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Verfasst: Do 17. Feb 2011, 21:54
von Anastasia von Metternich
Das ist doch lächerlich. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland läuft, aber an meiner Uni werden alle schriftlichen Arbeiten durch ein automatisches Prüfprogramm gejagt, dass sie mit frei zugänglichen Quellen im Internet, Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und einem riesigen Datenbestand von Büchern* vergleicht. Ähnliche und identische Formulierungen werden dann dem Prüfer angezeigt, sodass dieser die Art der Übereinstimmung feststellen und gegebenenfalls intensiver prüfen kann. Das muss doch in Deutschland auch möglich sein?

*) Zugegebenermaßen dürften weitaus mehr englisch- als deutschsprachige Werke gescannt worden sein. Die Zeit hatte mal einen Artikel dazu, wie weit Deutschland bei der Digitalisierung hinterher hinkt.

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 21:58
von Bernardo Macaluso
Ich halte das ja schon für ein dickes Ei. Nach allem, was ich gelesen habe, scheint Guttenberg da eine inhaltlich recht dürftige DIssertation anhand dessen zusammengestückelt, was er inhaltlich (und z. T. eben auch wörtlich) über Google zu dem Thema gefunden hat. Dabei hat er zentrale Stellen seines Textes per Copy+Paste mit Texten anderer Autoren gefüllt, d. h. da fehlen auch nicht einfach nur Anführungszeichen und Fußnoten sondern da hat Guttenberg statt seiner Eigenleistung die Leistungen anderer eingefügt. Und die Prominenz des Autors hat die Gutachter dann noch zu einer überschwänglichen Bewertung bewegt, obwohl mehre kompetente Leser zu dem Schluss gekommen sind, die Arbeit sei wenig gehaltvoll.

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:16
von Palin Waylan-Majere
Der Postillon hat auch was dazu.

Schön:
"Der Verteidigungsminister hat inzwischen Konsequenzen gezogen und den Verfasser der Doktorarbeit fristlos entlassen. Sobald er einen neuen, geeigneteren Ghostwriter gefunden hat, wird dieser eine wissenschaftlich korrekte Doktorarbeit nachreichen."

:D

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:20
von Klaus Quistorp
Original von Anastasia von Metternich
Das ist doch lächerlich. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland läuft, aber an meiner Uni werden alle schriftlichen Arbeiten durch ein automatisches Prüfprogramm gejagt [...]
Wie futuristisch. ;) Die Realität in Deutschland ist die, dass gerade Professoren älteren Semesters sich bei der Plagiatserkennung ausschließlich auf ihren Spürsinn stützen - für die ist EDV eine fremde, unbegreifliche Welt. Glaub mir, ich bin jetzt lange genug an einem Lehrstuhl tätig und hatte bis vor kurzem noch einen (inzwischen emeritierten) Chef eben jenes Typus'.

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:32
von Palin Waylan-Majere
Ja, da gibts sehr unterschiedliche Typen. Mein Mittelalter-Prof, obwohl schon kurz vorm Ruhestand, rennt dauernd mit seinem Macbook rum und verschickt seine Texte für Übungen und Seminare selber.
Ein anderer Prof vermittelt den Eindruck, dass er gerade noch so weiß, wo der Rechner einzuschalten ist.

Ich denke nicht, dass Guttenberg zurücktritt. In irgendeinem Blogkommentar hat auch jemand wieder seine Tätigkeit in "einem mittelständischen Unternehmen" herausgekramt. Dieses Unternehmen war seine eigene Vermögensverwaltung. Hat ja auch keinen wirklich gestört.

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:33
von Anastasia von Metternich
In der Tat schön.

Aber noch mal zur Diskussion selbst. Ich weiß nicht, ob das ein in Deutschland verbreitetes Gefühl ist, aber eines stört mich an dieser Diskussion: Die Opposition könnte jetzt ohne einen einzigen Sieg gewinnen. Sie hat es in zwei Jahren nie geschafft, Guttenberg auf irgendeiner Ebene - Argumente, Alternativen, Emotionen - auch nur einen Kratzer zuzufügen. Sie hat es versucht und sich dabei meistens so dämlich wie eine Fledermaus bei Sonnenschein angestellt. Ich mochte (und mag) den Guttenberg; nicht zuletzt, weil ihm das unsägliche Provinzielle fehlte, das bei deutschen Politikern zum Standardrepertoire gehört.

Natürlich ist das Betrügen im Akademischen nicht in Ordnung und dass er betrogen hat (ob nun selbst oder mit einem Ghostwriter), halte ich für eindeutig. Aber er wurde nicht Wirtschafts- oder Verteidigungsminister, weil er einen Doktortitel hatte. Und damit sollte die Diskussion um seinen Verbleib im Amt wieder auf die Felder zurückkehren, auf denen man ihn in den letzten zwei Jahren nicht schlagen konnte (sei es nun Adelstitel, Auftreten oder sonstwas).

Am Rande: Ich weiß nicht, ob hier jemand den Sprengsatz von Michael Spreng liest. Jedenfalls bewahrheitet sich, was Spreng als ehemaliger BamS-Chefredakteur seit Monaten vorausgesagt hat: Irgendwann wird der publizistische Wind sich gegen Guttenberg drehen und weil er so lange so günstig für ihn stand, wird er ihm danach umso heftiger ins Gesicht wehen. Das ist nun keine wirkliche Neuigkeit, insofern war es mir seit geraumer Zeit unklar, warum Guttenberg seine riskante PR-Strategie mit unverminderter Stärke fortgesetzt hat, statt mal ein wenig Ruhe einkehren zu lassen.

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:37
von Anastasia von Metternich
Original von Klaus Quistorp
Wie futuristisch. ;) Die Realität in Deutschland ist die, dass gerade Professoren älteren Semesters sich bei der Plagiatserkennung ausschließlich auf ihren Spürsinn stützen - für die ist EDV eine fremde, unbegreifliche Welt. Glaub mir, ich bin jetzt lange genug an einem Lehrstuhl tätig und hatte bis vor kurzem noch einen (inzwischen emeritierten) Chef eben jenes Typus'.
Aber warum? Das hiesige Programm kann jede Uni kaufen, da muss der Professor keinen Finger krümmen (theoretisch; praktisch sind die Professoren hier zur Nutzung des Internets verpflichtet, um z.B. Skripte, Präsentation etc. online zur Verfügung zu stellen).

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:38
von Lord Macshire
Original von Klaus Quistorp
Nicht von ungefähr werden Plagiate oft erst Jahre später und durch Zufall aufgedeckt,..
Also irgendwie glaube ich hier ja weniger an Zufall, sondern an eine sehr zielgerichtete Recherche, nur um irgendwas zu finden, um den Verteidigungsminister ans Bein zu pinkeln.

Kurzer Einwand an den Threadersteller: In Deutschland heißt es Verteidigungsministerium. Ein Kriegsministerium gab es in der BRD nie.

Naja, irgendwie ist das ganze ziemlich lächerlich, als ob Deutschland sonst keine Probleme hat, daß sich alle nun hierauf stürzen. Und warum jemand deswegen sein Amt abgeben sollte, kann mir auch keiner erklären, typische oppositionelle Haltung eben. Er soll seinen Doktortitel aberkannt bekommen, wenn das so ist, aber mehr nicht.

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:39
von Anastasia von Metternich
Original von Lord Macshire
Also irgendwie glaube ich hier ja weniger an Zufall, sondern an eine sehr zielgerichtete Recherche, nur um irgendwas zu finden, um den Verteidigungsminister ans Bein zu pinkeln.
Glaube ich bei der Quelle für den ursprünglichen Hinweis nicht (die Kritische Justiz ist immerhin eine respektierte Fachzeitschrift; die setzen ihren Ruf nicht für politische Kampagnen aufs Spiel).

Verfasst: Do 17. Feb 2011, 22:43
von Lord Macshire
Ich kann mir nicht vorstellen, daß da ein Redakteur einfach mal aus reiner Lust und Laune und Recherchelust sich die Doktorarbeit vom Guttenberg durchgelesen hat und dann das auch alles noch verglichen hat.