Verfasst: Mi 30. Dez 2009, 12:20
Ich bitte Sie doch, Herr Heen, diese Polemik zu unterlassen. Diese bringt uns nichts. Natürlich muss weiter gewählt werden und durch weniger Sitze benötigt man mehr Stimmen, um in das Parlament eintreten zu dürfen. Das von Ihnen geschilderte Problem tritt gar nicht auf. Wäre dem so, wäre es ja höchst unökonomisch mit Listen anzutreten, wenn jeder als Einzelkandidat doch viel mehr Chance mit einer eigenen Liste hätte, ins Parlament einzutreten. Ich denke, mit einem kleineren Parlament könnte man auch eine weitere Fliege mit derselben Klappe schlagen, indem das Parteiensystem der Union wieder integriert werden müsste. Das i-Tüpfelchen wäre die Einführung des D'Hondtschen Auszählungsverfahrens zu Gunsten des Sainte-Laguë-Programms, wie es jetzt ausgeführt wird.Original von Michael Heen
Wenn wir das Unionsparlament noch weiter verkleinern, können wir auch bald die Wahlen sparen, weil dann alle Parteien, unabhängig von ihrem wahlergebnis mit einem Mandat im Parlament vertreten sein werden. Ob eine solche Nivellierung sinnvoll ist, wage ich sehr stark zu bezweifeln.
Also, ganz ehrlich, ich habe Probleme mit Ihrer Mentalität. Die Union ist doch nicht dazu da, Politikerinnen und Politikern gutbezahlte öffentliche Ämter und Mandat einzubringen. Dazu sind doch Wahlen gerade da, Volkes Wille auszudrücken. Wenn aber ohnehin jeder in Amt und Mandat kommt, dann, und nicht etwa, wenn das Parlament verkleinert wird, brauchen wir keine Wahlen mehr. Und wer bei Wahlen durchfällt und sich dennoch ernsthaftengagieren will, soll dann auf Landes- und kommunale Ebene zurückgreifen. Das ist kein Verordnen, sondern demokratische Kultur, wer legitimiert durch Wahl das Wahlvolk vertreten darf. Die Frage, die man sich stellen muss, ist doch die, wie viel Personal die Union wirklich braucht, um ihre Aufgaben zu bewältigen. Das wäre der richtige Ansatz und nicht das Pferd von hinten aufzuzähmen, wie Sie es versuchen, zu schauen, wer fordert ein Amt ein und dann basteln wir eines um ihn herum, nein, Herr Heen, Sie machen da gerade einen kapitalen Fehler.Original von Michael Heen
Probleme habe ich auch mit der Mentalität: wir streichen auf Unionsebene Ämter und dann haben sich diejenigen, die auf der Unionsebene nicht zu Zuge gekommen sind, sich gefälligst auf Landesebene zu engagieren. Was ich damit sagen will: man kann so etwas nicht verordnen, denn schließlich sind die Bürger keine Leibeigenen, denen man nach Bedarf und Belieben Aufgaben zuweist oder entzieht.
Aber Herr Heen, das ist Demokratie. Dass sich jemand engagieren will, heißt doch noch lange nicht, dass er auch ein Amt bekommt. Bei solch wichtigen Ämtern, die Wohl und Wehe von Nationen bestimmen, dann ist es doch nur richtig, dass das Volk als Souverän entscheidet. Wenn es Kandidatinnen und Kandidaten nicht als geeignet empfinden, dann lehnt es sie ab. Ob das ganze klug ist, steht auf einem ganz anderen Papier, das ist aber nicht den Ländern genuin. Nur weil andersherum vielleicht auf Unionsebene Politikerinnen und Politiker gewählt werden, bedeutet das noch lang nicht, dass das klug ist. Und genau aus diesem Grund gibt es auch Meinungs- und Parteipluralismus.Original von Michael Heen
Was die Länder attraktiv macht, ist aber nicht nur deren Gesetzgebungskomptenz, sondern auch die politische Kultur und der Umgangston, der dort herrscht. Ich will es am Beispiel Katistas verdeutlichen: Bevor Kaulmann zum ersten mal zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, scheiterte eine Kandidatur von Frau Bont drei oder vier mal, obwohl kein Gegenkandidat angetteten ist. Da war schon jemand willens, aktiv zu werden, und trotzdem wurde es ihr verwehrt.
Und was wollen Sie damit sagen? Dass das Volk Katistas zu blöd ist? Bitte, dann sagen Sie das Bürgerinnen und Bürgern.Original von Michael Heen
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Nun ja, das ist nicht wirklich ein Argument, auf der von Ihnen als Landespolitiker(!) so verehrte Unionsebene hat es auch seit Jahren nicht geschafft, ein aktuelles Gesetzesarchiv zu erhalten.Original von Michael Heen
Selbst das Gesetzarchiv umfasste neben der Verfassung gerade mal ein oder zwei Gesetze. Alle anderen mussten masn mühsam im Gesetzblatt suchen.
Natürlich muss die Politik attraktiv sein, damit sich Menschen in ihr engagieren, die Frage ist aber die nach dem Selbstverständnis der Länder. Wollen sie nur einfache Verwaltungseinheit sein oder Staat machen? Und dazu brauchen Sie Politikerinnen und Politiker, die sich dort einbringen. Der Zeigefinger geht von den Ländern auf die Union und viel öfter noch von der Union gen den Ländern.Original von Michael Heen
Kurz gesagt: die Länder haben es selbst in der Hand, ob sie attraktiv genug sind, dass sich Menschen in ihnen engagieren wollen. Mit dem Zeigefinger auf die Union zu zeigen ist billig und lenkt vom eigenen Unvermögen haben - das sage ich übrigens als Ministerpräsident eines Unionslandes.
Die Frage ist aber die: Was wollen Sie? Sie argumentieren als Landespolitiker(!) hier gegen den Föderalismus à la die Länder seien ja ohnehin zu blöd. Ja, dann bringen Sie doch einen Antrag im Unionsrat ein, den Föderalismus einzustampfen, wenn er doch ohnehin nichts bringt. Dann haben Sie allerdings auch Ihr Amt gehörig missverstanden und seinen Sinn verfehlt.
Ich bin, das möchte ich nochmal betonen, eine Politikwissenschaftlerin und das waren meine Vorschläge, nicht als Politikerin, die ich kaum bin, sondern als Wissenschaftlerin. Dass gerade die Politiker, die ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben, wenig an dieser Situtation ändern wollen, das zeigt sich immer und immer wieder und das ist für meine Wissenschaftlerloge auch nichts ungewöhnliches.