Verfasst: So 9. Nov 2008, 13:30
Zieht unter den Klängen der Orgel in die Kathedrale ein.
Liebe Gemeinde,
in der Heiligen Schrift lesen wir:
"Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet. Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben."
Es ertönt die Orgel.
Liebe Gemeinde,
Jesus spricht zu uns: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Viele fragen sich heute: Gibt es Gott? Wo ist Gott? Ist er ein sogenanntes "höheres Wesen", das weitab von der Erde und weitab auch von mir selber ist? Kann man Gott irgendwie erfahren? Ist es möglich, ein persönliches Verhältnis zu Gott zu haben? Viele gehen sogar soweit, Gott zu verleugnen und Religion als "Opium für das Volk" zu bezeichnen - erst kürzlich wieder in der öffentlichen Diskussion - und niemand widersprach. Die Antwort Gottes auf diese Fragen, diese Zweifel und die Verleugnung ist nach dem einhelligen Zeugnis der Bibel eine Person: Jesus Christus. In ihm ist Gott aus seiner Verborgenheit herausgetreten. In ihm hat er sich uns Menschen geoffenbart. Durch ihn hat er uns Menschen seine Barmherzigkeit und Menschenliebe verkündigen lassen. Christus überwindet unsere Angst vor dem allmächtigen, verborgenen und darum uns Menschen unheimlichen Gott. Durch Christus baut Gott ein Vertrauensverhältnis zwischen uns Menschen und ihm auf. Wir nennen das Glauben. Glauben im Sinne von fester Überzeugung.
Durch Jesus Christus hat Gott uns anschaulich gemacht, wie er uns Menschen gegenüber eingestellt ist und was er will. Christus ist Gottes Liebe in Wort und Tat. Und Christen – also die Menschen, die an Christus glauben und von seiner Lebensart beeinflusst sind – Christen sind ebenfalls Menschen, die Gottes Liebe in Wort und Tat weitergeben. Es geht gar nicht anders. Nur fromme Worte auf den Lippen, den Bedürftigen im Stich lassen und Unfrieden verbreiten: das passt nicht zusammen. In dem bekannten Gleichnis vom Weltgericht sagt Christus sehr deutlich: Wer Christ sein will, wer ihm dienen will, der kann das nur als ganzer Mensch tun: Mit Herzen, Mund und Händen, in Wort und Werk. Was "Christus dienen" bedeutet, das wird in dem Gleichnis dann sehr konkret entfaltet. Niemand soll sagen können, er könne das nicht oder er habe das nicht gewusst.
Christus dienen heißt nach diesem Gleichnis: Christus in Menschen begegnen; in dem Bedürftigen Christus selber entdecken und ihm durch Nächstenliebe dienen. Nächstenliebe ist immer ganz konkret: Dem Hungrigen zu essen, dem Durstigen zu trinken geben, den Fremden aufnehmen, den Nackten bekleiden – das alles sind einfache, lebenserhaltende Liebesdienste, die an unser Portemonnaie gehen. – Kranke besuchen, Gefangene betreuen – das sind Liebesdienste, die unsere Zeit erfordern.
So konkret sagt Christus uns, was er von seinen Nachfolgern erwartet. Konkreter geht es nicht! Sich zu Jesus mit Worten vor anderen Menschen bekennen ist gut und notwendig, ebenfalls das Gebet und die Beschäftigung mit der Bibel. Aber das alles ist kein Selbstzweck, sondern es soll Auswirkungen haben. Darum traut Christus uns auch Taten der Liebe zu, die unser Portemonnaie und unsere Zeit betreffen. Sie können sich sicher vorstellen, dass es in unserer Welt anders aussehen würde, wenn viele Menschen – vor allem auch wir Christen – nach Jesu Wort leben würden: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
Gott sitzt nicht untätig auf seinem Thron und denkt: "Na, lass die Menschen man machen!" Sondern Gott sandte Christus, seinen Sohn, dass er uns seine Liebe verkündigte, dass er sie uns vorlebte, und dass er uns mit dem Geist seiner Liebe zu ähnlichem Tun fähig macht. Und nach der Auferweckung Jesu sucht Gott unter uns Menschen Mitarbeiter, die Christi Werk fortsetzen: Die seine Liebe weitersagen und weitertragen – in Worten und auch in Werken. Das ist Gottes Antwort auf die viel gestellte Frage "Wie kann Gott das zulassen?", die viele Menschen daran zweifeln lässt, ob es Gott gibt. Gott gibt diese Frage an uns zurück: "Wie könnt ihr Menschen das zulassen, dass viele eurer Schwestern und Brüder verhungern müssen, während ihr überreichlich zu essen und zu leben habt?"
Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.
Liebe Gemeinde,
in unserem Land herrscht ist eine große Diskussion entbrannt, wie die Verfassung unseres Staates neu zu fassen sei. Es geht hierbei um die Frage nach der Kompetenzverteilung zwischen der Union und den einzelnen Unionsländern. Welche Kompetenzen soll die übergeordnete Ebene haben, welche die Teile, die das Ganze konstituieren, damit der Staat, unser Gemeinwesen, am Leben bleibt?
Wie aber ist der vollkommene Staat auf Erden beschaffen, in dem das Herz Ruhe und die Seele Frieden finden kann? Wahrlich: suchet diesen Staat in Euren eigenen Herzen. Und sobald Ihr ihn gefunden habt, wird er auf der ganzen Welt existieren.
Was aber sollen seine Kriterien sein? Eine Verfassung, unter der alle Menschen die Vollkommenheit anstreben, ohne ihrer jemals ganz teilhaftig zu werden. Wo die Güte mit der Würde gepaart ist, die Freundlichkeit mit der Vernunft, die Bildung mit der Vornehmheit, Liebe mit Demut, Frieden mit Kraft, wo die Barmherzigkeit weltumspannend ist, wo die Weisheit die Schwester der Demut und das Wissen jene des Staunens ist. Achtet die Seelen der anderen, und auf der tiefsten Sprosse Eurer Wertschätzung stehe der Ignorant.
Bist Du aber ein Herrscher, dann sei ehrlich in Deinem Bestreben, der oberste Diener aller Menschen Deines Dir anvertrauten Volkes zu sein, erhebe Dich über das Böse und übe Dich zum Wohle Deiner Mitmenschen frohen Herzens in Selbstbeherrschung. Liebe die Wahrheit, denn Lug und Betrug sind die Werkzeuge des Bösen. Sprich nicht von Gold, sondern von Freundschaft. Sei gläubig, denn ein Volk ohne Glauben wird untergehen. Sei friedfertig und gerecht.
Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.
Wahrlich, denn es steht geschrieben in der Offenbarung der Heiligen Schrift:
"Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis hin zum Tod. Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat."
Liebe Gemeinde,
ein Herrscher ohne Glauben wird vielleicht kurzfristig Erfolge und große Siege feiern können, seine gottferne Ideologie mag vielleicht einleuchtend klingen, aber er wird sein Haus auf Sand gebaut haben und sein Reich wird keinen Bestand haben: Staub, heulender Wind und abbröckelnde Leere wird der gottlosen Herrscher harren, die Siegesfahnen werden zerbrochen und weggefegt werden und die Säulenhallen der Sieger sich in Steinhaufen verwandeln. Die Straßen, über die die Könige reiten, werden im Sand vergraben sein, und Sand wird sich einnisten, wo einst der Herrschende auf seinem Thron saß.
Die Reiche der Tyrannen werden vergehen, und es wird keine Spur von ihnen zurückbleiben. Denn ihr Weg ist der Weg des Todes, und alles Lebendige muss sich von ihnen abwenden. Am Ende aber wird der Tyrann vom Gewicht seiner Opfer erdrückt werden, die Städte, die er geschleift und in Rauch aufgehen ließ, werden neu entstehen, das Korn, welches er verbrannt hat, wird neu gesät werden und der von ihm vergiftete Quell wird wieder rein und klar fließen, über ihren Gräbern wird der Wind der Vergessenheit wehen, und wo einst seine Horden alles Leben niedertrampelten, wird das Gras wachsen und ihre Spuren werden verlöschen.
"Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat." Tausende Male wird das Böse die Erde heimsuchen, und tausende Male wird die Menschheit überleben, um den Boden zu bebauen und ihre Wohnstätten und Gottes Haus zu errichten. Denn das Gute ist unvergänglich. Was der Tyrann aber tut, wird wie Sand durch seine Finger rinnen, und er, seine Werke und seine Taten werden im Sand versinken.
Es singt der Tenor des Kirchenorchesters und es spielt das Kirchenorchester.
Liebe Gemeinde, liebt Gott und sucht ihn mit jedem Atemzug, mit jedem Gedanken, mit jedem Wort und mit jeder Tat. Er allein wird Euch nicht verraten, wenn alle anderen Euch enttäuschen. In ihm liegt die einzige Wahrheit und das ewige Leben. - Glaubt an diese Dinge, und der vollkommene Staat gehört Euch, und mit Euch der ganzen Welt.
Es singt die Sopranistin des Kirchenchors.
Lasst uns beten:
O Herr, barmherziger Gott, Quelle der Gerechtigkeit und des Friedens, wir bitten Dich, erhöre uns. Gib den Mächtigen dieses Landes und der Welt die Einsicht, zum Wohle der Menschen zu handeln und dem Frieden zu dienen, gib ihnen die Kraft, sich nicht korrumpieren zu lassen und gib ihnen den Mut, sich Unrecht, Gewalt und Unterdrückung entgegenzustellen.
Herr, sei Du mit den Bedrängten und Verfolgten, sei Du mit den Menschen, die in ihrer Not und Verzweiflung nicht ein noch aus wissen, spende ihnen Trost und weise ihnen den rechten Weg.
Herr erbarme Dich unser!
Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.
Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:
Der Herr beschütze dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.
Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:
Amen
Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.
Liebe Gemeinde,
in der Heiligen Schrift lesen wir:
"Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet. Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben."
Es ertönt die Orgel.
Liebe Gemeinde,
Jesus spricht zu uns: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Viele fragen sich heute: Gibt es Gott? Wo ist Gott? Ist er ein sogenanntes "höheres Wesen", das weitab von der Erde und weitab auch von mir selber ist? Kann man Gott irgendwie erfahren? Ist es möglich, ein persönliches Verhältnis zu Gott zu haben? Viele gehen sogar soweit, Gott zu verleugnen und Religion als "Opium für das Volk" zu bezeichnen - erst kürzlich wieder in der öffentlichen Diskussion - und niemand widersprach. Die Antwort Gottes auf diese Fragen, diese Zweifel und die Verleugnung ist nach dem einhelligen Zeugnis der Bibel eine Person: Jesus Christus. In ihm ist Gott aus seiner Verborgenheit herausgetreten. In ihm hat er sich uns Menschen geoffenbart. Durch ihn hat er uns Menschen seine Barmherzigkeit und Menschenliebe verkündigen lassen. Christus überwindet unsere Angst vor dem allmächtigen, verborgenen und darum uns Menschen unheimlichen Gott. Durch Christus baut Gott ein Vertrauensverhältnis zwischen uns Menschen und ihm auf. Wir nennen das Glauben. Glauben im Sinne von fester Überzeugung.
Durch Jesus Christus hat Gott uns anschaulich gemacht, wie er uns Menschen gegenüber eingestellt ist und was er will. Christus ist Gottes Liebe in Wort und Tat. Und Christen – also die Menschen, die an Christus glauben und von seiner Lebensart beeinflusst sind – Christen sind ebenfalls Menschen, die Gottes Liebe in Wort und Tat weitergeben. Es geht gar nicht anders. Nur fromme Worte auf den Lippen, den Bedürftigen im Stich lassen und Unfrieden verbreiten: das passt nicht zusammen. In dem bekannten Gleichnis vom Weltgericht sagt Christus sehr deutlich: Wer Christ sein will, wer ihm dienen will, der kann das nur als ganzer Mensch tun: Mit Herzen, Mund und Händen, in Wort und Werk. Was "Christus dienen" bedeutet, das wird in dem Gleichnis dann sehr konkret entfaltet. Niemand soll sagen können, er könne das nicht oder er habe das nicht gewusst.
Christus dienen heißt nach diesem Gleichnis: Christus in Menschen begegnen; in dem Bedürftigen Christus selber entdecken und ihm durch Nächstenliebe dienen. Nächstenliebe ist immer ganz konkret: Dem Hungrigen zu essen, dem Durstigen zu trinken geben, den Fremden aufnehmen, den Nackten bekleiden – das alles sind einfache, lebenserhaltende Liebesdienste, die an unser Portemonnaie gehen. – Kranke besuchen, Gefangene betreuen – das sind Liebesdienste, die unsere Zeit erfordern.
So konkret sagt Christus uns, was er von seinen Nachfolgern erwartet. Konkreter geht es nicht! Sich zu Jesus mit Worten vor anderen Menschen bekennen ist gut und notwendig, ebenfalls das Gebet und die Beschäftigung mit der Bibel. Aber das alles ist kein Selbstzweck, sondern es soll Auswirkungen haben. Darum traut Christus uns auch Taten der Liebe zu, die unser Portemonnaie und unsere Zeit betreffen. Sie können sich sicher vorstellen, dass es in unserer Welt anders aussehen würde, wenn viele Menschen – vor allem auch wir Christen – nach Jesu Wort leben würden: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."
Gott sitzt nicht untätig auf seinem Thron und denkt: "Na, lass die Menschen man machen!" Sondern Gott sandte Christus, seinen Sohn, dass er uns seine Liebe verkündigte, dass er sie uns vorlebte, und dass er uns mit dem Geist seiner Liebe zu ähnlichem Tun fähig macht. Und nach der Auferweckung Jesu sucht Gott unter uns Menschen Mitarbeiter, die Christi Werk fortsetzen: Die seine Liebe weitersagen und weitertragen – in Worten und auch in Werken. Das ist Gottes Antwort auf die viel gestellte Frage "Wie kann Gott das zulassen?", die viele Menschen daran zweifeln lässt, ob es Gott gibt. Gott gibt diese Frage an uns zurück: "Wie könnt ihr Menschen das zulassen, dass viele eurer Schwestern und Brüder verhungern müssen, während ihr überreichlich zu essen und zu leben habt?"
Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.
Liebe Gemeinde,
in unserem Land herrscht ist eine große Diskussion entbrannt, wie die Verfassung unseres Staates neu zu fassen sei. Es geht hierbei um die Frage nach der Kompetenzverteilung zwischen der Union und den einzelnen Unionsländern. Welche Kompetenzen soll die übergeordnete Ebene haben, welche die Teile, die das Ganze konstituieren, damit der Staat, unser Gemeinwesen, am Leben bleibt?
Wie aber ist der vollkommene Staat auf Erden beschaffen, in dem das Herz Ruhe und die Seele Frieden finden kann? Wahrlich: suchet diesen Staat in Euren eigenen Herzen. Und sobald Ihr ihn gefunden habt, wird er auf der ganzen Welt existieren.
Was aber sollen seine Kriterien sein? Eine Verfassung, unter der alle Menschen die Vollkommenheit anstreben, ohne ihrer jemals ganz teilhaftig zu werden. Wo die Güte mit der Würde gepaart ist, die Freundlichkeit mit der Vernunft, die Bildung mit der Vornehmheit, Liebe mit Demut, Frieden mit Kraft, wo die Barmherzigkeit weltumspannend ist, wo die Weisheit die Schwester der Demut und das Wissen jene des Staunens ist. Achtet die Seelen der anderen, und auf der tiefsten Sprosse Eurer Wertschätzung stehe der Ignorant.
Bist Du aber ein Herrscher, dann sei ehrlich in Deinem Bestreben, der oberste Diener aller Menschen Deines Dir anvertrauten Volkes zu sein, erhebe Dich über das Böse und übe Dich zum Wohle Deiner Mitmenschen frohen Herzens in Selbstbeherrschung. Liebe die Wahrheit, denn Lug und Betrug sind die Werkzeuge des Bösen. Sprich nicht von Gold, sondern von Freundschaft. Sei gläubig, denn ein Volk ohne Glauben wird untergehen. Sei friedfertig und gerecht.
Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.
Wahrlich, denn es steht geschrieben in der Offenbarung der Heiligen Schrift:
"Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis hin zum Tod. Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat."
Liebe Gemeinde,
ein Herrscher ohne Glauben wird vielleicht kurzfristig Erfolge und große Siege feiern können, seine gottferne Ideologie mag vielleicht einleuchtend klingen, aber er wird sein Haus auf Sand gebaut haben und sein Reich wird keinen Bestand haben: Staub, heulender Wind und abbröckelnde Leere wird der gottlosen Herrscher harren, die Siegesfahnen werden zerbrochen und weggefegt werden und die Säulenhallen der Sieger sich in Steinhaufen verwandeln. Die Straßen, über die die Könige reiten, werden im Sand vergraben sein, und Sand wird sich einnisten, wo einst der Herrschende auf seinem Thron saß.
Die Reiche der Tyrannen werden vergehen, und es wird keine Spur von ihnen zurückbleiben. Denn ihr Weg ist der Weg des Todes, und alles Lebendige muss sich von ihnen abwenden. Am Ende aber wird der Tyrann vom Gewicht seiner Opfer erdrückt werden, die Städte, die er geschleift und in Rauch aufgehen ließ, werden neu entstehen, das Korn, welches er verbrannt hat, wird neu gesät werden und der von ihm vergiftete Quell wird wieder rein und klar fließen, über ihren Gräbern wird der Wind der Vergessenheit wehen, und wo einst seine Horden alles Leben niedertrampelten, wird das Gras wachsen und ihre Spuren werden verlöschen.
"Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat." Tausende Male wird das Böse die Erde heimsuchen, und tausende Male wird die Menschheit überleben, um den Boden zu bebauen und ihre Wohnstätten und Gottes Haus zu errichten. Denn das Gute ist unvergänglich. Was der Tyrann aber tut, wird wie Sand durch seine Finger rinnen, und er, seine Werke und seine Taten werden im Sand versinken.
Es singt der Tenor des Kirchenorchesters und es spielt das Kirchenorchester.
Liebe Gemeinde, liebt Gott und sucht ihn mit jedem Atemzug, mit jedem Gedanken, mit jedem Wort und mit jeder Tat. Er allein wird Euch nicht verraten, wenn alle anderen Euch enttäuschen. In ihm liegt die einzige Wahrheit und das ewige Leben. - Glaubt an diese Dinge, und der vollkommene Staat gehört Euch, und mit Euch der ganzen Welt.
Es singt die Sopranistin des Kirchenchors.
Lasst uns beten:
O Herr, barmherziger Gott, Quelle der Gerechtigkeit und des Friedens, wir bitten Dich, erhöre uns. Gib den Mächtigen dieses Landes und der Welt die Einsicht, zum Wohle der Menschen zu handeln und dem Frieden zu dienen, gib ihnen die Kraft, sich nicht korrumpieren zu lassen und gib ihnen den Mut, sich Unrecht, Gewalt und Unterdrückung entgegenzustellen.
Herr, sei Du mit den Bedrängten und Verfolgten, sei Du mit den Menschen, die in ihrer Not und Verzweiflung nicht ein noch aus wissen, spende ihnen Trost und weise ihnen den rechten Weg.
Herr erbarme Dich unser!
Es singt der Kirchenchor und es spielt das Kirchenorchester.
Liebe Gemeinde, lasst uns nun beten, wie Jesus Christus es uns gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Wendet sich der Gemeinde zu und breitet die Arme aus:
Der Herr beschütze dich und behüte dich,
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Antlitz auf dich und
schenke dir seine Liebe und seinen Frieden.
Beschreibt mit der rechten Hand ein Kreuz:
Amen
Zieht unter den Klängen der Orgel aus der Kathedrale aus.