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Verfasst: Mi 16. Apr 2008, 19:06
von Matt Suchard
Original von Joeli Veitayaki
hier die Frage eines amerikanischen Ebay-Kunden von mir: Hi again. Is Deutschland in Germany ? thanks Andy
Und das ist ein rein amerikanisches Problem?! Frag mal an deutschen Schulen nach der Hauptstadt Polens...ich wette du kriegst die lustigsten Ergebnisse. Angefangen bei St. Petersburg, über Frankfurt/Oder und "Berlin! Ist schließlich unser Ostgebiet!" bis hin zu "Polen?!?"...
Zwar etwas älter, aber immer wieder schön zu lesen:
Harry Potter bekannter als Günter Grass
Als wenn "Dummheit" an einer Nation fest zu machen wäre...
Verfasst: Do 17. Apr 2008, 21:10
von Baudouin de Billancourt
Original von Joeli Veitayaki
...
Wer mir nicht Iowa, North Dakota und Missouri auf einer unbeschrifteten Karte der USA zeigen kann, kann sich auch nicht über "die Amerikaner" aufregen (diese Verallgemeinerungen beruhen übrigens auf derselben Prämisse wie der Nationalsozialismus). Wenn Du es kannst - in Ordnung.
Verfasst: Do 17. Apr 2008, 21:54
von Daniel
Für Deine Freundin zum Thema "Holocaust":
Während meiner Schulzeit war der Holocaust immer nur eine abstrakte Angelegenheit für mich, die nur auf Zahlen beruhte. Sie machte mich betroffen, aber ich kann nicht sagen, dass ich mich in irgendeiner Form für die Verbrechen der Nazis veranwortlich fühlte.
Als ich im letzten Sommer das Todeslager Auschwitz-Birkenau besuchte, kam ein anderes Gefühl in mir hoch: Scham. Ich schämte mich für die Taten, die im Namen von uns Deutschen begangen wurde. Der Holocaust wurde "greifbar".
Ich kann heute weder sagen, dass ich mich für die Taten der Deutschen persönlich verantwortlich fühle, noch mache ich meinen Großeltern persönliche Vorwürfe. Ich spüre aber dennoch eine Verantwortung - gerade als Deutscher -, dass ich dafür sorge, dass ein solches Verbrecher nie wieder von Deutschen begangen wird.
Verfasst: Fr 18. Apr 2008, 01:40
von Matt Suchard
Original von Baudouin de Billancourt
Wer mir nicht Iowa, North Dakota und Missouri auf einer unbeschrifteten Karte der USA zeigen kann, kann sich auch nicht über "die Amerikaner" aufregen (diese Verallgemeinerungen beruhen übrigens auf derselben Prämisse wie der Nationalsozialismus). Wenn Du es kannst - in Ordnung.
Wuhu....ich habe einen Freifahrtschein.

Die jeweiligen Hauptstädte sollte man aber auch noch können. Erst damit wird es wirklich knifflig.
@all: Danke für die zahlreichen Antworten, auch per PM.

Verfasst: Fr 18. Apr 2008, 04:54
von Julia Elián
Ich habe ja schon was in Astor dazu geschrieben, aber zwei Dinge moechte ich noch bemerken.
1) (zu der Amerika ist bloed Debatte): Mit Glueck koennte ich die Bundesstaaten sogar richtig finden, aber vielleicht ist das in der Tat eine Nummer zu hoch. Dennoch halte ich den Vorwurf ebenfalls fuer ungerechtfertigt. Er resultiert m.E. nach auch aus einer gewissen Egozentrik oder Eingebildetheit der Europaer, die, nachdem sie solange sie den Rest der Welt kannten, diesen auch bis vor 50 Jahren beherrschaft haben, unterschwellig noch oft denken, Europa sei der Nabel der Welt. Also muss man das auch kennen. Aus der amerikanischen Sicht ist Europa aber nur ein Kontinent, der sich allenfalls durch seine (im Vergleich abnehmende) oekonomische Staerke auszeichnet. Was sind den Frankreich/Deutschland/etc. darueber hinaus: geographisch kleine Laender mit 40-80 Millionen Einwohnern... Nun, davon gibt es viele und aus USA Sicht ist z.B. ein Kontinent wie Suedamerika mindestens genauso geopolitisch interessant. Fair waere vielleicht daher zu vergleichen wieviele Deutsche und wieviele Amerikaner Pero oder Uruguay auf der Karte finden.
2) Wie ich in Astor sagte: Nein, ich fuehle mich nicht schuldig als Deutscher und ich denke auch nicht "Ich muss etwas dafuer tun, damit Deutsche das nicht wieder tun.", denn die Aufgabe der "Menschheit" besteht doch darin, dass das generell nie wieder passiert. Es gibt allerdings - wie mir erst vor Kurzem aufgefallen ist - EINE Ausnahme. Als ich hier in Chile und Argentinien unterwegs war, bin ich extrem vielen Israelis begegnet, die hier rumreisen. Sued-Suedamerika scheint da offenbar so im Trend zu liegen, dass in Pucon etwa neben englischen und spanischen z.T. sogar hebraeische Speisekarten auslagen. Und da ist mir aufgefallen: Einem Israeli gegenueber ist es mir schon eher unangenehm zu sagen, dass ich aus Deutschland bin, da ich - so habe ich mich selbst analysiert - unterschwellig unterstelle, dass dieser eine historisch bedingt eher negative Meinung von Deutschland hat. In der Praxis jedoch bin ich auf keinerlei negative Reaktionen gestossen.
Verfasst: Fr 18. Apr 2008, 10:46
von Daniel
Ich hätte eine andere Frage: Seht ihr die Deutschen auch als Opfer der Nationalsozialisten?
Verfasst: Fr 18. Apr 2008, 11:42
von Matt Suchard
Original von Julia Elián
Ich habe ja schon was in Astor dazu geschrieben, aber zwei Dinge moechte ich noch bemerken.
Ach Du bist das....man lernt nie aus...und das nach Jahren. ^^
Daniel: Ja natürlich. Immerhin wurden mehrere Millionen Deutsche damals in die KZs geschickt und brutal ermordet.
Verfasst: Fr 18. Apr 2008, 12:03
von Daniel
Die möchte ich mal aussenvor lassen: Seht ihr die Deutschen als Kollektiv als Opfer, weil sie verführt wurden?
Verfasst: Fr 18. Apr 2008, 15:32
von Baudouin de Billancourt
Es gibt keine Kollektive. Es gab viele Individuen, die Opfer waren. Und viele andere, die schuldig waren.
Edit: was für eine Semantik!! Und ich hab zu dem Zeitpunkt doch gar nichts getrunken...
Verfasst: Fr 18. Apr 2008, 15:58
von Nicolas Seroux de Fay
Sagt mal ihr jungen Deutschen: Gibt euch diese ewige Holocaust-Nachfragerei nicht langsam tierisch auf die Nerven?
Mit dem Thema habe ich mich selbst intensiv befasst. Mein grosses Hobby ist Geschichte (und Reiten, das finde ich mittlerweile interessanter). Dabei finde ich es sehr stossend, dass man in deutschen Foren immer einen Einleitungssatz machen muss wie "Also zuerst einmal will ich betonen, dass ich den Holcaust schrecklich finde blabla", weil man ansonsten gleich als übles Nazischwein verdächtigt wird.
Über das Thema selbst kann man ja gar nicht sinnvoll diskutieren auf einer historisch-wissenschaftlichen Basis. Da hat man es sich in der Welt sehr einfach gemacht: Die Deutschen waren die Bösen und alle anderen waren und sind die Guten. Ja nichts darf man da reinbringen von aktueller israelischer Politik (Stichwort Palästinenser einzäunen), von aktueller US-amerikanischer Politik (Global war on terror als möglicher Ausdruck einer wirtschaftsimperialistischen, nationalistischen Politik, andere Genozide wie Gulags, Armenien, Ruanda, Nichtweitergabe von Entschädigungszahlungen an Opfer an diese Opfer selbst - Stichwort Ausgleich Schweizer Banken mit jüdischen Organisationen, 40.000 Holländer, 30.000 Belgier in der Waffen-SS, Cllaboration der Masse der Franzosen mit dem Deutschen Reich, usw. usf.).