Original von Montgomery Scott
Der Punkt ist ja, dass solche Leute in der Praxix sowieso mehrere Wohnsitze haben. Und dann melden sie sich eben da wohnhaft, wo sie am wenigsten Steuern zu zahlen haben.
Ob es legitim ist, Steuersparmöglichkeiten zu nutzen oder ob man doch sein Eigentum zu großen Teilen in einen teilweise verschwenderischen Staat investieren sollte ist eine weitere Frage.
Trotzdem lebt auch der deutsche soziale Rechtsstaat vom von den Wohlhabenden, Selbstständigen und Über-Durchschnitts-Verdienern erwirtschafteten Kapital. Die unteren 50% der Einkommensbezieher zahlen noch etwa 5% des gesamten Steueraufkommens. Schwierig, das unideologisch als "Ungerechtigkeit gegenüber den Kleinverdienern" etc. zu bezeichnen finde ich.
Das kann der Durchschnittsverdiener dagegen nicht tun, womit der Superreiche Möglichkeiten zur Reduzierung seiner Steuerlast hat, die dem Durchschnittsverdiener nicht gegeben sind und dagegen muss der Staat vorgehen.
Der Staat könnte auch sein kompliziertes Steuersystem und seine gießkannenartige und subventionsmäßige (siehe Nokia etc.) Kapital-Verschwendung reduzieren. Aber das hieße keine Wahlgeschenke und Wohlfühlpolitik verteilen zu können und das fällt den meisten Politikern schwer. Erst recht nachdem die CDU/CSU (teilweise) dafür bei der letzten Bundestagswahl abgestraft wurde. Seit dem hört man wenig von grundsätzlichen/strukturellen Reformen und wieder mehr von "Mehr Steuerfahnder bezahlen" und "Steuern senken bringt doch nichts".
Meiner Meinung nach wäre eine Rückkehr zu einer
soliden Finanzpolitik und einer - wenn schon nicht ordoliberalen,dann wenigstens -
weniger interventionistischen Wirtschaftspolitik unumgänglich. Es hinterziehen nämlich nicht nur die bösen Großkapitalisten Steuern, sondern auch große Teile der Mittelschicht*. Das liegt aber großteils nicht daran, dass alle Menschen, die noch selbstständig Geld verdienen böse sind, sondern eher daran, dass das Steuersystem unüberschaubar geworden ist UND die verschwenderischen Ausgaben des Staates für viele Menschen nicht mehr so nachvollziehbar sind, als dass sie wissen, für welche Zwecke ihre Steuern von den Herrschenden verwendet werden. Also dass sie wenigstens wüssten, dass sie von dem großen Teil ihres Einkommens, den sie dem Finanzminister geben müssen, auch selbst etwas haben (z.B. solide finanzierte Sozial-Kassen etc.).
Steuerhinterziehung ist Volkssport. Ürer die Reichen, die es teilweise auch versuchen, regt man sich in großen Buchstaben in der BILD-Zeitung oder dem Vorwärts auf und kanalisiert die Wut über die Angst vor dem sozialen Absturz bzw. über die von Politikern (nicht von den Reichen) verursachten Löcher im Sozialsystem auf die kleine Gruppe der "Superreichen" und "Heuschrecken" etc.
Ein Feindbild, das meiner Meinung nach nur politisch instrumentalisiert wird. Auch wenn man alle "Superreichen" enteignen und lynchen würde, wäre damit noch kein Problem gelöst. Denn die Probleme sind strukturell und großteils politisch verursacht.
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(die finanzielle Unterschicht würde das auch, aber sie zahlt in Deutschland (immerhin hier ist der Staat so etwas wie ordoliberal) - zumindest netto - keine Steuern)