Kant sagt: Weil Du das, was deinem empirischen Ich (Ich als Erscheinung) gegenüber als kategorisches bzw. imperativisches Sollen ausgedrückt ist, als dein eigentliches, intelligibles und rein vernünftiges Ich (Ich als Ding an sich) von Dir selbst aus schon immer willst. Im Endeffekt bindet Dich also nur Dein eigenes Wollen.Original von Konrad Grimm
Meine Kritik an Kant: Es gibt keinen kategorischen Imperativ, sondern nur einen hypothetischen Imperativ. Kants "Handle stets so, dass die Maxime deines Willens zugleich Grundlage eines allgemeinen Gesetzes werden könnte" ist mit einem einzigen Wort auszukontern: "Warum?"
Oder, um es mal ein wenig realitätsnaher zu formulieren: Der Mensch mit seinem sinnlich affizierten Willen ist fähig, sich eine Idee davon zu machen, wie es wäre, wenn sein Wille durch Sinnliches unaffiziert wäre, und sich diesen vorgestellten reinen, vernünftigen Willen als den eigentlich menschlichen zum Maßstab und Ideal seines tatsächlichen Wollens und somit zum Regulativ seiner Handlungen zu nehmen, indem er sich ihm – und damit dem eigentlich Menschlichen in ihm – verpflichtet sieht.
Allerdings baut Kant fundamental auf einer Dichotomisierung zwischen Sein und Bewusstsein auf, hier insbesondere auf einer Dichotomie zwischen sinnlicher Wirklichkeit und Vernunft. Und diese Gegenüberstellung ist m.E. so nicht haltbar.