man die handlung eines Jugendlichen keinenfalls als versagen der Eltern auslegen kann. Denn erziehung, das ist nicht nehr als das vermitteln von werten und guten ansätzen. Der Jugendliche gerade um die 14 ist nuneinmal auch nichts anderes als ein Mensch und somit ein Subjektieves Individuum. Welche schlüsse der Mensch aus dem ihm vermittelten zieht und wie er das ergebniss dann umsetzt liegt schlicht beim besagten Individuum selbst. Ich denke es ist Generell falsch die entscheidungen des Jugendlichen auf die Eltern zu lasten, denn obgleich ob sie ihre Erzieherischen Pflichten wahrnehmen, werden sie niemals ein ergebniss erzwingen können.
"Menschen sind wie Würfel, wir werfen uns in unsere Leben, man kann selbst entscheiden in welche Richtung."
@Gold
Original von Tony Gold
Ich sehe leider auch immer öfter, dass immer mehr Eltern nicht in der Lage sind, ihre Sprösslinge unter Kontrolle zu halten. Wenn ich 13jährige, die sich im wahrsten Sinne des Wortes "ins Koma" gesoffen haben, sehe, und ihre 12jährigen Freundinnen, für die das schon regelrechter Alltag geworden zu sein scheint, muss ich mich wirklich fragen, was teilweise abgeht. Ich bin ja nun selbst erst 18, habe dadurch einen ganz guten Blick auf die "Kids" (sowohl in der Schule als auch durch meine Tätigkeit in der Notfallrettung dann, wenn die eben nicht mehr aufstehen können) und muss schon sagen es ist schockierend wohin sich unsere Jugend entwickelt. Aber da kann man nichtmal ein "Versagen der Eltern" verantwortlich machen - viel eher den verdammt großen Einfluss der Medien, in denen Alkoholkonsum als "cool" gilt, der ständige Wechsel von Geschlechtspartnern als Standard und das "Ausprobieren" von Drogen als zur Jugend gehörig. Und die Kids, die das was sie in den Medien sehen für gut befinden, landen letzlich bei mir, mit ner Nadel im Arm durch die Salzwasser in ihre Venen fließt und in einem Auto mit blinkendem blauen Licht auf dem Weg ins Krankenhaus. Und die Zahl dieser Kids steigt immer weiter, das Alter sinkt dagegen. Wirklich bitter, aber absolut nicht die Schuld der Eltern, dass die Jugend immer weiter entgleist.
Also das ist doch nun aber etwas zu Pauschal.
1. Die sache mit dem Komasaufen ist eine andere als die mit der Jugend gewalt (und jetzt nicht das Märchen, die waren da alle bei besoffen). Das hat doch noch bedeutend andere Gründe. Das mit dem Alkohol ist viel ehr ein Problem fehlender sinnvoller aufklärung, denn es findet faktisch keine statt. Wenn die Eltern sich nicht daraum kümmern und die kinder in der Schule "aufgeklärt" werden, ist es sogar noch schlimmer. Denn in der Schule wirt dann nichts gemacht außer auf die Risiken von Alkohol zu verweisen und zu versuchen den Schülern einzureden das es das beste ist wenn sie überhauptnichts trinken, was natürlich wenig sinn hat und nicht einmal ansatzweise etwas über den verantwortungsbewussten und Maßvollen genuss von Alkohol vermittelt.
2. Das mit dem ausprobieren ist tatsächlich eine normalität der Jugend, das betrifft auch diverse Drogen. Ich selbst bin jetzt 19 und kann rückblickend sagen, das ich das meiste mal ausprobiert hatte. Also sprich ich hatte in meiner 14-16 Jahren so manchen Joint geraucht, mit Psychodelika experimentiert (widerliches ergebniss) und auch mal ne line Koks gezogen. Und Trotzdem bin ich heute kein Junkie und habe 80% der substanzen nach dem ersten mal niewider angefasst. Das ausprobieren ist nicht das Problem, jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Es geht viel mehr darum das dem Jugentlichen vorher ein gesunder Rahmen zum thema maß und eigene grenzen vermittelt wurde. In meiner Jugend herrschte Erzieherisch das Motto "Nicht verbieten, sondern Erklären." und das hat mir in meinerm Leben so manches mal geholfen.
3. Um noch einmal auf deine Ausführung zurück zu kommen: Was in aller Welt hat freier Sex mit verschiedenen Partnern, mit einer Alkoholvergiftung zu tuen ? Also ich war und bin der Meinung das Sex und "Liebe" zwei von einander völlig Unabhängige dinge sind und das führte meines Wissens im Normalfall noch nie zu Verbrechen, oder Alkoholvergiftungen.
Aber gut ich will mich bei solchen sachen auch nicht zuweit aus dem fenster lehnen, schließlich hielt ich mich glücklicherweise stets von jeder form widerlicher Jugendkultur fern und war wohl meinen leb tag lang nie ein teil des Sozialen Lebens meiner Generation. Mein Spektrum bezüglich Jugendfragen ist also etwas begrenzt.