Original von Hajo Poppinga
Stimmt nicht so ganz. Die Spielleitung gab es schon recht früh, aber war praktisch nicht relevant. Von Anfang an war Patrick Jedamzik mit dabei, zum ersten Mal habe ich davon erfahren, als irgendwann Peter Reinhard bzw. eben TB nachnominiert wurde. Das Gremium hat sich damals noch seine Mitglieder selbst gewählt, ist aber praktisch auch nie in Erscheinung getreten.
Okay, dann gab es eben auf dem Papier eine Spielleitung, aber entscheidend ist ja meines Erachtens, dass jahrelang - während der besten Jahre Ratelons, übrigens - keine Spielleitung
tätig war, und das Spiel auch keinesfalls schlechter funktioniert hat als heute. Es wurde eine aktive Spielleitung geschaffen um Probleme zu lösen, die es tatsächlich nie gegeben hatte.
Original von Fiete Schulze
Allerdings lassen sich halt gewisse Dinge schwer simon regeln, wenn sie denn im Sim-Off-Forum passieren...wie der GF-Streit oder halt die Ereignisse der letzten Wochen.
Ich sehe offen gesagt nicht, warum man Fragen wie z. B. die Eintragung Ratelons auf einer micronationalen Weltkarte nicht simulationsintern regeln kann. Die OIK als älteste Kartenorganisation der deutschsprachigen MNs etwa ist aus dem BIK hervorgegangen, dass der UVNO unterstand, war also klar eine simulationsinterne Institution. Und auch die OIK war in ihren Anfängen, nach der Trennung von der UVNO, simulationsintern, hatte z. B. einen Sitz in der micronationalen Welt, nämlich Arcor City. Die GF war übrigens auch simulationsintern und hatte auch einen Sitz in der micronationalen Welt, in Aldenroth in Albernia.
Das einzige Argument dafür, z. B. Weltkarten in die Simulationsexterne zu verlagern, ist immer, dass es "unrealistisch" sei, wenn plötzlich Staaten von der Karte verschwänden, neue hinzukämen usw. Dazu kann man eigentlich nur sagen, dass die Micronationen bei aller Ernsthaftigkeit, mit der man sie schon bespielen muss um wirklich und dauerhaft Spaß haben zu können, letztlich nun mal Fantasiegebilde in einer Fantasiewelt sind und bleiben, in der gewisse Dinge eben anders sind als in der Realität.
Das beste Argument ist aber meines Erachtens einfach die Bewährung: jahrelang war Ratelon auf einer von einer simulationsinternen Institution geführten Weltkarte eingetragen, waren Einbürgerung, Ausbürgerung wegen Inaktivität, Ahnung von Mehrfachanmeldungen usw. simulationsintern geregelt, und es hat immer vollständig zufriedenstellend funktioniert. Man könnte sagen, erst als die Fantasie in Ratelon und wohl den Micronationen allgemein in die Krise geriet, breitete sich dieser Tick aus, alles streng "simulatorisch korrekt" regeln zu müssen. Irgendwelche Veränderungen zum Besseren hat das erweislich nicht gebracht.
Die ratelonische Unionsverfassung schafft eigentlich alles, was das Spiel braucht, um als demokratisch organisierte Gemeinschaft bestmöglich zu funktionieren: ein in allgemeinen, freien, gleichen und geheimen Wahlen bestimmtes Parlament, eine Vertretung der Länder als Teile der Simulation, ein in allgemeinen, freien, gleichen und geheimen Wahlen bestimmtes Staatsoberhaupt, eine dem Parlament verantwortliche Regierung und eine unabhängige Rechtssprechung. Es ist für mich nicht erkennbar, welche das Spiel betreffende Frage oder welches Problem diese Institutionen nicht im Zusammenwirken entsprechend ihrer jeweiligen verfassungsmäßigen Aufgaben lösen können?
Alleiniges Argument, das mir dagegen einfällt, ist eben: "Die simulationsinternen Organe können z. B. nicht über die Eintragung Ratelons auf einer micronationalen Weltkarte entscheiden, denn Weltkarten sind simulationsextern, alles andere wäre unrealistisch!" Zur Erwiderung darauf siehe das Vorgesagte.
Noch weniger ist für mich nachvollziehbar, warum eine "Spielleitung", die eigentlich nur Angelegenheiten regeln soll, die nach Meinung mancher "realistischerweise" nicht in der Simulaton geregelt werden können, so ausgestaltet sein muss wie gegenwärtig der Fall? Warum muss das aktive und passive Wahlrecht zu einer "Spielleitung", die quasi die simulationsexterne Vertretung der Spielergemeinde sein soll, auf einen exklusiven Zirkel durch Erfahrung für "würdig" befundener Spieler beschränkt werden? Warum muss sich diese "Spielleitung" nach Meinung ihrer Mitglieder und Anhänger annähernd jedweder Transparenz und demokratischen Kontrolle entziehen? Dass alle acht Monate ein begrenzter Teil der Spielerschaft die "Spielleitung" wählt, wobei man angesichts des Verhältnisses von Kandidaten zu Mandaten in der "Spielleitung" diesmal z. B. kaum von einer alternativen Wahl sprechen kann, vermag ich nicht wirklich als demokratische Kontrolle zu werten, und die typischerweise ca. zehnzeiligen Begründungen der "Spielleitungs"-Beschlüsse nicht als Transparenz.
Die üblichen Antworten auf diese Kritik offenbaren regelmäßig, dass die "Spielleitung" nach den Vorstellungen ihrer Mitglieder und Befürworter eben doch mehr ist als der Moderator simulationsexterner Entscheidungsprozesse und Sprecher der Spielergemeinde in simulationsexternen Angelegenheiten.
Nämlich ein Gremium, das alles Geschehen im Forum überwacht, es auf die Konformität mit seiner Auslegung der "Spielregeln" hin kontrolliert, unterbindet was immer es für verboten befindet, sperrt wen immer es eines Verstoßes für schuldig hält, dabei Vorrang und Vetorecht gegenüber allen simulationsinternen Organen genießt, in all seinen Handlungen schrankenlos souverän und seinen Entscheidungen unfehlbar ist. Das kommt der Stellung des Wächterrates im politischen System des Iran erschreckend nahe, und hat vor allem nichts mehr damit zu tun, dass man gewisse Angelegenheit nicht simulationsintern regeln könnte. Richtiger wäre die Aussage: manche Leute hier wollen gewisse Angelegenheiten nicht demokratisch, transparent und im Bemühen um ein gerechtes Verfahren regeln, weil sie die Ergebnisse eines solchen Prozesses für unbefriedigend halten und der Meinung sind, ein bisschen Autoritarismus von den richtigen Leuten - in der Regel ihnen selbst - praktiziert sei besser als Gleichberechtigung und Demokratie.
Und was den Punkt "simulationsexterne Beleidigungen" o. ä. angeht, auch hier hat sich die "Spielleitung" offenkundig selbst ein Betätigungsfeld gesucht und dazu eine Hysterie angestachelt, die sie jetzt besänftigen zu müssen vorgibt.
Ich muss denke ich niemandem die sprichwörtlich gewordenen "ratelonischen Sitten" ins Gedächtnis rufen, vielleicht aber mal die Überlegung anstoßen, dass Ratelon stets dafür bekannt war, nicht gerade Tummelplatz sonderlich begabter Rollenspieler, sondern eher eine Politik-Community zu sein. Will heißen: lange Zeit war es eigentlich die Normalität, dass man seine "Identität" eher als Pseudonym denn eigenständige Persönlichkeit verstanden, und sich letztlich jeder mit seinen Anschauungen und seinem Charakter selbst gespielt hat.
Das bedeutete dann natürlich, dass man in den stets mit hoher Aggressivität und nicht gerade wenigen verbalen "Tiefschlägen" geführten Debatten eigentlich nicht behaupten konnte, dort keilten sich nur zwei virtuelle "Identitäten" wie die Kesselflicker, die Grenzen zwischen diesen und den realen Personen dahinter waren vorsichtig gesagt schwimmend, mit letztlicher Sicherheit ließ sich nie sagen, inwiefern eine Beleidigung nicht zumindest auch und das sogar bewusst auf die reale Person hinter der angesprochenen "Identität" abzielte.
Heißt auf Deutsch: simulationsexterne Beleidigungen gab es auch früher schon, und das nicht zu knapp. Statt zwischen "simulationsinternen" und "simulationsexternen Beleidigungen" zu unterscheiden, wie es aktuell die "Spielleitung" parktiziert, hat man eher zwischen politischen und unpolitischen Diskussionen unterschieden: man konnte sich in einer politischen Debatte durchaus auch mal einen unter der Gürtellinie verpassen, aber trotzdem konnte man sich an anderer Stelle, in einer eben unpolitischen Debatte, dennoch vertragen.
Und auch hier gilt wieder: Ratelon hat
trotz seines rauen Klimas, seiner unscharfen Trennung zwischen virtuellen und realen Personen und seiner damit einhergehenden Kultur oder Unkultur auch simulationsexterner Beleidigungen eine unter den deutschsprachigen Micronationen einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. Die Einrichtung einer (aktiven) Spielleitung, die jetzt Maulkörbe verteilen soll, hat demgegenüber keinerlei Fortschritt oder Verbesserung in welcher Hinsicht auch immer gebracht.