Verfasst: Mo 17. Nov 2008, 00:28
Im Grunde sind sich Liberalismus und Sozialismus in ihren Eingangsüberlegungen und Zielvorstellungen einig: jeder Mensch soll frei sein, seine individuellen Anlagen zu entfalten, und diese Freiheit hat auch eine materielle Dimension. Wer nicht aus eigener Kraft die Aufwendungen für eine behagliche Unterkunft, nicht nur körperlich sondern auch seelisch sättigende Verpflegung usw. bestreiten kann, der ist schlicht nicht frei.
Solange ich nicht auf einer einsamen Insel sitze, endet meine Freiheit dort, wo die des anderen beginnt. Das hat sogar weniger mit Ethik, über die man streiten kann, zu tun als mit gesundem Menschenverstand, über den man nicht streiten kann. Will ich meine Freiheit als Grundlage meines Daseins erhalten, dann darf ich durch mein Handeln auch meinem Nächsten seine Freiheit nicht nehmen - sonst lebe ich in der beständigen Gefahr, dass dieser den Spieß irgendwann herumdreht.
Es hat rein gar nichts mehr mit dem Streben nach Freiheit von Unternehmertum und Wettbewerb zu tun, wenn ein Josef Ackermann (ich greife hier der Bequemlichkeit halber auf ein bekanntes und populäres Feindbild zurück
) sich - ja, wofür eigentlich genau? - in einem Jahr achtstellige Beträge auf sein Konto schaufelt, während die Frau die sein Büro putzt Aufstockungsunterhalt von der ARGE bezieht, um eine ausreichende materielle Lebensgrundlage zu haben.
Wer in den Schlachtruf "Liberté, Égalité, Fraternité" der Französischen Revolution gleich stalinistische Anwandlungen hineninterpretiert, hat nichts verstanden (gell, Herr Prof. Hoppe?
). Die Schöpfer der US-amerikanischen Unabhänggkeitserklärung und Verfassung etwa, gerne zu einer Art "Kapitalistischem Manifest" erhoben, hätten sich niemals träumen lassen, zur moralischen Rechtfertigung einer welchen Welt diese Dokumente einmal würden herhalten müssen. Sie hatten eine natürliche Gleichheit als Grundlage jeder echten Freiheit im Sinn.
Aber auch Theoretiker des Sozialismus haben einen kapitalen Fehler gemacht, indem sie das Mittel zur Tugend gemacht haben - den Kollektivismus. Dass - mit einem modernen Begriff gesprochen - Arbeitnehmer zusammenwirken um ihre nicht gemeinsamen, sondern gleichartigen Ziele zu erreichen, hat wiederum nichts mit Ethik, sondern mit Klugheit zu tun. In ihrer Zahl liegt ihre Stärke. Jeder liberal denkende, das heißt auf seine Freiheit, das heißt (auch) auf seine materielle Existenz bedachte Arbeitnehmer sollte an seinem ersten Arbeitstag eines tun: sich mit seinen Arbeitskollegen gewerkschaftlich organisieren.
Denn eigentlich sind Gewerkschaften zutiefst kapitalistische Organisationen: Ziel ihrer Mitglieder ist es, ihre Arbeitskraft zum bestmöglichen Preis - unmittelbar (Arbeitseinkommen) wie mittelbar materiell (betriebliche Mitbestimmung) - zu verkaufen.
Was sich heute als Kapitalimus/Liberalismus und Sozialismus antagonistisch gegenübersteht, sind letztlich zwei Pole der Perversion der selben Sache, dem Streben nach Freiheit durch materielle Sicherheit und wirtschaftliche Entfaltungsfähigkeit.
Freiheit ist ohne ein Mindestmaß an Solidarität nicht zu erreichen. Die FReiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Wirtschaftliche Entfaltung auf Kosten der wirtschaftlichen Existenz des anderen ist keine Freiheit mehr, sondern Ausbeutung.
Solange ich nicht auf einer einsamen Insel sitze, endet meine Freiheit dort, wo die des anderen beginnt. Das hat sogar weniger mit Ethik, über die man streiten kann, zu tun als mit gesundem Menschenverstand, über den man nicht streiten kann. Will ich meine Freiheit als Grundlage meines Daseins erhalten, dann darf ich durch mein Handeln auch meinem Nächsten seine Freiheit nicht nehmen - sonst lebe ich in der beständigen Gefahr, dass dieser den Spieß irgendwann herumdreht.
Es hat rein gar nichts mehr mit dem Streben nach Freiheit von Unternehmertum und Wettbewerb zu tun, wenn ein Josef Ackermann (ich greife hier der Bequemlichkeit halber auf ein bekanntes und populäres Feindbild zurück
Wer in den Schlachtruf "Liberté, Égalité, Fraternité" der Französischen Revolution gleich stalinistische Anwandlungen hineninterpretiert, hat nichts verstanden (gell, Herr Prof. Hoppe?
Aber auch Theoretiker des Sozialismus haben einen kapitalen Fehler gemacht, indem sie das Mittel zur Tugend gemacht haben - den Kollektivismus. Dass - mit einem modernen Begriff gesprochen - Arbeitnehmer zusammenwirken um ihre nicht gemeinsamen, sondern gleichartigen Ziele zu erreichen, hat wiederum nichts mit Ethik, sondern mit Klugheit zu tun. In ihrer Zahl liegt ihre Stärke. Jeder liberal denkende, das heißt auf seine Freiheit, das heißt (auch) auf seine materielle Existenz bedachte Arbeitnehmer sollte an seinem ersten Arbeitstag eines tun: sich mit seinen Arbeitskollegen gewerkschaftlich organisieren.
Denn eigentlich sind Gewerkschaften zutiefst kapitalistische Organisationen: Ziel ihrer Mitglieder ist es, ihre Arbeitskraft zum bestmöglichen Preis - unmittelbar (Arbeitseinkommen) wie mittelbar materiell (betriebliche Mitbestimmung) - zu verkaufen.
Was sich heute als Kapitalimus/Liberalismus und Sozialismus antagonistisch gegenübersteht, sind letztlich zwei Pole der Perversion der selben Sache, dem Streben nach Freiheit durch materielle Sicherheit und wirtschaftliche Entfaltungsfähigkeit.
Freiheit ist ohne ein Mindestmaß an Solidarität nicht zu erreichen. Die FReiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Wirtschaftliche Entfaltung auf Kosten der wirtschaftlichen Existenz des anderen ist keine Freiheit mehr, sondern Ausbeutung.